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Katrin Bauerfeind

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NP-Interview

Bauerfeind lacht am liebsten gleichberechtigt

Bei ihr bekommen Mann und Frau gleichermaßen ihr Fett weg, ist sich Moderatorin Katrin Bauerfeind im NP-Interview sicher. Vor ihrer Lesung im Pavillon sprach sie mit unter über ihr Buch "Hinten sind Rezepte drin".

Ich habe Ihr Buch gelesen - und das sogar sehr amüsiert -, obwohl es doch gar nicht für meinesgleichen gedacht ist. Immerhin schreiben Sie gleich am Anfang, „dass Männer sowieso keine Bücher kaufen, geschweige denn lesen“.
Ich sage aber auch, dass sie in diesem Fall eine Ausnahme machen können. Es ist eine Sammlung von lustigen Kurzgeschichten zum Thema Frau. Gerade das ist auch ein sehr gutes Thema für Männer. Bei mir gibt es zumindest für beide Seiten gleichberechtigt viel zu lachen. Ich finde, dass das Frauenthema viel zu lange in der humorlosen Ecke war. Männer dachten immer, wenn es um Frauenthemen geht, ist es entweder gegen sie, oder er geht sie nichts an. Beides stimmt nicht.

Täuscht es mich, oder schneiden die Männer bei Ihnen besser ab als die Frauen?
Woher haben Sie denn die Erkenntnis?

Es gibt zum Beispiel die eine Geschichte, in der Sie beschreiben, wie erzählt wird: Frauen sehr ausufernd, sprung- und episodenhaft, Männer hingegen sehr knapp: „Jou, so war das“ ...
Das beurteilen Sie ja, dass das eine souverän ist und das andere sprunghaft. Ich habe nur eine Beobachtung wiedergegeben. Aber aus irgendwelchen Gründen gilt dieses sehr Knappe des Mannes als souverän - oder zumindest als souveräner als die Erzählung der Frau. Ob das nun tatsächlich so ist, sei dahingestellt. Aber klar; natürlich geht es in dem Buch oft um Dinge, die mir vor allem bei Frauen aufgefallen sind, zum Beispiel eine gewisse Ängstlichkeit - bis hin zur Unfähigkeit, Komplimente anzunehmen ...

Wo der Mann sagt: „Ja, stimmt schon!“
Männer gehen ja auch mit einer ganz anderen Haltung durchs Leben. Es gibt Männer, die sind kurz vor Seniorenkarte, modisch in den 80ern der DDR stehen geblieben, mit 30 Kilo zu viel vorm Gürtel, und die kommen trotzdem in der Haltung auf dich zu: „Du hast Glück, Mädschen, ich spreche dich jetzt an!“ Das ist Frauen eher fremd. Aber aufgrund solcher Erlebnisse möchte man allen anderen Frauen ja zurufen: Kein Grund sich zurückzunehmen, immer selbstbewusst da raus in die Welt!

Warum machen Frauen es sich so schwer?
Naja, wenn man sich die Menschheitsgeschichte noch einmal ansieht, wurde es den Frauen auch nicht unbedingt leicht gemacht. Irgendwann sitzt das drin. Henry Kissinger hat mal gesagt: Macht macht Männer sexy. Für Frauen gilt der Satz nach wie vor nicht. Wenn ich es richtig verstanden habe, werden Frauen vor allem dann als sexy bezeichnet, wenn sie sich ausziehen.

Sie beschreiben, dass ein moderner Mann zwar weinen lernen sollten, aber immer noch kein Platz ist für eine Frau, die ihn zum Lachen bringt, weil das nämlich bedeutet, dass sie in diesem Moment, da sie ihn enthemmt, Macht über ihn hat ...
Man sieht es schon in der Comedy-Szene: Wenn es um Humor geht, meint man eigentlich Männerhumor. In den Etikettefibeln stand bis in die 60er hinein: „Die Dame halte sich mit der Darbietung von Scherzen bei Tische zurück.“ Humor und Frauen ist ein relativ neues Thema. Ich gehöre ja zu der ersten Generation, die alle Vorteile der vorhergehenden Frauenbewegung hatte und wo es einfach nur ums Kindsein ging und nicht so sehr darum ob man ein Mädchen ist. Ich bin sozusagen ganz selbstverständlich gleichberechtigt aufgewachsen.

Theoretisch ja, praktisch offenbar nicht. Wann haben Sie gemerkt, dass es eben doch an der Gleichberechtigung hapert?
Naja, spätestens wenn man sieht, dass Frauen für den selben Job nicht die selbe Bezahlung bekommen wie Männer. Bei Twitter gibt es gerade den Hashtag „#imzugpassiert“, wo Frauen von Belästigung während Zugfahrten berichten. Katja Kipping, die Parteivorsitzende der Linken, erzählte in meiner Sendung, ihr sei es immer wieder passiert, dass sie in politischen Diskussionen von Männern unterbrochen wurde, die sagten: „Deine Ohrringe schwingen total schön, wenn du redest.“ Es gibt unendlich viele Beispiele.

Da scheint sich aber etwas zu ändern. Gerade war zu lesen, dass der Komiker Bülent Ceylan regelmäßig nach seinem Shampoo gefragt wird. Jungs kaufen sich von ihrem Konfirmationsgeld eine Hantelbank ...
Ja, der Druck auf alle ist relativ groß. Aber das macht es ja nicht besser. Ich will ungern die Diskussion führen, wer es schwerer hat; das bringt ja niemanden weiter, und darum geht es in meinem Buch auch gar nicht. Mein Ziel war es, auf humorvolle Weise aufzuschreiben, wie es sich 2016 als Frau in Deutschland so lebt. Und genau deswegen werden die Damen in meinem Buch auch nicht mit Samthandschuhen angefasst: Denn wenn wir wollen, dass sich etwas ändert, müssen wir es selbst in die Hand nehmen.

Katrin Bauerfeind: „Hinten sind Rezepte drin“. Fischer, 224 Seiten, 14,99 Euro.

Bauerfeind liest am 11. April ab 20 Uhr im Pavillon. Eintritt: 18 Euro.


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