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Scorpions-Karriereende

Abschied mit und ohne Tränen

Abschied mit und ohne Tränen: Die Scorpions werden überall gefeiert – nur in Deutschland nicht. Warum?
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Posen was das Zeug hält: die Scorpions.

Posen was das Zeug hält: die Scorpions.

© dpa

Eine typische Handbewegung für ein Kloster ist das nicht. Aber sie machen das alle hier. Sie strecken den kleinen Finger und den Zeigefinger und grölen laut. Im Klosterhof spielt eine Rockband. Februar 2001, das „Convento do Beato“ in Lissabon. Die Scorpions nehmen das Livealbum „Acoustica“ auf. Die 600 glücklichen Portugiesen, die eine Karte ergattern konnten, sind bekleidet und behängt mit Scorpions-Devotionalien, singen jede Zeile mit und wirken trotz des zurückgenommenen „unplugged“-Vortrags völlig euphorisiert. Die mitgereisten Deutschen staunen. Und auf dem Klo pfeift einer „Wind of Change“.

Wenn auf dem Herrenklo neben Ihnen jemand „Wind of Change“ von den Scorpions pfeift, befinden Sie sich wahrscheinlich in einer ausländischen Kneipe. Nicht, weil man das Lied dort besser kennt als in Deutschland. Sondern weil es kein Problem ist, die Scorpions zu mögen und sich öffentlich dazu zu bekennen. Vielleicht muss man dieses unverkrampfte Bekenntnis einmal selbst erlebt haben, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie weit sich das Ansehen der Band in Deutschland von dem im Rest der Welt unterscheidet. Denn wer sich hierzulande, so könnte man meinen, einen Rest Coolness bewahren möchte, macht sich unter Zeugen nicht anheischig, die Scorpions zu mögen. Dass man der Band zudem den Respekt versagt, ist wohl eine typisch deutsche Eigenheit. Als Klaus Meine und Rudolf Schenker, beide 61, am Wochenende ankündigten, nach der Welttournee die Band aufzu­lösen, hagelte es in Internetforen hierzulande kübelweise Häme und fast feindselige Abneigung: „Wurd’ auch Zeit!“, „Endlich!“, „Qualitativ schlechteste deutsche Rentnerkapelle!“ heißt es da. Um zu spotten, scheint man die „Retortenband aus Isernhagen“ mit dem „feinen Herrn Meinke“ nicht mal halbwegs kennen zu müssen. Und einer fragt: „Respekt wofür?“

Auf amerikanischen, französischen oder spanischen Seiten hört sich das anders an. „Caramba!!! Scorpions anuncia o fim da banda!!!! Lamentável!!!“ Oder „A sad Day in Zagreb!“ oder einfach nur „Thank you Scorpions!“ Und Scorpions-Fan Simon warnt auf Französisch „sensible Seelen“, die Rücktrittsmeldung doch besser nicht zu lesen.

Dieser Dissenz begleitet die Band seit Langem. Während die Scorpions fast pausenlos im Ausland auf der Bühne stehen und in vielen Ländern uneingeschränkten Rockstarstatus genießen, war die letzte echte Deutschland-Tournee im vergangenen Jahrtausend. In ihrer Heimatstadt spielten sie zuletzt während der Expo mit den Berliner Philharmonikern sowie auf dem Plaza-Festival 2001 und zwei Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an der Waterloosäule.

Dabei hat der schwere Stand der Wedemärker in ihrem Heimatland gar nicht so viel mit ihrer Musik zu tun, auch wenn der Poserhardrock, wie sie ihn nach wie vor spielen, in Ländern wie Japan und Russland oder in Südamerika einen höheren Stellenwert hat als hier.

Es geht mehr um das Auftreten der Musiker, bei denen alle alten Rocker­klischees eine Heimstatt gefunden haben und von den Herren nach wie vor sorgsam gepflegt werden. Rücken an Rücken auf der Bühne Gitarre spielen, BH-große Sonnenbrillen in geschlossenen Räumen tragen, Sieges-V und Daumen hoch bei Bandfotos, Parolen, die mit „Long live“ beginnen und mit „never dies“ enden – macht man eigentlich alles nicht mehr, spätestens seit die Grungewelle die Föhnwelle Anfang der Neunziger ersetzte, und allerspätestens seit der Film „Spinal Tap“ das Problem alternder Rockstars wunderbar auf die Schippe nahm.

Wer cool sein wollte, wechselte in eine der vielen Metal-Nischen oder er wechselte das Image. Das Scorpions-Image veränderte sich mit „Wind of Change“: sie sangen Radioballaden, pflegten die Nähe zu Polit- und Wirtschaftsprominenz, pflegten auf der Bühne aber weiter eine Rockerattitüde, wie es ein Comic nicht besser hätte tun können. Und hätten sie nur einen Moment angedeutet, mit den eigenen Klischees zu spielen und sich selbst nicht so ernst zu nehmen, hätten sie auch in Deutschland zum Kult werden können – wie es beispielsweise die Maskenrocker von Kiss in den USA sind. So bleibt für die – auch das noch! – Hannoveraner viel Spott, zwar nur in einem Land, aber eben im eigenen. Vielleicht ist die abschließende Reise durch deutsche Hallen auch eine späte Versöhnung der Scorpions mit ihrem Heimatland. Das wäre doch ein schönes Abschiedsgeschenk: Respekt!

Hannover, TUI Arena: 1. Juni, 20 Uhr.

[Uwe Janssen]

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  • Susi Hoschen – 26.01.10
    Danke Susi, besser kann man es nicht audrücken. Stadien füllen sie sowieso nur am Ende der Welt.
  • Scorpions Andreas Hannover – 26.01.10
    Blablabla!Um was gehts bei den Scorps eigentlich?Um gute Rockmusik!Und das können sie nun mal besser,als viele andere Bands.Es ist schade,daß wir nach den Furys nun die nächste klasse Band verlieren :-(
    Rock`n`Roll
  • Scorpions Susi – 26.01.10
    Gratuliere zu diesem Artikel.
    Er trifft's ziemlich genau.
    Besonders der letzte Absatz bringt es auf den Punkt.
    Opa Meine hängt einerseits gern den Superrocker raus, verpasst anderseits aber keine Gelegenheit sich mit sogenannten Politik- und
    Wirtschaftsgrößen möglichst oft medial zu präsentieren.
    Die Grenze der Lächerlichkeit oft und weit übersteigend hat Opa Meine exakt das erreicht, was er wahrscheinlich gar nicht wollte (Unterstellung von mir) - Lachnummer ohne Ende.

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