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Auftritt in der TUI-Arena in Hannover: Whitney Houston© Behrens

Konzert

5500 bei Whitney Houston in der TUI-Arena

Einst ein Superstar. Whitney Houston, Soul-Lichtgestalt früherer Zeiten, machte am Sonntagabend in der TUI-Arena vor 5500 Fans keine gute Figur.

Aller Augen sind auf den Star gerichtet, für gewöhnlich sind das erwartungsfrohe Blicke, heute sind sie bang und sorgenvoll. Whitney Houston steht bevor. Noch während das Vorprogramm lief, befürchtete man eine Absage in letzter Sekunde. Die Nachrichten aus Neuseeland, aus London, Zürich und zuletzt Berlin, waren nicht gut.

Das hübscheste Soulmädchen der Welt war Whitney mal, proper ist sie geworden in den wenigen Wochen seit ihrem „Wetten, dass...?“-Auftritt. Die steilste Stimme der Welt hatte sie auch mal. Was davon übrig ist? Punkt 21 Uhr steht die 46-Jährige im Lederoutfit auf der Bühne, serviert erst einmal neue Songs wie „For the Lovers“ über die Bühnenrampe. „It‘s been a long crazy week ...“ singt sie. Hier gibt es keine extremen Herausforderungen für die Stimme, die anders klingt als früher, rauer, beinahe heiser, kratzig. Acht Minuten singt sie, dann ist erstmal acht Minuten Schonung für die Stimme, endlos nette Worte, freundlich plaudert sie sich durch, dann eine Schminkpause.

In „I look to You“ singt Whitney dann davon, dass Puste und Kraft weg seien, die Sonne verdunkelt. Und irgendwie passen diese Zeilen des Leids zu dem, was folgt.

Whitney schwitzt schnell. Whitney schnauft schwer. Oft hält sie das Mikro zur Seite, hüstelt, lacht fahrig und unmotiviert. Was mit ihr los ist, darüber kann man nur mutmaßen. Sie presst Worte aus, sie stemmt sich in die Textzeilen. Sie hat zuweilen Probleme, die rechte Melodie zu finden, untersingt, sucht neue Wege für die alten Songs.

Und sie schreit an Stellen, wo sonst ihre Stimme erblühte, schnörkelte, modulierte. Immer wieder gerät sie beim Bühnenrandschlendern zwischen den Liedern ins Plaudern überGott und die Popstars, die sie kennt und kannte, dankt Jacko, dankt ihren Fans, signiert ein Poster, versichert sie ihrer Liebe. Frohgemut wirkt sie dabei, aber den Blick immer gesenkt, aber die Dauer dieser Zwischenreden mutet an, als habe sie Furcht vor dem, was unweigerlich kommen muss – dem nächsten Song. „My Love is Your Love“ ist okay, aber die Hämmer stehen hier wirklich noch ins Haus. Schließlich – niemand von den 5500 will gehen, ohne die „Greatest Love of all“.

Whitney hat Umkleidepausen. Whitney ist einmal zwölf Minuten von der Bühne verschwunden, ihr Bruder Gary singt, Tänzer tanzen. Die Band spielt auf hohem Niveau, aber eher mit dem Gleichmut für redliches Handwerk Entlohnter. Whitney, komm zurück!

Sie singe ihre Songs nunmal wie sie jetzt will, sagt sie. Ansonsten solle man doch auf ihre alten Platten zurückgreifen. Naja. Wann immer sie aufsteigen muss zu den höchsten Tönen, geht nichts mehr, übernehmen die Kolleginnen vom Background. Klar, auch bei Rod Stewart undPhil Collins sind die Begleitmikrofonisten längst zu Helferlein bei den oberen Registern geworden.

Aber bei Whitney erwartet man einfach, dass sie ihre 8000er-Gipfel des Gesangs einfach allein erklimmt – vor allem die „you-hou-houuu“-Spitze in „I will always love you“, dem traurigen Lied über das Weggehen aus Liebe. Das war ihr Markenzeichen, vor Mariah Carey jubilierte nur sie in solchen Höhen. Aber es klappt nicht, lange Töne kann sie schwer oder überhaupt nicht mehr halten. Der Song stürzt ab. Und man leidet mit, wie sie pausiert, die Band und ihre Voiceguards machen lässt. Wie sie sich wohl fühlt jetzt?

Und ob Whitney noch mal zurückkehren wird? „How will I know?“ singt sie tapfer einen ihrer Partyfetzer in die Saalnacht. Und tapfer tanzen die Bleibenden.

(Matthias Halbig, Gunnar Gerold)


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