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DER MOMENT DER WAHRHEIT: Andreas Kümmert verkündet beim ESC-Entscheid, dass er hier nicht mehr weitermachen will.

DER MOMENT DER WAHRHEIT: Andreas Kümmert verkündet beim ESC-Entscheid, dass er hier nicht mehr weitermachen will.© Peter Steffen

Andreas Kümmert: Cover-Songs und Eigenes

Starke Stimme und 250 Fans im Mephisto. Der ESC-Verweigerer fühlt sich in den kleineren Clubs wohl.

Hannover. „And I breathe in and I breathe out“ - manchmal lohnt es sich, tief durchzuatmen, dann sieht die Welt ganz anders aus. Andreas Kümmert ist zurück in Hannover, zurück an dem Ort seines bislang größten Erfolges und Aufregers zugleich.

Es war im letzten März, Kümmert gewann mit großem Vorsprung den „Eurovision-Vorentscheid“, nur um danach als Sieger zurückzutreten. Er wurde zur Persona non grata, im Netz wurde viel gepöbelt. Am vergangenen Wochenende hatte er in einem Interview auch verraten, warum er nicht mehr wollte: „Jeder will da Antworten auf hirnrissige Fragen, für die ich keinen Nerv hätte. Das hat mir plötzlich eine Riesenangst gemacht.“

Der Aufruhr hat sich gelegt, er hat einen Gang runtergeschaltet und spielt jetzt in den kleinen Clubs. Kümmert war beim Friseur, trägt seine Haare kurz, einen gestutzten Bart und keine Brille mehr.

Doch seine Augen sind fest geschlossen. Er spielt den Opener „Breathin’“ allein im ausverkauften Mephisto vor 250 treuen Fans. Dann kommt mit Tobias Niederhausen der zweite Gitarrist hinzu, nun wird es ein dunkelblauer Abend. Beim jazzigen „Easy“ von den Commodores kann der Solo-Gitarrist sein Können zeigen. Jetzt reißt Kümmert, der „Voice of Germany“-Gewinner 2013, die Augen auf und singt den „Simple Man“. Das wäre er gern, ein einfacher Mann, doch sein Gesang ist es nicht. In „Already Standing on the Ground“ beeindruckt er mit einem kraftvollen Falsett.

Seine Stimme hat eine große Reichweite, am stärksten ist sie allerdings in den Mitten, wo der 90er-Grunge das klassische Songwriting berührt. Der 29-Jährige aus Unterfranken ist „Problem Child“ und „Wundertüte“ in einem. Man weiß nie genau, was man von ihm erwarten kann. Er selbst nennt sich einen „bekennenden Querdenker“, seine Ansagen sind leise und schüchtern. Das Programm besteht zur Hälfte aus Cover-Songs, „Feeling Alright“ endet mit einer langen Gitarren-Session.

„Gehts euch gut?“ - „Ja, und dir?“, antwortet das Publikum. „Na ja, bin etwas erkältet“, erklärt er sich, und „nach dem nächsten Stück machen wir eine Pause, ich hoffe, ihr seid danach noch da“. Gelächter, die Fans sind gekommen, um zu bleiben. „To Love Somebody“ von den Bee Gees singt er gemeinsam mit ihnen. Ist das nun Musik für die Hotelbar oder für eine größere Bühne?

Kümmert kommt mit einem „Who-the-fuck-is-Mick-Jagger-Shirt?“ aus der Pause. Die eigenen Songs wie „Neverlasting Love“ fallen im Vergleich zu den Klassikern allerdings stark ab. „Hat es euch trotz der Erkältung gefallen?“ Und ob. Und auf seine Frage „Wer muss morgen in die Kirche?“ antworten die Fans trocken „96!“. Mit „Rocket Man“ und „It’s a Man’s Man’s Man’s World“ endet ein bluesiger und leidenschaftlicher Abend.

Bewertung: 4/5


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