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KLASSISCHE BOYGROUP: Die vier schmucken Herren von Adoro haben vor allem sehr viele ihre weibliche Fans.

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Interview

Adoro: Manchmal schauen wir uns an und sagen: ‚Wahnsinn‘

Mit klassisch interpretierten Popsongs haben sich die vier Opernsänger von Adoro in Deutschland eine große Fangemeinde geschaffen. Den Start ihrer Jubiläumstournee feiern sie in Hannover, am 25. Februar im Kuppelsaal. Ein NP-Interview mit Bassbariton Peter Dasch und Tenor Assaf Kacholi.

Herr Dasch, Herr Kacholi, wie unterscheiden sich für Sie als Sänger Schubert, Donizetti oder Mozart von Bourani, Revolverheld oder Helene Fischer?

(Beide lachen) Assaf Kacholi: Ich habe tatsächlich richtig viel Schubert gesungen, ich singe aber auch gerne Andreas Bourani. Wenn der Text gut ist und die Melodie super, und wenn das passt zu meiner Stimme und ich damit meine Gefühle und Emotionen ausdrücken kann - warum nicht? Das ist einfach Musik, die in einer anderen Zeit geschrieben wurde, und man kann mit so einer Musik auch die Menschen erreichen. Vielleicht auch sogar unser Publikum… also, ich will nicht böse sein, aber manchmal kommt es klarer rüber, wenn man moderne Texte singt. Und vielleicht motiviere ich unser Publikum dadurch, auch mal andere Musik zu hören, vielleicht auch Schubert.

Sie hoffen also, dass Ihre Anhänger zur klassischen Musik kommen?

Kacholi: Das ist nicht unser Ziel, nicht unsere Mission. Aber vielleicht klingt das dann für manche Leute nicht so fremd. Das ist eben Musik, die zu anderen Zeiten geschrieben wurde.

Erfordert Popmusik für Sie als Sänger eine andere Herangehensweise als klassische Musik?

Kacholi: Ich glaube, technisch ist das schon ähnlich, vielleicht sogar schwerer. Auf unserem neuen Album singen wir zum Beispiel „Wie schön du bist“. Das ist so komplex geworden, fast wie eine große Puccini-Arie, vielleicht sogar noch schwieriger. Das ist eine große Herausforderung, mit diesen Liedern umzugehen. genau wie bei einer Puccini- oder Verdi-Arie oder sogar bei einem Schubert-Lied.

„Wie schön du bist“ ist von Sarah Connor, aber Ihr Lieblingslied auf dem neuen Album ist offenbar „Du bist das Licht“.

Kacholi: Das ist von Gregor Meyle. Wirklich eine tolle Melodie und ein Supertext. Eine nette Überraschung, würde ich sagen. Wir haben das Lied damals nur getestet als Demo. Es war sofort klar: Das wird eine eine emotionale und wunderbare Nummer. Man muss es einfach hören, um das zu glauben.

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Lieder aus?

Kacholi: Wir sitzen zusammen, und jeder bringt seine Ideen ein. Wir proben zusammen, wir probieren Sachen auf dem Klavier. Wenn man dann hört, wenn man spürt, dass man positive Emotionen von dem Song bekommt, dann passt das einfach. Natürlich sind die Kriterien gute Texte und gute Melodien, die zu unserer Art von Gesang passen. Wir kommen ja von dieser Belcanto-Ausbildung, deswegen suchen wir auch Lieder, die eine interessante und schöne Linie haben.

Gilt das auch für „Engel“ auf Ihrer neuen CD? Oder ist das gar nicht der „Engel“ von Rammstein?

(Beide lachen) Dasch: Nee, das ist ein anderer „Engel“. Wir haben nicht den von Rammstein gewählt, sondern den von Johannes Oerding.

Ach so. Ich hatte mich schon ein bisschen erschreckt…

Kacholi (lacht): Einen Engel haben wir immer mit. Dasch: Ja, genau, irgendetwas mit Engel ist immer dabei. Nein, das ist ein cooler Song von Johannes, den haben wir vor einigen Jahren bei einer TV-Sendung kennengelernt. Ein cooler Typ, da lag nahe, mal was von ihm zu machen.

Es muss ja nicht gleich Rammstein sein, aber wäre es für Sie grundsätzlich denkbar, auch mal härtere Sachen zu machen?

Dasch: Unser Fokus ist schon auf Pop/Klassik, aber hin und wieder eine rockigere Nummer…Haben wir schon überlegt. Ich bin ja immer dafür, dass wir mal einen Ärzte-Song machen, aber ich hab‘ mich noch nicht so richtig durchsetzen können (lacht). Nein, aber das kann man schon mal machen. Gerade im Rock sind viele schöne Melodien, die in Frage kommen würden. Aber es ist primär schon Popmusik, die uns interessiert.

Ihre Lieder sind ja alle auf Deutsch, englische Texte sind auch eingedeutscht. Warum eigentlich?

Dasch: Es ist halt unsere Sprache. Bis auf Assaf sind wir alle sozusagen deutsche Natives.

Es widerstrebt Ihnen, auf Englisch zu singen?

Dasch: Nicht unbedingt. Ich finde, Englisch ist eine super Sprache für Popmusik. Im Klassischen - also, es geht schon, aber es ist erstmal gewöhnungsbedürftig. Aber das ist nicht der Grund. Der Grund ist einfach: Wir wollten für ein deutsches Publikum Musik machen, und das hat so gut funktioniert, dass wir keinen Sinn darin sehen, etwas auf Englisch zu machen. Wenn, dann auf Italienisch vielleicht einmal.

Singen Sie, außerhalb von Adoro, auch noch Klassisches?

Dasch: Schon, ja. Wir versuchen es zumindest. Es müssen natürlich Projekte sein, die zeitlich klar begrenzt sind. Wenn jetzt jeder bei einer Opernproduktion mitmacht, die über sechs Wochen Proben und zwei Monate Aufführungen geht, dann können wir nicht mehr Adoro machen. Das geht nicht, deshalb guckt man, dass man Konzerte spielt, die mit relativ wenig Aufwand zu machen sind. So viel wie geht, klar - aber es geht nicht so viel (lacht).

Sie sind also schon ziemlich eingespannt…

Dasch: Klar. Wir gehen auf Tour, kommen wieder, machen ein Album - das ist immer ziemlich hart getaktet.

Ist es für Sie vorstellbar, auch mal ein Album nur mit klassischen Liedern zu machen, oder ist das für Ihr Publikum nicht denkbar?

Doch, glaube ich schon. Das ist absolut vorstellbar. Wir hatten auch schon ein paar Ideen diesbezüglich. Muss man mal gucken, wie man es aufarbeitet. Diese klassischen Arien eins zu eins nachzusingen, ist ja sowieso nicht unser Spezialgebiet. Wir lieben es ja, bekanntes Material neu zu arrangieren, neu zu denken, und das müsste dann man wahrscheinlich auch mit dem jeweiligen klassischen Stück machen.

Das wäre dann auch im Adoro-Style?

Ganz genau.

Adoro gibt es schon länger…

Kacoli (ruft): Fast zehn Jahre.

Deswegen gibt es im kommenden Jahr ja auch eine Jubiläumstour…

Dasch: Ja, genau.

Es war ja ursprünglich eine Crossover-Casting-Projekt, sah ein bisschen nach einer Kunstnummer aus. Aber zehn Jahre - das ist ja schon ein Brett…

Auf jeden Fall. Sie haben Ihre Frage eigentlich schon selbst beantwortet (lacht). Wir haben uns damals gedacht: Na, schauen wir mal. Aber dann haben wir schnell gemerkt, dass das alles sehr professionell läuft. Es gibt einen Markt dafür, das war für uns eine neue Denke, die wir lernen mussten. Wir kommen ja aus dem subventionierten klassischen Bereich. Das hat also gut funktioniert, aber selbst da dachten wir noch: Naja, wir machen noch mal zwei Alben und dann schauen wir weiter - ja, und dann wurden daraus zehn Jahre. Manchmal schauen wir uns an und sagen: ‚Wahnsinn‘. Das ist ein ganz schönes Repertoire, was sich jetzt, nach dem siebten Studio-Album, einer Best-of-CD und einer DVD, angehäuft hat. Aber es hat wieder so viel Spaß gemacht, dass wir gesagt haben: Warum nicht? So lange wir Spaß daran haben und die Leute es sich anhören.

Dann stellt sich jedenfalls nicht die Frage, ob Sie sich irgendwie verbiegen müssen, wenn Sie Popmusik singen.

Dasch: Das Gefühl haben wir abgelegt, wenn es überhaupt da war. Ich persönlich komme aus einem sehr klassischen Haushalt. Ich habe natürlich auch viel Popmusik gehört, aber für mich gab es da auch immer ein klare Trennung. Gerade in Deutschland ist ja diese Meinung weit verbreitet, dass man das klar trennen muss. Es gibt relativ wenig Cross-over-Sachen - wobei, mittlerweile gibt es schon so einiges. Für mich hat sich das jedenfalls super angefühlt, weil ich meine beiden Gefühlswelten miteinander verbinden konnte. Und für uns alle ist das mittlerweile unser tägliches Schaffen, unsere tägliche Kunst.

Ich glaube, man tritt Ihnen nicht zu nahe, wenn man Adoro als Boygroup bezeichnet. Sie haben sehr viele weibliche Fans, zuletzt in Hannover waren es nach meinem Eindruck etwa 80 Prozent…

Dasch: Ernsthaft?

Ich glaube schon…

Dasch (lacht)…wenn Sie das sagen…

Es waren jedenfalls sehr viele. Hatten Sie auch schon Boygroup-Erlebnisse, beispielsweise Groupies, die am Hotelzimmer kratzen?

Dasch: Nein, das hatten wir noch nicht, wir haben ein sehr seriöses Publikum. Natürlich kriegt man schon ein paar Briefe, in denen deutlich wird, dass ein Fan sie geschrieben hat. Aber das ist alles völlig okay.

Wie vertragen Sie sich untereinander? Streiten Sie ab und zu - und wenn ja, worüber?

Dasch: Wir streiten vor allem - na ja, streiten ist zu viel gesagt - wir diskutieren vor allem über Songs, also über inhaltliche Dinge. Aber das kann man nicht streiten nennen, das ist diskutieren und die anderen überzeugen. Das ist meistens sehr emotional, wir machen halt Musik, und das hat sehr viel mit Emotionen zu tun. Aber bisher haben wir uns immer super geeinigt auf die Nummern, jeder hat Vorschläge eingebracht und jeder findet sich da auch wieder. Das man dann ab und zu mal Zugeständnisse macht, das ist völlig normal. Wir sind eine Gruppe, eine Band, nur gemeinsam sind wir stark, nur gemeinsam gewinnen wir.

Es gibt also keine tiefgreifenden Differenzen, wie man das gelegentlich von anderen Bands ja mal hört?

Nee, nee, nee. Dafür wäre mir auch meine Zeit zu schade, dann auch noch auf Tour zu gehen, das wäre mir auch zu anstrengend. Nee, das macht schon richtig Spaß. Wir haben eine super Energie. Und das merkt man bei Liveauftritten ja auch: Wenn die da oben auf der Bühne sich nicht leiden können, dann bekommt das Publikum das mit.

Sie hatten bereits im vergangenen Februar im Kuppelsaal in Hannover Tournee-Premiere, jetzt schon wieder. Hat das besondere Gründe?

Dasch: Nee, das ist Zufall, ehrlich gesagt. Nichts gegen Hannover, wir lieben es, da zu spielen, das ist immer großartig und ich freu‘ auch schon darauf - aber das ist in dem Fall wirklich Zufall. Da spielen wahnsinnig viele Faktoren eine Rolle, die ich zum Glück nicht organisieren muss - das macht unser Live-Veranstalter, und der macht das sehr gut.

Was erwartet die Besucher im Kuppelsaal?

Dasch: Wir gehen wieder mit unserer Band und unserem Orchester auf Tour - und mit unserem neuen Programm. Wir werden auch, gerade weil es die Jubiläumstour ist, viele Klassiker spielen aus unserem mittlerweile Riesenrepertoire, viele Hits natürlich, das ist klar. Ich denke, dass wir wieder eine schöne Bühnenshow haben, viele Moderationen, auch das Publikum einbinden. Ja, ich freue mich darauf.

Adoro eröffnen ihre Jubiläumstournee am 25. Februar (20 Uhr) im Kuppelsaal. Tickets kosten zwischen 36,70 und 76,95 Euro und sind erhältlich in den in den NP-Ticketshops sowie unter tickets.neuepresse.de

BU


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