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Hannover, 26.08.2016: Neue Leitung für das Junge Schauspiel im Schauspielhaus.  Foto: Michael Wallmüller

Junges Schauspiel: Barbara Kantel kommt in der nächsten Spielzeit.© Michael Wallmueller

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Interview

Barbara Kantel wird das Junge Schauspiel leiten

Die Fühler in die Stadt ausstrecken: Barbara Kantel will mit dem Jungen Schauspiel vielfältiges Theater bieten. Das Theater-Mobil soll dabei eine besondere Rolle spielen. Die Theaterpädagogin hatte 1996 das hannoversche Junge Schauspiel mitbegründet.

Nach dieser Spielzeit übernimmt Barbara Kantel die Leitung des Jungen Schauspiels des Staatstheaters. Für die Regisseurin und Theaterpädagogin ist es eine Heimkehr: Sie begründete die Sparte 1996 mit. Ein Gespräch über alte Zeiten und neue Herausforderungen.

Was führt Sie wieder nach Hannover? Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe?

Ich schätze die Spielplan-Dramaturgie von Lars-Ole Walburg und Judith Gerstenberg sehr. Ich finde, dass Hannover in den vergangenen Jahren immer einen sehr spannenden Spielplan hatte, der sehr klug auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert hat, ohne sich ranzuschmeißen. Dann ist das Haus eines der wenigen, in dem junge und „reguläre“ Theaterarbeit vom selben Team geleistet werden, ohne die übliche Ausgliederung. Das entspricht dem, was ich gewollt habe.

Für wie aufgeschlossen halten Sie das hannoversche Publikum?

Ich habe das hannoversche Publikum nicht als sich verweigernd in Erinnerung. Manchmal braucht es einen Moment, aber wenn es Vertrauen aufgebaut hat, lässt es sich ein.

Fiel in Ihre Zeit nicht die umstrittene „Räuber“-Inszenierung von Armin Petras?

Ja, damit hatte ich viel zu tun. Es war spannend, wie Zuschauer und Künstler sehr ernsthaft über die unterschiedlichen Erwartungen, was und wie Theater sein soll, debattiert haben. Solche Diskussionen gab es auch bei den ersten Kriegenburg-Inszenierungen. Hinterher gab es kein treueres Kriegenburg-Publikum als das hannoversche.

Sind häufig nicht gerade die Jugendlichen das konservativste Publikum?

Ja, aber dafür gebe ich ihnen nicht die Verantwortung. In meiner theaterpädagogischen Arbeit hatte ich oft den Eindruck, dass Lehrer - ihnen selbst unbewusst - mit der Textlektüre gleichzeitig die Inszenierung des Stücks vermittelten, die sie gesehen haben. Das setzt die Schüler in die Erwartung, dass sie genau so etwas sehen werden. Da sage ich: „Guckt doch erst mal. Danach können wir immer noch über das Gesehene reden.“ Gucken können alle.

Sie haben zuletzt am Staatsschauspiel Dresden gearbeitet und das sogenannte Montagscafé geleitet, eine Begegnungsstätte für Einheimische und Migranten?

Etwas Ähnliches, wenn auch in viel kleinerem Maßstab, gibt es ja auch hier am Haus, das Tandem-Café im Ballhof und „Dance the Tandem“ in der Cumberlandschen Galerie. Die Frage ist, wie man das weiterentwickelt. Ich freue mich darüber, dass das zu den Aufgaben gehören wird, die sich mir hier in Hannover stellen.

In der Pressemitteilung hieß es, Ihre Schwerpunkte lägen auf „partizipatorischen, interkulturellen und intergenerativen Theaterprojekten“. Das heißt?

Im Spielplan des Jungen Schauspiels gibt es jetzt bereits immer eine partizipatorische Inszenierung. Und natürlich gibt es noch den ganzen theaterpädagogischen Bereich. Es gibt den Wunsch des Intendanten, dass ich, wie ich es immer schon getan habe, meine Fühler in die Stadt ausstrecke. Wie können wir als Theater mit dieser Situation, die für uns alle neu ist, umgehen? Wie die Neu-Hannoveraner integrieren?

Lars-Ole Walburg hat gesagt, dass er sich für die letzten Jahre seiner Intendanz wünscht, die Stadt noch mehr ins Theater hineinstrahlen zu lassen. Steht das in diesem Zusammenhang?

Ich glaube, dass er sich da in der Zusammenarbeit mit mir neue Impulse verhofft und ich an Formate anknüpfe, mit denen wir in die Stadt hineingehen können, wie mit dem Theater-Mobil. Dafür sind sicherlich die Erfahrungen hilfreich, die ich inzwischen im interkulturellen Bereich gesammelt habe. Aber es heißt auch, dass ich mich genauer damit beschäftigen werde, was die Stadtbewohner von ihrem Theater erwarten.

NPVISITENKARTE

BERUF: Regisseurin

BESONDERES: Sie studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Geschichte in Berlin. Arbeit als Theaterpädagogin in der freien Szene Berlins. Seit 1990 Theaterpädagogin?in Hannover, zunächst an der Landesbühne, seit 1996 am Staatstheater. Von 2009 bis 2011 leitete sie das Junge DT am Deutschen Theater Berlin. Bis 2014 war sie Leiterin des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf, seit 2014 ist sie frei tätig.


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