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© Florian Schwinge

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NP-Interview

„Atemlos“? Erst mal besser nicht

Die singende Föhnwelle ist wieder da: Freitag tritt Dieter Thomas Kuhn (49) mit seiner Band in Hannover auf. Ein Gespräch über alte und neue Schlager und das Phänomen DTK.

Was macht Thomas Kuhn ohne den Dieter, wenn die Sommerkonzerte vorbei sind?

Na, es gibt noch ein paar Herbstkonzerte und ein paar Frühjahrskonzerte. Aber da bleibt noch eine Menge Zeit, und die wird genutzt zur Vorbereitung auf die Konzerte, die da kommen, und ein paar andere Projekte.

Das ist zum Beispiel ein Johnny-Cash-Projekt ...

Ja, genau. Das findet ja meistens in der Weihnachtszeit statt. Und es gibt Tom Chicken & the Big Balls; da spielen wir in einer fünfköpfigen Besetzung Country- und Folk-Klassiker, die ich schon in meiner Jugend immer mal spielen wollte.

Also authentische Cowboy-Lieder, keine Popsongs, die, wie bei manchen Kollegen, countryfiziert werden?

Es sind wirklich Klassiker, die wir stilistisch eher noch mehr herunterschrauben. Für mich ist das ein ganz, ganz schönes Projekt.

Jetzt geht es aber wieder los mit Dieter Thomas Kuhn. Sie haben ja eine neunjährige Tochter. Versteht die, was Sie da treiben?

Die versteht das sehr gut. Im Augenblick findet sie das auch nicht peinlich. Was vermutlich nur eine Frage der Zeit ist, dass das kommt. Sie hat noch viel Spaß, auch an meinen Jungs, die nur Quatsch machen. Die lustige Seite daran versteht sie schon.

Verstehen Sie denn selber, was da bei Ihnen passiert, auf und vor der Bühne?

Nee (lacht). Nein, ich verstehe das immer noch nicht so richtig. Ich freue mich aber über die glücklichen Gesichter und darüber, dass ich mich in diesen Momenten selber glücklich sehe. Das reicht mir für mein Verständnis.

Haben Sie denn noch mal den Ehrgeiz, selber Lieder zu schreiben?

Vielleicht kommt der irgendwann noch mal. Aber man muss manchmal auch einfach akzeptieren, dass man selber keine Lieder schreiben kann. Natürlich habe ich es manchmal bedauert, dass ich diese Gabe nicht habe. Aber man muss sich eben auch mit seinem eigenen Glück befassen.

Haben Sie damals, als Sie mit DTK loslegten, damit gerechnet, was Sie lostreten würden?

Überhaupt nicht. Das war nicht abzusehen, überhaupt dass man damit irgendwelche Menschen erreicht.

Sie schwammen damals auf einer riesigen Bad-Taste-Welle. Was ist der Unterschied zwischen Bad Taste und schlechtem Geschmack?

Das habe ich nie verstanden. Die Medien brauchten einen Namen für diese Euphorie. Unter Bad taste fielen ja auch Leute wie Helge Schneider.

Es sind Doktorarbeiten über Sie geschrieben worden ...

Ja. Ich bekomme immer mal wieder eine zugeschickt. Aber so genau will ich es gar nicht wissen ...

Nun treten Sie mal wieder auf der Parkbühne auf. Bringen Sie neue Lieder mit?

Ja. Da darf und will ich gar nicht so groß drüber reden. Eines nur: Wir haben „So lange man Träume noch leben kann“ von der Münchner Freiheit dabei.

Das ist ein verhältnismäßig junges Stück wie auch Ihre letzte Single, Kraftwerks „Model“. Gibt es eine zeitliche Grenze, bis zu der DTK funktioniert?

Wir haben die Grenze der 70er Jahre schon relativ früh überschritten. Dieter Thomas Kuhn dar inzwischen, glaube ich, alles machen. Der dürfte vermutlich auch „Atemlos“ singen.

Wird das passieren?

Ich bin vorsichtig mit Aussagen. Nachher spiele ich dieses Lied in zehn Jahren. Im Augenblick würde ich es mal ausschließen.

Aber das Lied ist sehr beliebt, auch gerade bei Jüngeren. Erreichen Sie die noch?

Ja, doch. Ich sehe das auf unseren Konzerten. Da sind nicht nur alte Menschen so wie wir.


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