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FLIEG, TORWART: Michael Klammer als Robert Enke und Aenne Schwarz als Teresa.

FLIEG, TORWART: Michael Klammer als Robert Enke und Aenne Schwarz als Teresa.© Gorki-Theater

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Theater

Berlins Torwart-Theater: Enkes Witwe will klagen

Ein toter Torwart als Hauptperson eines Theaterstücks. Nicht irgendein Torwart, sondern Robert Enke.

Hannover. In dem Stück „Demenz Depression und Revolution“ ist der Mittelteil einem namenlosen Sportler gewidmet, dessen Biografie auffällige Ähnlichkeit mit dem Leben von Robert Enke hat. Dessen Witwe Teresa will juristisch gegen das Theater vorgehen - auch weil unangenehme Details aus dem Privatleben bühnenöffentlich gemacht werden.

Besucher und Kritiker der Uraufführung machen in dem Stück „zähe Betroffenheitsdramatik“ aus. Und das geht dann so: Zwei Schauspieler stehen vor einer hohen Papiertapete, die wohl eine Torwand sein soll und referieren das Leben von Robert Enke. Der Torwartdarsteller trägt dabei einen grauen Anzug und packt sich häufiger mal an die Krawatte, während seine Frau ihn dabei anstrahlt. Und irgendwann passiert das, was häufiger im aktuellen Regietheater zu sehen ist, der Schauspieler macht sich frei, steht dann nur noch in Unterhose da - und springt am Ende durch die Papierwand.

Und der 20-seitige Enke-Teil aus dem Gesamttext mit dem bemühten Untertitel „Studie zu 3 Mythen der Gegenwart“ liest sich entsprechend, er hebt an mit den Worten „Wahrscheinlich muss jetzt ein Lokomotivführer seinerseits in Behandlung“. Dann gehts darum, dass Traurigkeit nur schwer zu ertragen ist, aber jeder einmal ohne Maske leben muss. Und es wird allerlei Banal-Bekanntes erzählt - dass die Traumfrau des Torwarts sich wie eine Prinzessin fühlen sollte, über die Angebote von ausländischen Vereinen, Vertragsverhandlungen, den extremen Druck, Silvesterfeiern, Kahn, Tablettenschlucken und wie es ist, in der Tabelle ganz unten zu stehen. Und es geht in einem immerhin überraschenden Monolog um die richtigen Handschuhe, um die richtige Gummimischung, „deren Rezept geheimer ist als das von Coca-Cola“. Undsoweiter.

Das Enke-Ende-Stück steht nicht allein auf der Bühne, es wird eingerahmt von zwei anderen Teilen: „Demenz“ handelt von - der Titel legt das nahe - dementen Senioren. Und „Revolution“ schildert Sorgen und Nöte eines Künstlers im schon recht fernen „Prager Frühling“ von 1968 angesichts des Russen-Einmarsches.

Muss man sich so etwas anschauen? Das muss halt der Zuschauer wissen. Ein leichtesGeschmäckle bekommt die ganze Sache allerdings dadurch, dass der Intendant des Gorki-Theaters sich selbst als Regisseur einsetzt, damit dieser sein eigenes Stück inszeniert. Armin Petras heißen Intendant und Regisseur, und Armin Petras verbirgt sich auch hinter dem Pseudonym Fritz Kater, der den Dreisatz im vergangenen Jahr im Berliner Henschel-Verlag veröffentlicht hat. Aber egal, Petras bleibt noch bis zum Ende der Spielzeit und wechselt dann nach Stuttgart.

Teresa Enke hat nun angekündigt, gegen das Stück vorgehen zu wollen. Das wird schwierig. Denn darin wird keiner irgendwie verunglimpft, der Autor kann durchaus geltend machen, dass Robert Enke hier überhaupt nicht gemeint war und sein Leben nur Auslöser und Inspirationsquelle für das Stück wurde. Und außerdem sei das Theaterstück unbezweifelbar Kunst, und die Freiheit der Kunst ist in der Bundesrepublik geschützt. Die ganze Sache wird sich, nimmt man die spärlichen Kritiken, wohl eher und ziemlich schnell an der Theaterkasse erledigen.


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