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MIT KRAFT UND SINNLICHKEIT: Mischa Maisky und Martha Argerich im Großen Sendesaal.© Jan Philipp Eberstein

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Konzert

Argerich und Maisky im Sendesaal

Das Traumpaar der Klassik, Martha Argerich und Mischa Maisky, begeisterten mit Schubert, Beethoven und Franck in Hannover.

Hannover. Sich blind zu verstehen, ein schöner Gedanke, den dieses Traumduo der Klassik lebt. Mischa Maisky und Martha Argerich waren mit einem ambitionierten Programm im Großen Sendesaal - ausverkauft, an der Abendkasse standen noch etliche Fans, die vergeblich hofften.

Grau sind sie geworden, langsam schreiten sie über die Bühne, die 74-jährige Pianistin und der 68-jährige Cellist, sie sehen aus wie eins dieser alten Paare aus einem Fellini-Film. Und beginnen ihr Programm vergleichsweise verhalten mit Schuberts „Arpeggione-Sonate“, spielen die im besten Sinne romantisch. Maisky konzentriert sich auf die lyrischen Ruhepunkte, Argerich setzt dabei eher auf Selbstverständlichkeit. Schlicht ist hier richtig.

Beethovens Cello-Sonate (g-Moll) kommt durchtrainierter daher, Argerich hat immer noch ihre rühmenswerte Kraft: Beethoven wird so zum jungen Wilden. Die düstere Erhabenheit des einleitenden Adagios wird von beiden voll ausgespielt, von Maisky mit sattem Vibrato.

Nach der Pause (Maisky trägt jetzt ein blaues Hemd) dann das Highlight: César Francks Cello-Sonate, die eigentlich für Violine geschrieben wurde. Was Mischa Maisky mit einem vergleichsweise sanften Strich ganz am Anfang anklingen lässt.

Und dann zeigen die beiden, dass Franck eben kein wohlklingendes Virtuosenstückchen geschrieben hat. Wunderbar, wie Argerich die hitzige Sinnlichkeit voll und mit durchtrainierten Anschlag ausspielt. Keinerlei Blickkontakt, Maisky streicht nur noch mit geschlossenen Augen, beide sind ab dem zweiten Allegro wie im Rausch, aber hören genau aufeinander, wenn einer den melodischen Fluss für eine Winzigkeit bremst, um einen Ton auszukosten. Das Zusammenspiel klappt fabelhaft, die gemeinsamen Einsätze kommen punktgenau. Wenige Details werden allerdings durch Leidenschaft ersetzt.

Das Publikum steht vor Begeisterung, feiert das Paar ab. Die erste Zugabe, ein Schostakowitsch-Scherzo, wird mit reichlich Diskantgeglitzer runtergerockt, großartig, da sind beide wieder wunderbar jung. Das Publikum wird dann mit einem sanften „Lerchengesang“ von Brahms nach einem bemerkenswerten Konzert in die Nacht entlassen.

Bewertung: 5/5


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