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HÜBSCH TÄTOWIERT: Die Haudegen Hagen Stoll (links) und Sven Gillert im Capitol.

HÜBSCH TÄTOWIERT: Die Haudegen Hagen Stoll (links) und Sven Gillert im Capitol.© NANCY HEUSEL

Rock

Berliner Haudegen verbreiten Liebe im Capitol

Zwei riesengroße Schwerter sind im Boden der Bühne verankert: Haudegen sind da. Die „DieletztenunsererArt“-Tour bringt die Schwergewichtigen aus Berlin samt vierköpfiger Band nach Hannover.

Hannover. Ihr neues Album „En garde“ ist unverzüglich auf Platz fünf der Album-Charts gesprungen. Und sosind 1000 eingefleischte Fans ins Capitol gepilgert, um bei ihren Rockpoeten zu sein, die am Sonntagabend viel Liebe und Hoffnung verbreiten wollen.

Denn davon handeln ihre Songs der äußerlich so harten Kerle. Während des Konzerts kann man sich im Foyer des Capitols tätowieren lassen; Haudegen haben ihren eigenen Meisterstecher mitgebracht. Und die Fans sehen so aus, wie die Frontmänner es vormachen: kahlköpfig, tätowiert und gepierct, vornehmlich in Schwarz gekleidet.

Hagen Stoll und Sven Gillert, die wie zwei massige Bodyguards daherkommen, fahren musikalisch das volle Kontrastprogramm. Wie war das, Hunde, die bellen, beißen nicht? Die Berliner bellen nicht, sie schnurren und maunzen geradezu von Treue und Ehrlichkeit, und sie schwören auf Zusammenhalt, wie der Song „Für die Familie“ beweist.

Rockig-melodiöse Deutschrock-Nummern – die beiden singen: „Bist du am Arsch, ich bock dich raus“. Bei „Ein Mann, ein Wort“ springen dann alle in die Höhe und feiern mit. Die rockige Ballade „Ein fehlerloser Mann“ bringt das männliche und das weibliche Publikum gleichermaßen zum Dahinschmelzen, wenn Hagen und Sven von Fehlbarkeiten, Reue und dem schweren Weg des Lebens singen. Hagen Stolls tiefrockige Reibeisenstimme wird durch Sven Gillerts sanftere und höhere Stimme nötigerweise ergänzt.

Die Zweistimmigkeit zieht sich durch alle Songs, und nach eineinhalb Stunden hat man das Gefühl, den Titel eben schon gehört zu haben. Die beiden Rocker stecken sich auf der Bühne hin und wieder eine Zigarette an und trinken Jim-Beam-Cola aus der Dose. Hagen Stoll fragt: „Wo sind die alleinerziehenden Mütter heute Abend?“ Und dann gibt es den Tränendrüsen-Song schlechthin. „So eine starke Frau“ als Ballade für alle einsamen Muttis dieser Welt, und Haudegen singen „Ich bin bei dir, auch wenn der Wind sich dreht“. Kitschiger gehts kaum noch, aber man kauft es den Jungs ab, sie wirken bei allem Schmalz authentisch.

Als Rapper haben sie einst begonnen, und nach fast zwei Stunden beweisen sie, dass ihnen andere Genres nicht fremd sind. Die dritte Zugabe „Halt durch“ ist ein Ausflug zum Punk-Rock-Areal, dazu gibts aufmunternden Sprechgesang für die Haudegenfamilie: „Mutter, halt durch, Vater, halt durch“! Mal sehen, wie lange Haudegen im Pop-Rock-Business durchhalten, die Schwerter sind mit ihnen.

Bewertung: 3/5


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