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SATIRE: Alligatoah begeistert in der Swiss-Life-Hall die 5500 Fans mit einer verrückten Show.Foto: Schaarschmidt

SATIRE: Alligatoah begeistert in der Swiss-Life-Hall die 5500 Fans mit einer verrückten Show.© Tim Schaarschmidt

Hannover

Alligatoah: Auf Himmelfahrtskommando

In der mittlerweile etwa siebten Deutschrap-Welle seit den Neunzigern ist Augenzwinkern in den Texten impliziert. Doch bei keinem so offensichtlich wie bei Alligatoah - dessen „Himmelfahrtskommando“ gestern in der Swiss-Life-Hall gelandet ist: er selbst, vierköpfige Band, Backup-MC BattleBoi Basti.

Hannover. Eigentlich war die Tour im Frühjahr, die Fans aus Hannover kommen als Nachzügler in den Genuss der vor Sarkasmus triefenden Texte und eingängigen Refrains des Trailerpark-Schülers: Mit „Narben“ geht es los, Alligatoah und Basti stehen erhöht in einem Streitwagen über einer Deko-Wolke, Strobel ist in ein Zenturio-Outfit gekleidet.

„Hannover, seid ihr real?“, begrüßt er den Saal, „Vor Gericht“ ist dann schon mal ein Beispiel, wovon es heute reichlich geben wird: Ein ironisches Szenario, in dem Alligatoah die Rolle eines Unsympathen annimmt, gerappt zwischen Akustikgitarren-Parts, veredelt mit Refrain zum Mitchanten - das lieben die 5500 Fans, das können sie den ganzen Abend hören.

„Mein Gott hat den Längsten“ macht sich über religiösen Extremismus lustig. „Bleib in der Schule“ beschließt ein Trailerpark-Medley, mit seinem kleinen Indie-Label ist Alligatoah nach wie vor eng verbunden, auch wenn er mittlerweile die großen Hallen und Festival-Hauptbühnen bespielt. Vor „Denk an die Kinder“ geht der Vorhang zu, Alligatoah und die Band stehen mit Engelsflügeln und Sprengstoffgürteln davor. Als der Vorhang wieder aufgeht, steht eine goldene Kuh (vielleicht doubelt es ein goldenes Kalb) auf der Wolke, Basti - zwischendurch an einem Pranger festgekettet - und die Band beten zu ihr hoch.

Die Texte sind unterhaltsam, die Hooks gehen ins Ohr, die Gesellschaftskritik wird von Fans und Kritikern bejubelt und gelobt - auch wenn andere Rapper momentan einen besseren Flow und mehr Straße mitbringen, hat Lukas Strobel aka Alligatoah sein Revier abgesteckt und sein Erfolgsrezept perfektioniert.

Singen kann er gut - allein: Die Spannung bleibt aus, wenn er bei „Du bist schön“ zum gefühlt 15. Mal nach einer provokanten Rap-Strophe zum gesungenen Refrain ansetzt. Seine Fans stört das nicht, bis zu den Zugaben wird das „Himmelfahrtskommando“ gefeiert, bis dann zu „Willst Du“ wieder alle einstimmig mitsingen. Da gebärdet sich der Rapper mit Zylinder auf seinem Podest wie ein Zirkusdirektor.

Und in „Musik ist keine Lösung“ vom gleichnamigen letzten Album hat die Ironie dann Vollendung erreicht: Alligatoah rappt satirisch über das satirische Rappen - und wird mit riesigem Applaus verabschiedet.


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