Clueso in der AWD-Hall.
VON KAI SCHIERING
HANNOVER. Thomas Hübner ist Clueso, 31 Jahre alt, kommt aus Erfurt und hat mal eben auf seiner „Clueso & Band Tour 2011“ die hannoversche AWD-Hall gefüllt. Und darin drängeln sich am Mittwochabend gut 5000 Fans des Thüringer Sängers, Rappers und Songwriters.
Clueso ist ein deutsches Phänomen, vielleicht sogar ein ostdeutsches. Ein Star aus der thüringischen Provinz. Schon früh, mit 18 Jahren, hat er seinen ersten Plattenvertrag unterschrieben. Mittlerweile ist er bei dem von den Fantastischen Vier gegründeten Label „Four Music“ angekommen, sein aktuelles Album „An und für sich“ belegte Platz zwei der deutschen CD-Charts. Bei Grönemeyer hat er live im Vorprogramm gespielt, mit Lindenberg auf dessen MTV-Unplugged-Album Udos Lied „Cello“ gesungen.
Clueso ist ein Mann für gewisse Kunden: Während sich in der AWD-Hall ganz vorn die aufgeregten, rotwangigen Teenager schon beinahe stapeln, feiern weiter hinten in der Sporthalle die etwas älteren Musikfans. Ein Xavier Naidoo ist er nicht. Sein Sprechgesang ist das Gegenteil von Soul. Die Silben reiht er aneinander, selbstgefällig und schnutig, ein wenig arrogant. Hochnäsig, könnte man denken, aber das muss sein, will man sich abgrenzen, von einer Erwachsenen-Gesellschaft spröde und spießig, von den Floskeln der Eltern, der anderen. Seine Texte, wie etwa „Zu schnell vorbei“ zeugen von viel gehörtem deutschen Hip-Hop.
Seine sechsköpfige Band hämmert mal jugendlich und schrengelt auf ihren Instrumenten wie eine frische Schüler-Kombo („Out of Space“) und ist dann wieder abgehangen und „laid back“, wie in „Mitnehm“. Ein guter, „weißer“ Groove zieht sich wie ein Faden durch Cluesos Programm, bei „Keinen Zentimeter“ schlägt er die Akustik-Gitarre, die Orgel zittert im Hintergrund. Clueso, das ist feine und sensible Pop-Musik ohne Welt- oder Ego-Schmerz. Aber mit viel Kraft und Schönheit zwischen den Zeilen. Viel Beifall und Gesang schallen aus dem Parkett, das Publikum gibt die Leidenschaft an Clueso zurück.
Bewertung: 4/5