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Kultur Berlioz’ „Faust“ in Hannover
Nachrichten Kultur Berlioz’ „Faust“ in Hannover
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15:58 12.02.2019
Den „Faust“ im Griff: Regisseurin Marie-Eve Signeyrole in der Staatsoper. Quelle: Foto: Queren
Hannover

Mehr alte weiße Männer geht kaum, Goethe, Faust, Mephisto – und dann noch aus Deutschland. Dafür braucht man schon Franzosen, mit Hector Berlioz einen Komponisten und mit Marie-Eve Signeyrole eine entsprechende Regisseurin, um das in die rechte und zeitgemäße Form zu bringen.

„Fausts Verdammnis“ ist eine echte Herausforderung und hat kommenden Samstag (19.30 Uhr) in der Staatsoper Premiere. Die Proben laufen auf Hochtouren.

Und unter besonderen Bedingungen, denn der Nachwuchs hört mit. Die Regisseurin ist im siebenten Monat. Pränatale Bildung soll ja eine gewisse Wirkung haben.

Faust, was bedeutet das für eine heutige französische Regisseurin, die Avantgardstücke wie „SeX’Y“ oder „The Monster in the Maze“ auf die Bühne gestellt hat? „Für uns Franzosen ist das eine urromantische Gestalt, er bedeutet auch Macht und Performance.“ Und so würden Franzosen auch die Deutschen sehen – „das gehört für uns einfach dazu“.

In welcher Zeit spielt ihr Faust? „Ganz klar heutig, das zeichnet den Charakter der Faust-Legende aus, sie ist universell und zeitlos, es kann gestern sein, heute oder morgen.“

Mit welchen Bühnenmitteln kommt man dann von 1846, als der Berlioz-“Faust“ uraufgeführt wurde, in die Gegenwart oder sogar ins Morgen. „Wir werden natürlich viel mit Projektionen, mit Videos arbeiten.“ Faust wird zu sehen sein als jemand, der mit allen elektronischen Möglichkeiten sich selbst und die Gesellschaft kontrolliert.

Es werden Bodycams eingesetzt. „Das Objektiv der Videokamera wird bei mir poetisch.“ Es geht um Überwachung, die sich dann verselbstständigt. Wenn Faust versuche zu entkommen, wird ihn sein eigenes System verfolgen und irgendwie Rache an ihm nehmen.

Die Videos werden dabei ganz nah an den Hauptpersonen sein, ihre Emotionen zeigen. Und sie werden die Zeit verdichten. Beim berühmten „Ungarischen Marsch“ ist jede Minute ein Tag, dann ist die Arbeitswoche zuende und Faust und Mephisto haben an einem Freitagabend soviel Geld gewonnen, dass sie sich ordentlich was leisten können. Paaaaarty!

Schwer auf die Bühne zu bringen. Das Kostbarste bei den Opernproben ist die Zeit. „Wenn wir davon genug haben, werden wir das alles auch auf die Bühne stellen.“ Wie ist das im Vergleich zu den französischen Opernhäusern? „Hier in Deutschland haben wir einfach viel mehr Möglichkeiten, erstaunlich, wie wir bei fortschrittlichen Konzepten unterstützt werden.“ Das gelte auch für die Sänger, die toll mitgehen. Vor allem in Hannover. Man darf gespannt sein.

Eine dramatische Legende

Nur wenige Bühnen wagen sich szenisch an diese „Faust“-Oper von Hector Berlioz, der das selber gar nicht als Oper verstanden haben wollte. Im Untertitel heißt der Brocken deshalb „Eine dramatische Legende in vier Teilen“. Natürlich von Goethe inspiriert ist dieser 1846 uraufgeführte Zweistünder. Mephisto, der Verführer, kommt vor, Auerbachs Weinkeller, Margarethe. Aber Berlioz ging es vor allem um musikdramatische Wirkung, deswegen findet die erste Szene auch in Ungarn statt („Ungarischer Marsch“), und der knallige „Höllenritt“ braucht sich vor Wagner nicht zu verstecken.

Von Henning Queren

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