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KEIN STREITEN UM MUSIK: Anke Engelke und Roger Willemsen im Großen Sendesaal.

KEIN STREITEN UM MUSIK: Anke Engelke und Roger Willemsen im Großen Sendesaal.© Tobias Kleinschmidt

Musik

Anke Engelke und Roger Willemsen legen gemeinsam auf

Die angekündigte Schlacht an den Plattentellern bleibt aus. Die Fetzen fliegen auch nicht. Und die runden Scheiben lassen sie von NDR-Kultur-Musikredakteur Hendrik Haubold auflegen:

Hannover. Anke Engelke und Roger Willemsen, die preisgekrönte Top-Comedienne („Ladykracher“) und der intellektuelle (Fast-)Alleskönner, gehen in ihrem Programm „Engelke & Willemsen legen auf!“ auf Schmusekurs zueinander. Eigentlich schade, ein Diskurs hätte dem Abend im ausverkauften Großen Sendesaal im Funkhaus mehr Würze gegeben. Auch wenn das Publikum am Ende begeistert applaudiert.

Das Radiokonzept, das hier erstmals live vor Publikum stattfindet, ist prima – keiner der beiden weiß, was der andere auflegt (hier: auflegen lässt) – und bewährt (seit Jahren machen die beiden eine Silvester-Hörfunksendung im WDR 5 in diesem Stil zusammen). Zweifellos, es gibt viel wunderbare Musik, die von der im Retro-Wohnzimmerstil ausgestatteten Bühne herüberkommt. Viel Jazz, schöne und rare Perlen darunter wie Earl Hines „Earl’s Pearl“, Lester Youngs „That’s All“ und „Flamingo“ von Michel Petrucciani und Jazz-Geigerlegende Stéphane Grappelli. Weiter Barockmusik (Jean-Philippe Rameau), Pop (Blossom Dearie, Lianna La Havas, Michael Jackson). Und Klassik: Richard Strauss (Arie aus „Die schweigsame Frau“).

So unterschiedlich die Titel sind, immer sind es harmonisch klingende, meist getragenere Kompositionen. Nichts wirklich Schräges, Aneckendes oder (Neu-)Experimentelles. Musik aus Afghanistan (Willemsen hat sie bestimmt) wird im Nebensatz erwähnt, bleibt aber unhörbar. Dafür gibt es Richard Wagners gut zehnminütige Ouvertüre aus „Tristan und Isolde“. Eben eine bewusst subjektive Musikauswahl – bei der es aber auch einige Musik und Künstler zu entdecken gibt, wie den kanadischen Pianisten Chilly Gonzales und die New Yorker Progressive-Bluegrassband The Punch Brothers. Unterhaltsam und interessant die kurzen Musikanalysen und musikhistorischen Einwürfe von Willemsen.

Witzig seine Anekdote mit Petrucciani bei Filmaufnahmem auf einem New Yorker Wolkenkratzer. Ebenfall witzig: Engelke erteilt dem Publikum Hustenerlaubnis, singt lautlos mit und betätigt sich ab und an als Sofa-Sitztänzerin. Die Dialoge zwischen den beiden sind nette, humorvolle Plaudereien, dabei herrscht Konsens in Bezug auf die Musiktitel. Jedenfalls hat das kollektive, konzentrierte Live-Musikplatten-Anhören seinen Reiz. Die Aufzeichnung wird im Radio am 26. Oktober um 20.05 Uhr auf NDR Kultur zu hören sein.

Bewertung: 3/5


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