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Daniel Barenboim mischt sich in poilitische Fragen ein.

Daniel Barenboim mischt sich in poilitische Fragen ein. © Paul Zinken

Musik

Barenboim: Flüchtlingstragödie nur weltweit zu lösen

Daniel Barenboim ist nicht nur Stardirigent und Weltklasse-Pianist. Immer wieder nutzt er seinen guten Ruf auch, um sich politisch einzuschalten. Jetzt meldet er sich in der Flüchtlingsdebatte zu Wort.

Berlin. Der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim (72) hat an die Weltgemeinschaft appelliert, die Flüchtlingskrise gemeinsam zu lösen. Als gebürtiger Argentinier fordert der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper besonders sein Herkunftsland auf, syrischen Flüchtlingen eine neue Heimat zu geben.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagt er, warum.

Frage: Was ist der Grund für Ihre Initiative?

Antwort: Eine Tragödie dieses Ausmaßes kann nicht von Europa allein bewältigt werden. Wie kann es sein, dass der Rest der Welt abseits steht? In einer globalisierten Welt müssen auch die Probleme global gelöst werden. Ich fordere deshalb die künftige argentinische Regierung auf, in der weltoffenen Tradition des Landes eine nennenswerte Zahl von syrischen Flüchtlingen aufzunehmen - und zwar direkt aus den Nachbarländern Jordanien, Libanon und der Türkei, um ihnen das Leid der Flucht nach Europa zu ersparen.

Frage: Warum ausgerechnet Argentinien?

Antwort: Argentinien war immer ein Land, das offen für Immigranten und Flüchtlinge war. Auch meine Familie und die von Martha Argerich, die an der Initiative beteiligt ist, sind Ende des 19. Jahrhunderts auf der Flucht vor der Judenverfolgung im Zarenreich so nach Argentinien gekommen. Außerdem hat das Land drei syrische Gemeinden - eine muslimisch-syrische, eine jüdisch-syrisch und eine christlich-syrische - und damit eine besondere Verantwortung. Für Argentinien, ein früher sehr reiches und wichtiges Land, wäre es jetzt der richtige Moment, sich wieder auf der Weltbühne zu zeigen.

Frage: Wie beurteilen Sie die deutsche Rolle?

Antwort: Ich bin ein großer Bewunderer der Aktion von Frau Merkel. Sie hat sich mit ihrem Bekenntnis "Wir schaffen das" sehr weit aus dem Fenster gelehnt, und das schätze ich. Natürlich kommen jetzt die Schwierigkeiten bei der Umsetzung, da muss sie Kurs halten. Aber sie hat erstmal gesagt, was ihr wichtig ist. Und ich glaube, sie wird sich durchsetzen.

Frage: Haben Sie Verständnis, wenn Menschen bei uns sich Sorgen machen?

Antwort: Deutschland hat sich mit seiner Vergangenheit in der NS-Zeit auf vorbildliche Weise auseinandergesetzt. Kein anderes Land der Welt ist so ehrlich mit der eigenen Geschichte umgegangen. Aber jetzt ist der nächste Schritt nötig: Die Deutschen sollten auch bereit sein, ihre großartige deutsche Kultur mit den Neuankömmlingen zu teilen. Voraussetzung dafür sind Bildung und Aufklärung. Das wäre die beste Verteidigung der europäischen Werte.

ZUR PERSON: Der argentinisch-israelische Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, 1942 in Buenos Aires geboren, steht seit 1992 an der Spitze der Berliner Staatsoper. Er engagiert sich immer wieder auch politisch, etwa für eine Annäherung im Nahostkonflikt. Das von ihm mitgegründete West-Eastern Divan Orchestra besteht aus israelischen und arabischen Musikern.

dpa


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