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Dem Menschen zugewandt: Axel Hacke bei seiner Lesung im Pavillon.

Dem Menschen zugewandt: Axel Hacke bei seiner Lesung im Pavillon.
© Samantha Franson

Lesung

Anständig: Axel Hacke im Pavillon

Er ist einer der beliebtesten Kolumnisten des Landes. Nun war Axel Hacke mal wieder im Pavillon zu Gast.

Hannover. Welch größeren Liebesbeweis kann es geben? Man wacht morgens auf, blickt neben sich, erblickt dort keinen schönen Schwan oder eine Gazelle, sondern nur seine altbekannte Frau und denkt voll Hochgefühl: „Schön wie eine Wachtel am Morgen“. Roland Kaiser hat das – in „Santa Maria – nicht so gesungen (da war es „Schön wie ein erwachender Morgen“), aber ein Leser hat sich poetisch verhört, Axel Hacke hat es für die Nachwelt bewahrt und amüsiert damit sein Publikum im Pavillon.

Das poetische Potenzial des deutschen Schlagers ist nur eines der Themen, die Hacke anreißt, dieser Kolumnist des „SZ-Magazins“ und Prediger des „weißen Negers Wumbaba“ (noch so ein Verhörer). „Die Welt ist weit, und du wirst wunderbare Dinge in ihr entdecken“, umreißt er einmal eine kindliche Sicht der Dinge. Und schiebt die erwachsene hinterher: „Die Zahl der guten Dinge auf der Welt ist begrenzt.“ Was ihn nicht davon abhält, sie zu suchen und zu beschreiben.

Er liest aus seinem „kolumnistischen Manifest“, das im Gegensatz zum kommunistischen nicht zwei nur einen Autoren benötigt habe, nämlich ihn. Es geht um dieses und jenes, das Diesseits und das Jenseits, einen Gorgonzola-GTI und Guttenberg, Trump und andere Trampel, SPD-Kanzlerkandidaten mit „Sch“-Lauten und die Erkenntnis, dass es Wolfsburg gibt – „aber nicht immer“. Ein Menschenfreund parliert freundlich und mit putzigem, sehr lustigem Ausdruck.

Ernst werden kann er auch, wenn ihm etwas ernst ist: Anstand zum Beispiel. Darüber hat er sein jüngstes Buch geschrieben, ein kleines großes Manifest gegen die Enthemmung, die Lügen und Grobheiten in dieser Welt: „Wir leben inzwischen mit vielem, was eigentlich unerträglich ist“, sagt er. Man müsse Haltung zeigen, den Vereinfachern etwas entgegensetzen, im Dialog blieben. „Reden hilft“, sagt er: „Immer!“ Und Humor, das zeigt dieser beglückende Abend, tut es auch. Zwei Stunden lang, liest und plaudert Hacke. Die Besucher verlassen vergnügt den Pavillon. Einer pfeift „Santa Maria“.

Von Stefan Gohlisch


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