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Trommelwirbel

"2Takter" geben den Ton an

Sie nennen sich "2 Takter": Leo Feisthauer (16) und Julian Pahlke (17) aus Hannover machen Musik auf ausgedienten Ölfässern – ein Rhythmus, bei dem man "mit muss". Laura Zacharias (Text) und Patrice Kunte (Fotoshow) haben die beiden begleitet.

Geben den Ton an: Julian Pahlke und Leo Feisthauer sind die Gruppe "2Takter".

© Kunte

VON LAURA ZACHARIAS (Text) UND PATRICE KUNTE (Fotoshow)

Leere Benzinkanister stehen auf der Bühne, bunte Ölfässer, Bleche, alte Autofelgen, eine blaue Plastiktonne und sogar eine Leiter. Nein, bevor Leo Feisthauer (16) und Julian Pahlke (17) die Bühne betreten, weiß eigentlich keiner der Zuschauer so recht, was ihn da gleich erwartet. Es wird getuschelt und gekichert. Zugegeben, es ist auch ein etwas ungewöhnliches Equipment für eine Musikveranstaltung, das da auf der Bühne steht. „Kommen jetzt die Bauarbeiter?“, flüstert eine junge Frau im Publikum ihrer Sitznachbarin zu.

Doch dann stürmen die „2Takter“ herein. Zwei Holzstäbe in der Hand, zwei Schläge vorgezählt und losgetrommelt. Zuerst auf der blauen Plastiktonne, die klingt wie eine afrikanische Buschtrommel. Leo macht den Beat auf den Ölfässern, Julian schlägt dazwischen Synkopen auf den Felgen. In einem Wahnsinnstempo trommeln die beiden auf ihrem riesigen Improvisations-Schlagzeug herum, erzeugen eine Lautstärke, die jedes Staubkorn des Raumes zum Beben bringt.

Julian springt auf die Bleche, während Leo auf den Sprossen der Leiter hämmert. Zwanzig Minuten lang geben die beiden vollen Körpereinsatz, ohne dabei auch nur eine Sekunde aus dem Takt zu kommen. Das Publikum ist außer sich, jubelt, nickt und klatscht begeistert mit. Der Rhythmus der Zweitakter hat eine unbeschreibliche Kraft, die bei jedem Zuschauer sofort ins Blut überzugehen scheint.

Angefangen haben die beiden Schlagzeuger damit vor rund vier Jahren: „Wir wollten beide einfach mal was Neues ausprobieren“, erzählt Leo. So hätten sie sich eines Tages ganz spontan drei kleine Ölfässer von der Tankstelle besorgt. „Damit haben wir ein bisschen in der Garage geübt und sind dann mal in der Schule aufgetreten“, meint Julian. Nach und nach holten die beiden sich immer neue „Instrumente“, probten neue Rhythmen, um den zahlreichen Anfragen für Auftritte gerecht zu werden. Trotzdem: Unsere ältesten Ölfässer sind immer noch dabei“, gibt Julian lachend zu. „Auch wen sie schon total zerbeult sind, von denen trennen wir uns nie!“






















Auf der Bühne improvisieren die beiden zum größten Teil. „Bei unserer Musik kann man auch gar nicht einzelne Takte aufschreiben“, erklärt Leo. Geprobt wird deshalb auch nicht ganz so oft, wie der beeindruckte Zuschauer vielleicht vermuten mag. „Wir treffen uns ungefähr drei Mal die Woche für vier, fünf Stunden in meiner Garage“, so Leo. „Da entwickeln wir dann neue Stücke, probieren aus, planen unsere Shows“. Dabei wird es allerdings meist ganz schön laut: „So wie bei einer startenden Boeing“, glaubt Julian. Was die Nachbarn dazu sagen? „Die haben sich noch nie beschwert. Manchmal kommen die sogar zum Zuhören ans Garagentor.“

Inzwischen sind die beiden Schüler fast jedes Wochenende als „2Takter“ in Hannover und Region unterwegs, performen bei Hochzeiten, Geburtstagen oder auf Straßenfesten. Auch im hannoverschen Opernhaus sind sie schon aufgetreten. Da müssen die beiden in Sachen Schule schon manches Mal ein wenig kürzer treten. „Unsere Lehrer sind da aber sehr tolerant“, meint Leo grinsend und rückt seine Brille zurecht.

@ Am Sonntag sind „2Takter“ bei der „Fête de la Musique“ dabei, um 15.40 Uhr wird in der Osterstraße auf die Bleche gehauen. „Genau da gehören wir hin“, erklärt Julian. „Denn schließlich kommen unsere Instrumente von der Straße. So hat unser Auftritt gleich den richtigen Style!“


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