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Der Intendant der Komischen Oper, Barrie Kosky.

Der Intendant der Komischen Oper, Barrie Kosky. © Clemens Bilan

Musik

Barrie Kosky: Elite-Vorwurf gegen Opern ist "Quatsch"

So viele Zuschauer wie nur noch beim Fußball: Für Barrie Kosky ist die Aussage, Oper sei nur etwas für Reiche, Unsinn.

Berlin. Der Intendant der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky (48), nennt den Elite-Vorwurf gegen Opernhäuser "Quatsch". "Für zwölf Euro bekommt man in der Komischen Oper einen wunderbaren Platz, Karten für Kinder sind sogar noch günstiger", sagte Kosky der Deutschen Presse-Agentur.

Im Jahr 2014 seien an den drei Berliner Opernhäusern mehr als 710 000 Eintrittskarten verkauft worden - "das kann nicht elitär sein". Der Australier führt an diesem Freitag Regie bei der Premiere von "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach.

Kosky ist seit vier Jahren Intendant am kleinsten der drei Hauptstadt-Opernhäuser, das 2013 "Opernhaus des Jahres" wurde. Er will noch bis 2022 weitermachen, danach müsse sich sein Haus einen neuen Intendanten suchen, wie er im Interview sagte.

Frage: Vier Jahre Intendant, zehn Jahre in Berlin - fürchten Sie ein Ende der Erfolgsserie?

Antwort: Das ist ein sehr deutscher Gedanke. Über die letzten drei Spielzeiten haben wir fantastische Arbeit geleistet. Wie toll, dass wir weitermachen können! - so denke ich. Ich denke nicht: Um Gottes willen, die Goldene Zeit ist vorbei, die nächsten vier Jahre sind die Jahre der Plagen. Wir haben die richtige Balance zwischen Barock, zeitgenössischer Oper, vermeintlich risikolosen Stücken und ernster Oper gefunden. Das Publikum hat diese Balance zwischen Rameau, "Ball im Savoy", "West Side Story", Mozart und "Moses und Aron" akzeptiert.

Frage: Lässt sich diese Kosky-Mischung bis 2022 weitermachen?

Antwort: Ja, aber danach wird man sicherlich etwas anderes machen müssen. Mein Vertrag läuft bis dahin, zehn Jahre reichen für eine Intendanz und eine künstlerische Vision.

Frage: In diesen Monaten kommen Millionen Flüchtlinge nach Europa. Wie sollten Kulturinstitutionen reagieren?

Antwort: Unsere Pflicht als Komische Oper Berlin ist es nicht, die Welt zu retten. Wir sind nicht "Ärzte ohne Grenzen". Es wäre nicht der richtige Weg, wenn ein Opernhaus in die Inszenierung eines Stücks aus dem 19. Jahrhundert jetzt das Flüchtlingsthema einbauen würde. Was wir tun können ist, das Leben der Zuschauer für drei Stunden etwas leichter zu machen oder sie zum Denken anzuregen. Und ganz praktisches Engagement: Die Menschen brauchen jetzt Geld, Winterkleidung, Babynahrung.

Frage: Das Thema Exil spielt eine wichtige Rolle in Ihrem Spielplan...

Antwort: Ja, aber dieses aktuelle Exil der Menschen aus Syrien ist nicht dasselbe wie das Exil von Paul Abraham, dem Komponisten von "Ball im Savoy", der aus der Fasanenstraße nach Amerika ging.

Frage: Oder das Exil Ihres Großvaters von Weißrussland über Hamburg nach Australien...

Antwort: Ich bin ein "melting pot" (Schmelztiegel) auf zwei Beinen. Ich habe mich immer ein bisschen fremd in Australien gefühlt. Meine ganze Kindheit habe ich zwischen Russen, Polen, Juden verbracht. Hier in Europa spüre ich meine Wurzeln und fühle mich zu Hause, aber ich fühle mich zugleich auch als Australier.

ZUR PERSON: Der 1967 in Australien geborene Barrie Kosky ist seit der Spielzeit 2012/13 Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin. Von 2001 bis 2005 war er Intendant des Schauspielhauses Wien, 1996 der künstlerische Leiter des Adelaide Festivals in Australien.

dpa


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