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12.03.2016, TUI Arena, Hannover, Schlagernacht des Jahres 2016, im Bild Vanessa Mai

Begeisterte die Fans: Vanessa Mai bei der großen Schlagernacht.© Sielski

Konzert

8500 Fans bei Hannovers Schlagernacht

8500 Fans waren am Sonnabend bei Hannovers großer Schlagernacht.

Hannover. Andy Borg bringt es auf den Punkt: „Ich bin ein Schlager-Fuzzi“ bekennt er offen im Gespräch mit der „Schlagernacht des Jahres“-Moderatorin Kerstin Werner. Und: „Man kann mir die Sendung wegnehmen, aber nicht meine Fans!“ Ja, dafür gibt es viel Beifall von den gut 8500 Schlager-Freunden in der TUI-Arena. Denn sie sind alle eine große Familie, und was mit dem Andy und seinem „Musikantenstadl“ passiert ist, das ist feinstes „Die da oben gegen wir hier unten“-Unrecht, die ARD vs. das Schlager-Volk.

„Die Schlagernacht des Jahres“ kommt auf Touren, und es scheint, als habe der Schlager sein Respekts- und Nachwuchsproblem in den Griff bekommen. „Adios Amor“ schwoft Borg von der Bühne herunter, die Fans wedeln mit selbstgemalten „Liebe“-Schildern und blinkenden Leuchtstäbchen zurück.

Was folgt, ist ein Wer-ist-wer der aktuellen Schlagerszene: alte Hasen und junge Hüpfer. Wie Vanessa Mai. Aktuell kann man sie an Dieter Bohlens Seite bewundern, „Deutschland sucht den Superstar“ baut auf ihre Unterstützung. Und da die Wege kurz sind beim Casting-Spektakel, hat sie sogleich einen Pakt mit dem selbsternannten Poptitan besiegelt, er wird ihr kommendes Album produzieren. Flott sieht sie aus, im modernen Jogger schüttelt sie ihre Mähne.

Techno- oder Elektro-Schlager könnte man ihre Klänge nennen, es hat sich viel geändert seit Helene Fischers „Atemlos“. „Four on the Floor“ heißt jetzt das Erfolgsrezept, die Takte werden kräftig durchgetreten, der Schlager hat sich vom ungefährlichen „Hei-ti-tei“ zum sexy Disco-Rumms gemausert. Es ist eben 2016.

„Manchmal möchte ich schon mit Dir“, wer das nicht kennt, der hat gepennt. Roland Kaiser ruft „Joana“, die Fans antworten mit „Geboren um Liebe zu geben“. Und Kaiser ist heute der König. Mit einem gebeugten Rücken, als ob er die Last der vergangenen Jahre noch nicht ganz abschütteln konnte und im feinen Zwirn, ist er der Elder Statesman der Szene, die Sympathien gehören ihm. Professionell und freundlich stellt er seine Mitmusiker vor. Das macht heute Abend kaum einer.

Höhepunkt der Nacht ist das Gastspiel von Howard Carpendale. Er springt für Andrea Berg ein, die krankheitsbedingt passen musste. „Ti Amo“, „Das schöne Mädchen von Seite 1“ und natürlich „Tür an Tür mit Alice“ entschädigen. Gut, dass Howie Zeit hatte. „Jenseits von Eden“ und „Ich sterbe nicht nochmal“ sind seine bekanntesten Lieder - Nino de Angelo ist ergraut und trägt einen Bart. Trotzdem, den ewigen Schwiegersohn wird er nicht mehr los. Dafür sind seine Augen zu groß, ist die Miene zu kindlich. Fast mehr Künstler, als man aufzählen könnte: Fantasy, Christin Stark, GG Anderson und Nicole sind zum Beispiel auch noch da.

Die Posen stimmen, die meisten Protagonisten haben gerade mal einen Backgroundsänger an ihrer Seite, die Musik kommt vom Band. Zum Teil auch der Gesang. Das ist für die Szene nicht wirklich ungewöhnlich, spaltet aber die Akteure in die, die klingen wie auf Platte, und die, die auch mal einen Ton nicht treffen.

Michelle und Beatrice Egli gehören zu den Letzteren. Michelle in knappen, schwarzen Leggins, Beatrice markiert das Jeans-Girl. Beide sind Feuer und Flamme und kaum zu stoppen, es macht ihnen sichtlich viel Spaß. Besonders Beatrice’ Aufforderung zum Tanz auf Schwyzerdütsch ist ein Genuss. Ihr DSDS-Finalgewinn 2013 hat sich bezahlt gemacht - schön, dass die Szene keine Grenzen kennt.

Mit Matthias Reim endet der liebevolle Schlagerabend. Wir resümieren: Der Schlager lebt, und er riecht nicht einmal komisch. Sondern sogar richtig lecker!

Kai Schiering


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