Navigation:

Nicht mehr ganz so sprunghaft: Bei Selig-Sänger Jan Plewka gehen die Songs vor Selbstdarstellung.© Steiner

Rock

1000 Fans feiern Selig im Capitol

Hamburger Band stellt neues Album "Von Ewigkeit zu Ewigkeit" live vor.

VON MATTHIAS HALBIG

HANNOVER: O, du, Selig! Gab eine Zeit, da warst du die heißeste Band deutscher Zunge. Aus Hamburg, aber unverkopft, nicht Schule, sondern Straße, nicht lyrische Verrätselung sondern Gefühl. Ein paar Songs nur und die Wände schwitzten, die Leute klebten aneinander, ein Fotograf, irgendwo festgeklammert, verzweifelt am Auslösen. Fans und Band ritten live den Sturm und waren am Ende in Purpurnebeln, fernen Galaxien. Selig waren Grunge und Soul und Psychedelik, eine durch und durch ernste Band mit einem Sänger von Jim-Morrison-Intensität. 90er-Helden. Dann zerstritten, aufgelöst.

O, du Fröhliche! Der zweite Anlauf macht Selig sichtlich Spaß. Im Capitol gibts viel vom neuen (guten) Album „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ zu hören. Der Stil ist wie gehabt, ein bisschen mehr Red Hot Chili Peppers sind vielleicht zu verbuchen. „5000 Meilen über dem Meer“ ist man, selbst die Byrds, Gott hab sie selig, waren nur „Eight Miles high“. Und Christian Neanders Gitarre durchmisst den Song mit viel Hall. Sehr sphärisch, sehr hippiesk!

Jan Plewkas Ansagen geraten stolprig, in manch ungüstigem Lichtwurf sieht er unjung aus, aber er kriegt immer noch echten Schmerz in einen Song. Die Show des Selig-Frontmanns ist lang nicht mehr so explosiv wie früher, er tänzelt mal wie einBoxer und wirft auch mal Beine und Arme wie ein Hampelmann, aber es geht ihm heute mehr um die Songs als um die Selbstdarstellung. Neanders schlitternde Gitarre bei „Lass sie reden“ wird bejubelt, die Chöre sind kraftvoll, bei den Zugaben gehts mit Hurra in die alten Zeiten. „Sie hat geschrien“, „Wenn ich wollte“. Hosianna! Freude im Volk. O, du rockige Weihnactszeit.

1000 Leute sind da, viel Platz für jeden, die Wände schwitzen nicht, die Digital-Fotografen haben einen netten Graben aber Trommeln und Bass treiben nach wie vor an. Es wird viel getanzt. Zwar nicht so wild wie in den 90ern, man ist ja auch älter geworden, dennoch kuschelt Plewka den 1000 Getreuen am Ende: „Wir sind Selig, wir hoffen ihr seid es auch.“ Und „Wir werden euch nicht vergessen“ sagt er auch noch. Wer‘s glaubt, ist Selig.

Bewertung: 4/5


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Klima, Handel, Krawalle - hat sich der G-20-Gipfel gelohnt?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie