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Überzeugte trotz Unsicherheiten in Hannover: Lena Meyer-Landrut© Wilde

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Konzert

9000 feiern Lena in Hannover - hier Fotos

Live zuhause. Lena bestritt am Donnerstagabend vor 9000 Fans in Hannover das zweite Konzert ihrer Tour. Ihr Heimspiel überzeugte das Publikum trotz Unsicherheiten.

Hannover. Vorweg gibts Kleinstadthelden, die sind ja auch Stefan-Raab-geprüft (Platz 11 beim Bundesvision-Song Contest 2010) aber sie passen zu Lena erstmal so Auweia wie Po auf Turmspitze. Indierock mit dezentem Punk-Einschlag – drei, vier, ab dafür. Ein bisschen Stimmung“ wollen die Jungs reinbringen, ganz bescheiden und natürlich nur für Lena, die Leute sollen sich bei ihnen „die Handflächen warmklatschen“. Applaus dafür vom Großstadtpublikum.

„Lena! Lena!“-Chöre. 9000 Fans haben sich in ihrer alten Heimat eingefunden, das ist Tour-Rekord. Von der allseits vermeldeten „umgeschlagenen Stimmung“ ist hier keine Spur. In der TUI-Arena sitzen keine finsteren Lokalpatrioten, die den Umzug nach Köln nicht verzeihen mögen. Sondern Fans. Viel Kinder sind zu sehen und die zugehörigen Erziehungsberechtigten. Als die Tücher fallen, werden sie eines gewaltigen Show-Apparats ansichtig: Keyboards und Drums thronen auf riesigen Törtchenformen, fünf Video-Stelen ragen hinter der Band auf, sieben Lichtscheiben schweben unterm Hallendach, sehen aus wie Weltraum-Gefährte aus Han Solos Garage. Schon „Wow!“, mit was man Lena so einrahmt.

Kinder hocken auf Väterschultern, sichtlich Erstkonzertler, recken Hälse, Plakate der Lena-Liebe werden hochgehalten, Augen glänzen. Ungeduld, oh schöne Ungeduld. Und: Kreischen, als das Saallicht verlöscht, die Musik einsetzt. „Not following you“ startet die Show, ein hibbeliger Offbeat à la Jonathan Richmans „Egyptian Reggae“. Und dann ist sie da – Lena! Der Lichtkegel braucht eine Sekunde, sie einzufangen. „You can‘t stop me“ singt die Bildhübsche, das klingt (Musik) wie ein frühes Soul-Stück aus den Hitfabriken von Motown, und das klingt auch (Text) wie ein persönliches Credo. „Love me!“ ist dann gleich nochmal Motown. Und eine Aufforderung. Und, ja, die alte Heimat bringt ihr viel Liebe entgegen.

Gelackte Popstar-Ansagen gibts keine, auch der schon mal Teenie-schnippische Wortwitz der TV-Lena scheint einer Überwältigung durch die Live-Kulisse gewichen. Als Frontfrau ohne die Schule kleiner Klubs gleich vor Tausenden aufzutreten, würde wohl jedem das Mütchen kühlen. Sehr viel mehr als „Dankeschön. Danke. Dankeschön“, „Toll“ und „Geht‘s euch gut?“ fällt Lena jedenfalls nicht ein. Manchmal sind ihre Augen auf den Screens feucht, manchmal beben ihre Worte und flattern, manchmal hält sie sich an ihren Haaren fest und manchmal holt sie Fans auf die Bühne, setzt sie auf ein Sofa und lässt sie mitklatschen.
Aber diese Unsicherheiten haben ihren Reiz. Nervös ist natürlich, Natürlichkeit ist Lenas Image. In Nikes, Jeans, Tank-Top steht sie im Lichtspot. Schlicht. Den nötigen Glamour setzen der groovende Partysound der Band aus Stefan Raabs Brainpool-Familie dagegen und das gewaltige Theater aus Licht.

Lenas Stimme kommt auch im Konzert erstaunlich gut rüber – in jenem gespreizten Englisch, das immer nach Snob und Göre zugleich klingt, das zwischendurch gern für einige Worte zum Sprechen gerinnt, bevor es wieder lustvoll losschlittert. Bei „Mr. Curiosity“ gibts graue Handylichter, bunte Leuchtstäbe und auch das ein oder andere echte Feuerzeugflämmchen. „Taken by a Stranger“ beginnt sphärisch wie die Ouvertüre einer alten Weltraumoper von Pink Floyd, bevor der Elektropop-Beat loszischt und die Tänzerinnen in hautengen Glitzerpellen wie Udo Lindenbergs alte Galaxo Gang über die Bühne gleiten. „Satellite“ dann, Jubel, Fanchöre: DAS Lena-Lied, das sich auch als eins über Star und Fans lesen liesse: „Can‘t go a minute without your love ...“

Schon Ironie der Fernsehgeschichte: Da sucht der Bohlen jahrelang den Superstar, dann findet ihn der Raab, baut ihn auf, vergeigt das Live-Timing und verfällt parallel in Großhallen-Größenwahn, so dass am Ende dieser (zwischenzeitlich wohl auch darüber entnervte) Star nach außen wie „Germanys biggest Ladenhüter“ wirkt. Dass aber, wie viele unken, für Lena am 14. Mai mit einem durchaus erreichbaren Top-Ten-Platz beim Düsseldorfer Grand Prix die Karriere vorbei ist, steht nach diesem Konzert nicht zu erwarten.

Zweimal wird sie zu Zugaben auf die Bühne zurückgerufen. Bei „New Shoes“ tanzt sie wild und befreit auf, beim balladesken „I like you“ kniet sie vorm Publikum und formt mit ihren Händen ein Herz. Sie lächelt, hat Tränen in den Augen, sie dankt und dankt und – klonk! – Stein fällt von Herz. Lena hats bewiesen, sie lebt ihren Traum auch live. Und gegen Tourende wird sie das Monster Konzert in sich besiegt haben und zwischen den Songs lockerer sein.
Jedoch wird auch im unwahrscheinlichen Falle eines weiteren Grand-Prix-Siegs von einer dritten Teilnahme dringend abgeraten. Und, pst!, Stefan, nimm die Dollarzeichen aus dem Auge: Es gibt auch ganz tolle, kleinere Säle.


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