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Auf jeden Fall schön bunt: André Rieu. Am 10. Januar startet seine große Deutschland-Tour in Oberhausen und macht Station in allen großen Städten.

Auf jeden Fall schön bunt: André Rieu. Am 10. Januar startet seine große Deutschland-Tour in Oberhausen und macht Station in allen großen Städten.
© dpa

Am 11. Januar in der Tui-Arena

André Rieu kommt nach Hannover

NP-Interview mit André Rieu: Der Stargeiger ist am zweiten Tag seiner großen Deutschland-Tour in der Tui-Arena.

Hannover. André Rieu ist der Geiger der Superlative. 35 Millionen verkaufte Tonträger, 600 Platin- und Gold-Auszeichnungen und jährlich eine Million Konzertbesucher: Am 11. Januar ist der Holländer in der Tui-Arena.

Herr Rieu, was darf auf einer Tournee nicht fehlen?

Meine rote Couch! Auf Tour haben wir einen Rhythmus: Um halb vier kommen wir im Saal an, um einen Soundcheck zu machen. Anschließend ziehe ich mich zurück und schlafe auf meiner Couch. Wir haben alles, was man auf unserer Bühne sieht, viermal. Deswegen habe ich vier Exemplare dieser Couch. Wir nehmen auch immer dieselben deutschen Köche mit auf Tour. Das ist fast wie zuhause.

Was ist auf Ihrer Bühne verboten?

Auf meiner Bühne ist es streng verboten, nicht mit hundertprozentigem Einsatz zu spielen. Aber das kommt eigentlich nicht vor.

Wenn Sie mit Ihrem Orchester spielen, suchen Sie dann nach dem Klang Ihrer Kindheit?

Das hängt immer vom Stück ab. Manchmal ist es der Klang meiner Kindheit. Wir studieren unsere Stücke nach einem bestimmten Ablauf ein. Ich spiele nie vom Originalmaterial, denn das bietet zu wenig Spielraum. Ich will immer die Möglichkeit haben, Musik zu ändern und so zu arrangieren, wie ich es im Kopf habe. Das Resultat ist dann wirklich schöne Musik. Darum geht es doch: Man will immer etwas hören, was das Herz berührt.

Kommt es vor, dass ein Musiker auf Tournee über die Stränge schlägt?

Nein, das ist noch nie vorgekommen. Ich muss sagen, ich bin ein sehr strenger Boss. Aber auch ein sehr guter. In meinem Orchester muss man sich an die Regeln halten.

Sie spielen auf einer Stradivari von 1732. Haben Sie auf Tour jemanden, der sich ausschließlich um dieses wertvolle Instrument kümmert?

Ja. Der weltberühmte Cellist Yo-Yo Ma hat sein Stradivari-Cello mal in einem Taxi in New York vergessen. Glücklicherweise war der Taxifahrer so ehrlich, ihm das Instrument zurückzubringen. Unterwegs gibt es viele Momente, in denen ich meine Geige nicht nah bei mir habe. Ich will dann aber nicht, dass sie irgendwo herumliegt. Solch ein Instrument ist nicht nur viel Geld wert, es hat auch einen ideellen und emotionalen Wert.

Hat Ihre Stradivari Launen wie eine Diva?

Absolut. Sie besteht aus Jahrhunderte altem Holz. Mal spielt man sie in einem kalten, mal in einem warmen, feuchten oder trockenen Raum. Darauf reagiert nicht nur die Geige, sondern auch der Bogen. Dazu kommt noch, wie man sich gerade fühlt. Sind die Finger locker? Ist man ausgeruht? Alles wirkt zusammen und dabei kommt ein herrliches Gefühl heraus.

Wenn Sie zuhause an etwas arbeiten, hören Sie dann klassische Musik?

Nein, zuhause höre ich überhaupt keine Musik. Meine Frau sagt, ich sei wie vier Lipizzaner-Hengste. Entweder ich renne oder ich schlafe. Ich entspanne mich eigentlich nie. Aber wenn ich es dann doch einmal tue, dann schlafe ich.

Wer die Werte der Musik wirklich versteht, kann kein Massenmörder sein?

Man kann es nicht generalisieren, aber ich kenne viele Musiker, und das sind alles liebe Leute. Es geht eigentlich auch nicht anders.

Haben Ihre Söhne in der Pubertät gegen Sie rebelliert und Ihr Haus mit lautem Techno, Heavy Metal oder Hip Hop beschallt?

Das haben sie natürlich. Einer meiner Söhne hatte von einem Tag auf den anderen knallweiße Haare. Das hat er natürlich gemacht, um uns zu schocken. Aber es stand ihm sogar gut! Meine Söhne durften zuhause auch andere Musik hören, mein Vater hingegen erlaubte nur Klassik. Die Rolling Stones und die Beatles kamen bei uns nicht rein.

Haben Sie als Jugendlicher gegen Ihre Eltern rebelliert?

Kaum. Ich habe meine Pubertät später zusammen mit meiner Frau ausgelebt, die auch einen sehr strengen Vater hatte. Drei Wochen genügten dafür.

Also gibt es keine Jugendsünden, die Sie beichten müssten?

Nein.

Was ist das typisch Holländische an Ihrer Kunst?

Wir Holländer sind locker und humorvoll. So sind wir auch auf der Bühne. Das ist vielleicht auch der Grund unseres Erfolgs. Wir können Humor und Ernsthaftigkeit verbinden, ohne dass das Niveau sinkt.

 

11. Januar ist André Rieu mit seinem Johann-Strauss- Orchester in der Tui-Arena (20 Uhr). Karten (46 bis 99 Euro) in den NP-Ticketshops.

Von Olaf Neumann


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