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Axl Rose (l.) springt für Brian Johnson ein Fotos: Paul Bergen/Britta Pedersen.

Axl Rose (l.) springt für Brian Johnson ein Fotos: Paul Bergen/Britta Pedersen. © PAUL BERGEN/Britta Pedersen

Musik

Axl Rose springt bei AC/DC ein

"Back in Black" gegen "Sweet Child O' Mine": Was macht eine Rockband, wenn ihr im fortgeschrittenen Alter ein Sänger wegbricht? Sie fragt Musiker von ähnlicher Größe. Nun greift Guns N' Roses-Sänger Axl Rose für AC/DC zum Mikrofon - eine kleine Sensation in der Welt des Rock.

Sydney. Für die Rockwelt ist es ein bisschen wie die Begegnung von Batman und Superman: Auf der einen Seite die einflussreichsten Hardrocker der 1980er und -90er Jahre mit dem vorauspreschenden Gitarren-Boogie, auf der anderen das tosende, brüllende Gitarren-Duo der Young-Brüder mit fletschenden Zähnen und gefauchten Versen.

Guns N' Roses trifft auf AC/DC - zwei Welten, die manchmal unvereinbar schienen, verbünden sich zu später Stunde.

Die verblüffende Kollaboration der Rocker ist den altersbedingten Einschränkungen von AC/DC-Sänger Brian Johnson geschuldet. Schon Anfang März hatten seine Ärzte ihn vor dem "kompletten Verlust seines Gehörs" gewarnt, wenn er weiter auf Tour gehe - und die Band samt unzähliger Fans mit dieser düsteren Prognose erschüttert. Wer, wenn nicht der heute 68-jährige Johnson, sollte die unverwechselbaren Falsetts von AC/DC in die Menge schmettern?

Nun kommt überraschend Axl Rose ins Spiel. Wie genau der Guns N' Roses-Frontmann zum Ersatzsänger wurde, lässt sich nicht sagen. Sicher ist, dass selbst AC/DC nach ihren wilden Jahrzehnten ein stückweit die Vernunft eingeholt hat: Man respektiere die Entscheidung von Johnson, heißt es in einer Mitteilung auf der Band-Website. Schließlich gehe es darum, "sein Gehör zu retten".

Für Besucher des AC/DC-Konzerts in Lissabon am 7. Mai dürfte die Show einen ganz besonderen Anstrich bekommen, wenn der erste Auftritt des Gastsängers ansteht. Kann man sich das überhaupt vorstellen, der rotbärtige Axl Rose mit Hut, Sonnenbrille und Lederjacke, postiert zwischen dem Gebrüll und den Power-Akkorden von AC/DC? Fraglich ist auch, wie gut Rose die AC/DC-Stücke kennt und wie lange er sie einstudieren muss, bevor er überhaupt zum Mikrofon greift.

Auch in Wien und Prag, im Hamburger Volksparkstadion (26. Mai) und in der Red Bull Arena in Leipzig (1. Juni) werden Fans verfolgen können, wie das Zusammenspiel der musikalischen Superhelden sich anhört. Und wenngleich das seltene Aufeinandertreffen dort als einzigartig gefeiert werden dürfte: Angenehm ist die Geschichte für AC/DC und vor allem für Johnson keineswegs. Für den 54-jährigen Rose scheint das Angebot eher eine gute Geste unter Musikern zu sein, die das harte Leben auf globaler Tour in- und auswendig kennen. Erst vor gut einer Woche hatte Axl Rose mit seinen Guns N' Roses ein Comeback gefeiert und erstmals nach rund 20 Jahren wieder in alter Formation eine Tournee gestartet.

"Wirklich niedergeschlagen" sei Johnson, verriet dessen Freund und Comedian Jim Breuer kürzlich in seinem Podcast. Er habe das Gefühl, von der Band ins Jenseits katapultiert worden zu sein. Johnson habe weder erklärt, aufhören zu wollen, noch, dass er mit AC/DC fertig sei. Und dann, zwei Tage nach seiner jüngsten Prognose, seien plötzlich Gastsänger angekündigt worden. Es klingt nicht danach, als habe die Band sich in Ruhe über das Vorgehen abgesprochen.

"Ich habe neun Leben / Katzenaugen", heißt es im berühmten AC/DC-Hit "Back in Black". Nun ist endgültig klar, dass auch Hardrocker das Alter irgendwann einholt. Mit dem berühmten Axl Rose hat die Band ihr langsames Ableben offenbar um ein paar Tourdaten hinausgezögert.

dpa


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