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Anne Will ist an ihren alten Sendeplatz zurückgekehrt.

Anne Will ist an ihren alten Sendeplatz zurückgekehrt. © Karlheinz Schindler

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Anne Will zurück im Talkolymp

Die hochgezogene Augenbraue ist zurück: Anne Will diskutiert wieder sonntags die große Politik des Landes. Die Kritik auf ihre Rückkehr fiel gemischt aus, die Einschaltquote ganz gut, wenn auch nicht überragend.

Berlin. Nach mehr als vier Jahren ist die ARD-Moderatorin Anne Will (49) zurückgekehrt auf den Königsplatz des Polittalks in Deutschland.

In ihrer ersten Gesprächsrunde auf dem wiedergewonnenen Sendeplatz am Sonntagabend stellt sie sich einem unausweichlichen Thema - der Flüchtlingsdebatte nach der Silvesternacht in Köln. Die Reaktionen auf ihre "Wiederpremiere" fielen unterschiedlich aus, die Einschaltquote war ganz ordentlich, hat aber noch Potenzial.

4,41 Millionen Zuschauer verfolgten den Will-Talk. Der Marktanteil betrug 14,0 Prozent. Der "Polizeiruf 110" mit Matthias Brandt hatte um 20.15 Uhr noch knapp neun Millionen Zuschauer. Am Will-Konzept hatte sich nichts geändert. Auf den Sesseln nahmen Platz: Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU), Politologin Gesine Schwan (SPD), Autor Ahmad Mansour und "WeltN24"-Chefredakteur Stefan Aust.

Es dauerte gerade einmal zehn Minuten, bis Will Altmaier in einen seiner Monologe hineingrätschte. Der Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung sagte, man könne keine Garantie geben, dass sich irgendwo eine Straftat nicht wiederhole. "Irgendeine Straftat? Das war ja nicht nur eine, das waren 676 Anzeigen", warf Will ein.

Kommunikationswissenschaftler bescheinigten der 49-Jährigen in der Vergangenheit häufiger, dass sie ihr journalistisches Handwerkszeug beherrscht. Ihrem Vorgänger Günther Jauch schrieben sie dafür immer mal wieder mehr Charisma zu. Der Moderator hatte den ARD-Talk am Sonntagabend 2011 von Will übernommen, sie wechselte dafür auf den Mittwoch. Weil sich Jauch nun aber aus dem Ersten verabschiedet hat und sich auf seine Arbeit für den Privatsender RTL konzentriert, durfte Will zurück.

Und das mit einem heiklen Thema. Die Wertedebatte in der Republik kocht nach der Silvesternacht, in der viele Frauen nach eigenen Angaben sexuell belästigt, bedrängt, bestohlen wurden. Altmaier sagte an einer Stelle, er habe die Polizeiprotokolle noch einmal gelesen. Oft habe dort gestanden, es seien Exzesse alkoholisierter Jugendlicher gewesen, vor allem aus Nordafrika. "Mir ist immer gesagt worden, dass junge Muslime keinen Alkohol trinken", sagte Altmaier und fragte, wie das passe. "Waren das nun Muslime? Waren es falsche Muslime?"

Da ging es ziemlich durcheinander in dem Gespräch. "So, jetzt müssen wir uns entscheiden", versuchte Will (Markenzeichen: die hochgezogene Augenbraue) die Runde zu koordinieren. Sie leitete das Rederecht an Autor Mansour ("Generation Allah") weiter - weil der "richtig viel Ahnung von Muslimen" habe. "Und weil er selber einer ist." Dafür gab es vom Publikum einige Sympathielacher. Die Antworten auf viele Fragen blieben aber auch auf dem neuen/alten Sendeplatz vorerst unbeantwortet.

Die Kritikerstimmen fielen nach der Sendung recht unterschiedlich aus. "Sie tat so, als sei nichts gewesen", schrieb "Bild.de". "Studio: fast wie immer. Und sie? Gewohnt routiniert. Kein Wort zum neuen Sendeplatz, den sie bis vor vier Jahren schon mal hatte. Irgendwie hätte auch Mittwoch sein können gestern Abend. So sehr gab sich Will Mühe, alles ganz normal wirken zu lassen. So wenig hatte sich geändert."

Kritischer sah "Spiegel Online" Wills Rückkehr auf den Sonntag: "Es war alles andere als ein gelungenes Debüt für Anne Will, die an diesem Abend auf den von Günther Jauch geräumten und sehr prestigeträchtigen Sendeplatz am Sonntagabend zurückgekehrt ist. So aufgeräumt und licht das Studio, so wirr und obskur wurde leider die Diskussion geführt."

"FAZ.net" sprach Gastgeberin Anne Will dagegen die Empfehlung aus, auf ihrer Linie zu bleiben: "Anne Will sollte so wie in der Sendung vom Sonntag, die den Titel trug "Nach Köln - Höchste Zeit für eine neue Flüchtlingspolitik?", weitermachen: Fernsehen mit Realitätsanschluss und ohne Überbrückungskabel, das jede Debatte sogleich auf der Metaebene ideologisch kurzschließt. Anders hat das nämlich gar keinen Sinn."

dpa


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