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Szene aus dem Stück «Hexenjagd» von Arthur Miller am Munchner Residenztheater. Foto: Thomas Aurin/Münchner Residenztheater/

Szene aus dem Stück «Hexenjagd» von Arthur Miller am Munchner Residenztheater. Foto: Thomas Aurin/Münchner Residenztheater/

Theater

Arthur Millers "Hexenjagd" am Residenztheater

Im späten 17. Jahrhundert trugen sich unglaubliche Dinge zu in Salem an der US-Ostküste: Eine ganze Region verfiel in Hexen-Hysterie, unschuldige Menschen wurden reihenweise zum Tode verurteilt. Das "Resi" in München hat das Drama von Arthur Miller neu aufgeführt.

München. Das Münchner Residenztheater hat am Samstag eine rund dreistündige "Hexenjagd" auf die Bühne gebracht. Regisseurin Tina Lanik inszenierte Arthur Millers Stück über die Hexenverfolgung von Salem an der US-Ostküste im späten 17. Jahrhundert als das, was es ist: ein ebenso düsteres wie absurdes Schauspiel.

Die wahre Geschichte um junge Mädchen, die eine ganze Region in Hexenhysterie versetzen, reihenweise unschuldige Menschen der Hexerei bezichtigen und in den gerichtlich angeordneten Tod schicken, spielt vor karger, an Industriebrachen erinnernde Kulisse (Bühne und Kostüme: Stefan Hageneier). Sie steht in krassem Gegensatz zu der irrationalen, leidenschaftlichen Hysterie, die sich dort abspielt.

Neben schockierenden Szenen mit vermeintlich vom Teufel besessenen, schreienden, kotzenden, Blut spuckenden jungen Mädchen und brutalem Exorzismus ist immer wieder auch Platz für tiefschwarzen Humor, beißenden Zynismus, der die absurde Ausweglosigkeit derer zeigt, die in die Fänge des sogenannten Gerichts geraten. Hier ist die Anklage nicht der Beginn eines Prozesses - sondern das Todesurteil. Da kann Oberrichter Danforth (Norman Hacker) noch so oft betonen, die Unschuldigen hätten nichts zu befürchten - es sind nichts als leere Worthülsen.

Miller (1915-2005) schrieb das Stück 1953 in der McCarthy-Ära - einer Zeit der rigorosen Verfolgung echter oder vermeintlicher Kommunisten in den USA. Eine solche zweite Ebene fehlt in Laniks Inszenierung.

"In unserer Gegenwart, die mit einer hysterischen Aushebelung des Rechtsstaates Geschichte macht, befragt Tina Lanik Millers aggressives Stück neu", hieß es in der Ankündigung des Theaters zwar. Mit einer großen, neuen Deutung überfrachtete die Regisseurin das Stück in ihrer sehr zurückhaltenden Inszenierung allerdings nicht - ganz im Gegenteil. Sie lässt es in einer sehr klassischen Interpretation für sich stehen, überraschende Regie-Einfälle: Fehlanzeige.

Das gibt den Schauspielern, allen voran Valery Tscheplanowa als diabolische, rachsüchtige Abigail Williams, Thomas Loibl als ihr Ex-Geliebter, das rechtschaffende Opfer John Proctor, und Valerie Pachner als panisch verzweifelnde Mary Warren, viel Platz, den sie gut nutzen. Vom Premierenpublikum gab es dafür viel Applaus. Für die Schauspieler fiel er kräftiger aus als für das Regie-Team.

dpa


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