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Kultur 30 Jahre Eisfabrik in Hannover
Nachrichten Kultur 30 Jahre Eisfabrik in Hannover
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16:50 04.02.2018
Mit Hut: Wolfgang A.Piontek setzt auf die Kraft der Bewegung. Quelle: Foto: Heusel
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Hannover

Wo früher Eisblöcke gelagert wurden und nach der Zerstörung durch die Bombenangriffe während des zweiten Weltkriegs pechschwarzer Ruß von den Wänden rieselte, dort ereignet sich seit 30 Jahren Tanztheater statt.

Wolfgang A. Piontek und Michael Habelitz heißen die beiden Künstler, denen die Entstehung des Kunst-Domizils im Schwarzen Saal der ehemaligen Eisfabrik in der Südstadt zu verdanken ist.

1982 gründeten die beiden die Tanztheater- und Performance-Gruppe „Commedia Futura“. Fünf Jahre zog die Gruppe später in die Eisfabrik. Dort bauten Piontek und Habelitz den ehemaligen Kühlkeller der Fabrik für ihre Kunst um. Es entstand der Schwarze Saal, der am 3. März 1988 mit einer Performance von Ursula Wagner eröffnet wurde.

„Ich weiß noch, wie wir damals den Ruß von den Wänden gekratzt und Lichtanlage und Tribüne eingebaut haben“, erinnert sich Wolfgang A. Piontek, Regisseur und künstlerischer Leiter der „Commedia Futura“. „Dann haben wir nochmal das Warmluftgebläse angeschaltet und es fing an, schwarz zu schneien und wir mussten den ganzen Raum mit Zahnbürsten putzen“, ergänzt er.

Im Lauf der Jahre wurde der Schwarze Saal zur Keimzelle des Tanztheaters, wo fortan auch Gastspiele stattfanden. „Wir haben über die Jahre ein großes Netzwerk aufgebaut. Dadurch war es möglich, gute und renommierte Gruppen preiswert zu bekommen“, so Piontek.

Die Künstler kommen von allen Kontinenten und schätzen das Ambieten und die Leute: „Die Eisfabrik ist niedersachsenweit der einzige Ort für Tanz, Tanztheater und Performance. Wir haben dieses Alleinstellungsmerkmal. Der Schwarze Saal hat einfach eine gute Resonanz, eine einzigartige Atmosphäre und ist etwas Besonderes“, schwärmt Piontek.

Auch bei der diesjährigen „TanzOFFensive“ wird die Besucher wieder „unglaubliches, sensationelles, ungewöhnliches und tolles Tanztheater“ erwarten, verrät er. „Wir haben ganz lange gekramt und Künstler geholt, die schon vor Jahren hier waren“, erzählt er.

Dazu gehören insbesondere Ferenc Fehér aus Budapest, der in der ungarischen Tanzszene den Ruf des jungen Wilden hat und Jan Jedenak („Dekoltas Handwerk“) aus Deutschland ebenso wie Mauro Morales, die das Festprogramm mit „Exceso de la nada“ („Überfluss des Nichts“) eröffnete.

Wie Körperlichkeit im Sinne von Tanz funktioniert, zeigte Maura Morales in ihrem Solo-Tanzstück, in dem sie sich mit ihrer kubanischen Heimat auseinandersetzt. „Mein Kopf hat viele Dinge schon vergessen, aber mein Körper erinnert sich an alles“, schien sie in Embryostellung auf dem Schaukelstuhl wippend sagen zu wollen. Im Hintergrund hörte man die aufgeregten Straßenklänge Kubas, hupende Autos und lautes Gemurmel.

Maura Morales verrenkte und verbog ihren Körper auf der Bühne und tanzte sich frei von den Weiten des Meeres, die sie auf Kuba gefangen hielten – und frei von Erinnerungen, beispielsweise wie es war, mit zehn Jahren eine Kalaschnikow in der Hand zu halten.

Ihre Muskeln zuckten im Takt ihrer kontrollierten Bewegungen, mit denen die zierliche Tänzerin den Schwarzen Saal ausfüllte, bis sie am Ende ihrer Darbietung unter dem Schaukelstuhl kauernd Zuflucht suchte.

„Wir haben alle Stücke, die Maura je gemacht hat, hier gezeigt und sie hat einfach eine unheimlich große Strahlkraft und Bekanntheit“, sagt Piontek. Momente wie diese bestätigen ihm immer wieder, dass sich das Rußkratzen damals in jeder Hinsicht gelohnt hat: „Ich musste das machen und ich musste es genau an diesem Ort machen. Und jetzt sind 30 Jahre vorbei.“

Von Lara Sagen

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