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Musik

Astrid North: US-Soul mit deutscher Seele

Mit den Cultured
Pearls schrieb die Berlinerin Astrid North (42, eigentlich Astrid Karina North-Radmann) deutsche Soul-Geschichte. Seit Ende der Band im 2003 ist die zweifache Mutter musikalisch solo unterwegs. Jetzt kommt sie mal wieder nach Hannover.

Hannover. Ich erwische Sie gerade in einer
Zeit zwischen Studioarbeit und
 Kinderbetreuung. Zwischen Mu-sikerinnen- und Mutterdasein – umschreibt das Ihr Leben?
Ja, zwischen den beiden Polen bewege ich mich. Aber das ist heutzutage nun einmal ganz normal, dass man zwischen Arbeit und Elternrolle hin- und herhetzt und beidem gerecht werden will, egal, ob Künstler oder nicht, ob Mann oder Frau.

Sonderlich kindgerecht ist das Musikerdasein mit seinen Abendterminen nicht, oder?
Ich empfinde das schon als He-rausforderung. Andererseits habe ich nie etwas anderes gemacht; ich habe also gar nicht den Vergleich. Wenn ich angestellt wäre und einen geregelteren Arbeitsablauf hätte, gäbe es andere Schwierigkeiten. Ich muss mich zum Beispiel bei keinem Arbeitgeber abmelden, wenn die Kinder mal krank sind ...

... aber Sie müssen sich auch selber wieder anmelden.
Das stimmt (lacht). Ich möchte es auch nicht anders haben.

Wie haben die Kinder Ihren Ausblick auf die Arbeit geändert?
Ich setze jetzt ganz klar Prioritäten. Es geht nicht mehr nur um mich, was bei Künstlern sonst gerne der Fall ist. Zwei Wochen Sommerferien, um mit der Familie wegzufahren, müssen einfach sein, auch wenn man zu der Zeit gut auftreten könnte. Meine Große ist jetzt Teenager. Mal gucken, wie lange sie noch mitkommt.

Wie alt ist sie?
14.

Und wie verhält sich so ein Künstler-Pubertier? Was macht sie, um sich von ihren Künstler-Eltern abzugrenzen? Wird Sie FDP-Wählerin und Versicherungskauffrau?
Das haben wir uns ja sogar ein bisschen gewünscht: Akademikerin werden aus Rebellion – das wäre doch super. Es schaut nicht so aus. Sie ist sehr im Theater-Bereich unterwegs. Aber da kann natürlich noch viel passieren.

Sie kommen gerade aus dem Studio. Was machen Sie da? Proben? Aufnehmen?
Definitiv aufnehmen. Ich habe vergangenes Jahr ein Crowdfunding-Projekt für mein Album abgeschlossen, zum Glück erfolgreich.

Wie wird es heißen? Kommt nach „North“ jetzt „Radmann“?
Ja, genau (lacht). Nee, es heißt wie meine Großmutter: „Precious Ruby“. Es ist ihr gewidmet, auch wenn es darauf nicht direkt um sie geht. Ich fand den Namen so schön.

In welche Richtung geht es?
Es wird vom Groove her eher schwofig, aber mehr im Sinne von cool vor und zurück als verträumt von rechts nach links, eine Mischung aus dem Elektronischen des ersten Albums und zwei, drei akustischen Instrumenten: Klavier, Cello ...

Cello ist gerade wieder im Kommen, oder?
Ich weiß nicht. Ich wollte schon immer mit Cello spielen und habe vor zwei Jahren eine Cellistin kennengelernt, die mich über Facebook kontaktiert hat, Illay Chester. Seitdem spielt sie fast alle Konzerte mit, einige geben wir auch nur als Duo.

Ist Jens Nickel aus Hannover noch mit dabei?
Nein, er hat ja diese großartigen Gitarren auf „North“ gespielt. Aber wir arbeiten nicht mehr zusammen, da sich das Live-Spielen und meine Ausrichtung ein wenig verändert haben.

Schade. Wo wir doch hier Hannover-Verbindungen doch immer so gern mögen – wie ja auch Cultured Pearls immer mit eingemeindet wurden. Warum eigentlich?
Ich wurde auch oft darauf angesprochen, dass ich ja wohl aus Hannover komme. Was nicht stimmt. Aber wir haben halt alle Platten in Hannover produziert und waren ständig da.

Warum hat es damals zehn Jahre gedauert vom letzten Pearls- zum ersten North-Album? Mussten Sie den Ballast dieser Band loswerden?
In allererster Linie lag das daran, dass ich unglaublich viel ausprobiert und geschrieben habe und aus irgendwelchen Gründen immer dann, wenn es dem Ende zuging, dachte: „Nee, das ist es irgendwie nicht; das fühlt sich nicht richtig an ...“ Ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mein zweites Kind kam, und ich wechselte von dem Bedürfnis, laut und rockig zu sein, zu: „Akustisch und ganz ruhig wäre doch auch ganz schön.“ Weil meine Bedürfnisse sich geändert hatten. Bis hin zu dieser letzten Konstellation, wo ich endlich loslassen konnte und wollte und die Stücke einfach fliegen ließ.

Und jetzt kommen Sie mit diesen fliegenden Stücken zur Reihe „Songbirds“ nach Hannover. Wenn das nicht passt ...
Ja, ein schönes Wort für eine Reihe. Aber ich wurde auch schon gefragt, was für Musik die wohl machen, die von der Band Songbirds ...

Ist das für Sie als behauptete, quasi adoptierte Fast-Hannoveranerin so etwas wie ein Heimkommen?
So oft bin ich ja nicht mehr da. Aber ich freue mich total, auch weil der Pavillon, in dem ich noch nie gespielt habe, in der Nähe vom Raschplatz und damit dem Palo Palo ist. Da kenne ich mich aus.

Astrid North live: am Freitag im Pavillon – eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Songbirds“. Karten (17,50 Euro) gibt es in den NP-Ticket-Shops sowie unter
tickets.neuepresse.de


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