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Meinungsstark: Beartooth-Sänger Caleb Shomo.

Meinungsstark: Beartooth-Sänger Caleb Shomo.
 © Samantha Franson

Konzert

Beartooth fletschen die Zähne

Ein Konzert für Fans der harten Gangart: Beartooth lieferten im Capitol Abriss mit Ansage.

Hannover.  „Beartooth“-Rufe des Publikums schallen durch die Halle. Es ist 21.40 Uhr, die Vorbands sind endlich abgeschüttelt. Beartooth legen los, schnell den Bierbecher loswerden.

Die Band aus Columbus/Ohio gibt es seit 2012. Sie fahren einen brettlauten Sound wie einst, vor 17 Jahren, Motörhead an selber Stelle. Das ist schon eine Herausforderung, doch das Publikum lässt es widerspruchslos über sich ergehen. Der gute, sichere Groove hilft dabei. Beartooth, der Name klingt nach Blues-Band oder wenigstens indianisch. Glücklicherweise versinken sie nicht ständig im Halbtakt-Beat wie viele ihrer Emo-Kollegen.

„Jump, jump!“, rufen sie, und alle im Publikum „jumpen“. Das Hardcore-Konzert ist schon eine Pflichtveranstaltung für die jungen Fans, die meisten von ihnen sind 20 bis 30 Jahre alt, einige wenige Eltern müssen Jugendliche beaufsichtigen. „Dies wird das beste Konzert!“, schreit Sänger Caleb Shomo. Also ein angekündigter Abriss des Capitols – „und eine gigantische Moshpit!“, freut er sich.

Gitarrist Kam Bradbury steigt auf die Hände des Publikums und lässt sich dann taktgenau und rückwärts fallen. Das bedeutet viel Fanvertrauen, sie fangen ihn auf. „Germany is the craziest place in the fuckin’ world!“ Das sieht Donald Trump vermutlich ähnlich, trotzdem trennen sie Meilen. Textlich segeln Beartooth hart am Wind. „Wir sind laut und schlagen gerne Dinge kaputt“, lautet ihr Motto.

Auch wenn auf der Bühne diesmal nichts zerstört wird, sind Aussagen wie diese wohl ihre Reaktion auf gesellschaftliche Missstände. So gibt Sänger Caleb Shomo in „Aggressive“ zu: „I’m way too aggressive“: „Ich bin viel zu aggressiv“.

Fast 30 Fans sitzen jetzt auf den Schultern ihrer Freunde, ein Moment, den man selbst im Capitol selten erlebt. Emo-Hardcore, moderner Metalcore, ein wenig 30 Seconds to Mars und Billy Talent, nur: härter. „Get on the fuckin’ ground!“, lautet nun der Befehl von Oben. Ein Fan humpelt aus der Menge, ein zweiter kühlt den Kopf mit Eis, und ein dritter muss sich gar seine Nase wieder einrenken.

In seinem AC/DC-Shirt quatscht Caleb viel eseliges Zeug zwischen den Songs, das kräftige „Rock is Dead“ entschädigt dann aber für die langen Ansagen. Gut 1300 Zuschauer sind im Capitol, es zieht auch keiner den Kopf ein ob des Metal-Gewitters. Im Gegenteil, die Fans stehen Kopf, ein ziemlicher Erfolg für die Metal-Boys. Hannover ist die „größte Headline-Show in Europa!“ brüllt Caleb stolz. Es ist 22.30 Uhr – „One more Song!“, flehen die Fans in durchgeschwitzten T-Shirts. 25 Euro Eintritt ist ein guter Preis für drei Bands, auch wenn dann genau nach einer Stunde Schluss mit Beartooth ist. Inklusive der Zugaben.

Von Kai Schiering


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