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GUT DRAUF: Barbara Ruscher tritt im Apollo-Kino auf.© Michael Schiffhorst

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Interview

Barbara Ruscher, die komische Frau

Das geht vorüber: „Ekstase ist nur eine Phase“ heißt das aktuelle Programm der Kabarettistin Barbara Ruscher (47). Vor ihrem Hannover-Auftritt trafen wir sie zum Interview.

Das geht vorüber: Mit ihrem aktuellen Programm „Ekstase ist nur eine Phase“ steht die Kabarettistin Barbara Ruscher (47) kommenden Dienstag in Hannover auf der Bühne. Ein Interview.

Ich spreche mit einem auf Bühnen seltenen Exemplar: einer lustigen Frau.

Das liegt doch an den Männer, die das veranstalten. In Mix-Shows gibt es zum Beispiel immer nur eine lustige Frau, einen Politkabarettisten, einen Jongleur und einen Klavierkabarettisten. Oder einen Türken - zwei türkische Comedians sind aber auch schon zu viel ...

Also idealerweise eine klavierspielende Türkin?

Ja, genau (lacht). Nein, im Ernst: Es gibt total viele tolle Kolleginnen. Da wir in Deutschland diese Unterscheidung haben: Die gibt es viel mehr im Comedy- als im Kabarettbereich, aber es gibt sie zahlreich.

Wen sehen Sie gerne?

Da lehne ich mich ja ganz weit aus dem Fenster. Ganz bekannt zum Beispiel ist natürlich Gerburg Jahnke. Ich finde auch jemanden wie Anny Hartmann toll, die politische Sachen macht.

Zumindest im Fernsehen scheint immer nur Platz für eine Frontfrau zu sein. Aktuell ist es Carolin Kebekus, die Cindy aus Marzahn abgelöst hat ...

Ja, immer. Im Fernsehen ist es total krass. Es gibt diese eine Show, die „Ladies Night“, da ist es naturgemäß anders.

Aber da sind ja im Publikum auch fast nur Frauen.

Da muss ich widersprechen. Zumindest beim Fernsehzuschauer. Nach Auftritten kommen ganz oft Männer zu mir, die wirken, als seien sie nur mitgenommen worden, und sagen: „Sie kenne ich aus der ‚Ladies Night‘.“

Katrin Bauerfeind, die auch gerade in Hannover war, hat die Theorie, dass es beim Lachen auch um Macht geht, weil man nämlich den anderen kurz enthemmt, also unkontrolliert macht. Teilen Sie diese Einschätzung?

Nein, ich würde das nicht als Macht bezeichnen, eher als Ermunterung, über sich selbst nachzudenken. Aber: Männer haben Respekt vor Frauen, die auf der Bühne stehen. Weil die dort nämlich zwei Stunden lang ihre Meinung sagen.

Der Respekt äußert sich wie?

Es nicht so, dass danach die männlichen Groupies Schlange stehen.

Es hat auch noch kein Kerl Feinrippunterhosen auf die Bühne geworfen?

Auch das nicht. Ich warte immer noch drauf. Ich mache das seit 20 Jahren - und immer noch kein Herrenslip (lacht). Ich mag natürlich den Respekt, aber bei auftretenden Männern ist es anders. Frauen im Publikum neigen dazu zu schmachten und zu schwärmen. Die Männer hingegen? Haben Respekt vor mir und das macht bei Männern anscheinend Hemmungen, locker mit mir zu plaudern.

Umgekehrt ist es schon klischeehaft: „Er soll mich zum Lachen bringen“ ...

Eben. Er formuliert statt dessen „Sie muss Humor haben.“

Was in der Regel heißt: „Sie soll über meine Witze lachen.“

Genau. Das ist der Casus Knacktus.

Womit bringen Sie uns zum Lachen? Der Titel Ihres Programms, „Ekstase ist nur eine Phase“, klingt nach Beziehungsgeschichten. Wer sie kennt, weiß aber, dass Sie es im Normalfall nicht dabei belassen.

Nein, das wäre mir auch zu langweilig. Mir geht es um das komplette Leben, also angefangen von Zuhause bis zum Politischen. Wobei „politisch“ nicht heißt, dass ich zwei Stunden lang über Merkels Frisur Witze machen. Mir geht es um Themen, die mir wichtig sind, zum Beispiel Massentierhaltung oder die Vermüllung der Meere. Das finde ich viel wichtiger, als wenn jemand Steuern hinterzieht. Natürlich ist so etwas wie die Panama Papers eine Riesennummer- aber drei Wochen lang muss ich mich daran auch nicht reiben. Über solche Aufreger-Themen vergessen wir nämlich, dass es 2050 im Meer mehr Plastik geben wird als Fische. Entsetzlich.

Und dazu fallen Ihnen Pointen ein?

Natürlich ist es einfacher, auf jemandem herumzuhacken, und alle Leute rufen: „Ja genau, gib‘s ihm!“ Aber das Andere finde ich reizvoller. Es ist ja eine Kette: Der Fisch isst das Plastik, wir essen den Fisch. Dann gehen wir zum Arzt, und der sagt: „Verstopfung? Nein. Es ist ein Bobby-Car.“ Oder: Man muss das nur entsprechend kennzeichnen - auf dem Fisch steht demnächst: „Kann Spuren von Aldi und Lidl enthalten.“ Ich gucke auch ein bisschen, wie wir selber sind. Erzähle, dass ich immer eine Extratasche dabei habe, falls ich doch noch einkaufen muss. Und sage dann: „Selbst der Papst sagt: Benutzt keine Tüten!“

Und das wirkt?

Ja, ich sage zwar selbst immer, dass ich die Welt nicht verändern kann. Aber manchmal kommen eben doch Leute und sagen: „Frau Ruscher, seitdem sie das mit den Tüten gesagt haben, nehme ich auch immer eine Tasche mit.“ Offenbar kann ich zumindest einen Denkanstoß geben. Was will man mehr?

Also sind Sie letztlich doch Lehrerin geblieben?

Ja, natürlich. Hinter jeder Nummer steckt eine Haltung; das ist mir auch wichtig. Aber zwischendurch ist es auch einfach mal nur lustig - aber immer mit Hintersinn. Mir geht es nie ums Dogmatische. Doch wenn jeder sein Leben nur ein bisschen ändern würde - dann läuft die Sache.

Live am Dienstag, den 19. April, ab 20.15 Uhr im Apollo. Der Eintritt kostet 19,50 Euro.


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