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Das Grab von Pharao Tutanchamun im Tal der Könige. Foto: EPA/Str

Das Grab von Pharao Tutanchamun im Tal der Könige. Foto: EPA/Str

Archäologie

Ägypten hält den Grabkammer-Hype aufrecht

Wieso sollte man einen Jahrhundertfund einmal verkünden, wenn man den Hype vorher über viele Events strecken kann? Mögliche Kammern im Grab Tutanchamuns wären eine riesige Entdeckung. Doch das Stück am Nil hat einige Akte.

Kairo. Die Sensation, wenn es sie denn gibt, wird in Ägypten in vielen Schritten verkündet. Und trotzdem ist dem Antikenminister bei jedem Auftritt die Aufmerksamkeit der Welt sicher. Denn die alten Ägypter faszinieren.

Vor allem dann, wenn es um bislang unentdeckte Kammern im Grab von Pharao Tutanchamun geht, drehen nicht nur die ägyptischen Medien auf. Doch die Analyse neuer Messergebnisse braucht länger als angekündigt. Ägyptens möglicher Jahrhundertfund kommt - marketingtechnisch ausgereift - häppchenweise.

Dagegen kam der Hype im Sommer mit voller Wucht: Als der britische Ägyptologe Nicholas Reeves mit einem Aufsatz unter anderem über Linienstrukturen in zwei Wänden der 1922 entdeckten Grabkammer des Kindkönigs Tutanchamun (um 1330 v. Chr.) an die Öffentlichkeit trat, standen Archäologen in aller Welt Kopf.

In den Linien erkannte Reeves vermauerte Durchgänge in der westlichen und nördlichen Kalksteinwand der berühmten Grabkammer. Ergo: Es müsste noch weitere Räume geben. Unentdeckte Kammern in einem der berühmtesten Gräber der Welt? Die Abenteuerlust Marke Indiana Jones war geweckt. Der ehemalige Antikenminister Mamduch Damati sprach von der "Entdeckung des Jahrhunderts".

Doch Reeves Theorie wird sogar noch fantastischer. Millionen Menschen bestaunten die Malerei an der Nordwand, die Tutanchamuns Weg ins Jenseits beschreibt. Doch niemand ahnte, dass sich vielleicht nur wenige Meter dahinter der bislang unentdeckte Sarkophag der Nofretete befinden könnte.

Genau darüber spekuliert Reeves nämlich. In dem Raum - oder den Räumen - hinter der Nordwand könnte die Mumie der sagenumwobenen und legendär schönen Pharaonin liegen. Ihre Büste begeisterte in den vergangenen Jahren Hunderttausende auf der Berliner Museumsinsel. Seine Theorie erklärt Reeves mit der Verbindung zwischen Nofretete und Tutanchamun. Nofretete war dessen Stiefmutter und - in Reeves Theorie - gleichzeitig seine direkte Vorgängerin als Pharaonin.

Am Freitag nun scharrten sie wieder alle mit den Hufen. Sollte heute endlich die Sensation verkündet werden? Fehlanzeige. Wieder einmal. Obwohl die Ergebnisse neuer Radaraufnahmen "direkt am selben Tag" veröffentlicht werden sollten, brauche die Analyse nun doch etwa eine Woche. "Nichts wird vor der Untersuchung der Scans bekanntgegeben, um wissenschaftliche Glaubwürdigkeit sicherzustellen", sagte der neue ägyptische Antikenminister Khaled al-Anani in Luxor.

Sein Vorgänger Damati sprach vor einigen Monaten davon, Experten seien sich "zu 90 Prozent" sicher, dass es weitere Kammern gebe. Vor wenigen Wochen waren es dann "über 90 Prozent". Am Freitag nun sagte Damati, der ebenfalls bei der Pressekonferenz sprach: "Wir müssen uns sicher sein. 100 Prozent."

Wann das krisengebeutelte Ägypten die volle Sicherheit verkündet? Vermutlich noch einige Pressekonferenzen hin. Bis dahin wird der Grabkammer-Hype schlechte Nachrichten aus dem Urlaubsland weiter auflockern.

dpa


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