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Kultur Überraschung in Bayreuth: Ratten im neuen Lohengrin
Nachrichten Kultur Überraschung in Bayreuth: Ratten im neuen Lohengrin
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14:25 28.07.2010
Begeistert die Fans: Festspiele in Bayreuth Quelle: dpa
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VON HENNING QUEREN

Da konnte man dann doch ein hörbares Entsetzen im Publikum ausmachen, als der berühmte „Brautchor“ einsetzte und unzählige Paare schwarzer und weißer Ratten bereit zur Ehe über die Bühne schritten: „Aufhören, Sauerei, Frechheit.“ Eins der Bilder, die Regiegeschichte schreiben, Lohengrin und die Ratten, und immer wird man an Hans Neuenfels denken.

Lohengrin und Ratten, macht das überhaupt Sinn? Aber sicher, wenn man die Geschichte so ästhetisch stimmig und reizvoll assoziativ wie Neuenfels erzählt. Regietheater vom Feinsten: Das Märchen vom Schwanenritter wird hier zu einer Parabel auf die geschändete Natur, die niemand mehr retten kann, auch kein Wunderheld. Ein Gleichnis auf eine Welt, die in ihrer Gesamtheit zu einem Versuchslabor geworden ist. Wie auch diese Oper: ein klinischer Reinraum für Experimente an Emotionen. Die Menschen als Ratten, an denen mächtig herumexperimentiert wird – immer wuseln irgendwelche Wissenschaftler in Seuchenschutzanzügen zwischen den singenden Probanden herum und traktieren sie mit rohrdicken Spritzen.

Die Ratten kommen in Schwarz, Weiß und Pink, sie sehen dabei richtig gut aus. Keine schlecht sitzenden Zottelfelle, die Silhouetten werden durch schnittig geschneiderte Neoprenanzüge gebildet, die Köpfe der Nager sind ein zartes Gittergeflecht (Kostüme: Reinhard von der Tannen) mit rot glühenden Augen. Ein gewisser Ach-wie-süß-Effekt ist wohl kalkuliert, ein bisschen wie bei der freundlichen Koch-Ratte aus „Ratatouille“.

Und wandlungsfähig sind die knuffigen Biester, sie tragen bisweilen, und darüber freut sich dann das üblicherweise gesittete Bayreuther Premierenpublikum mit lautem Lachen, feschen Smoking und bonbonbuntes 50er-Jahre-Cocktailkleid.

Selten ist das martialische, deutschtümelnde „Heil“-Gesinge im ersten Akt so entschärft worden, wenn da eine Unmenge Rattenmenschen in dottergelbem Frack den König feiert – der übrigens aussieht wie ein John Malkovich, der Macbeth spielt. Lohengrin in reinweißem Kostüm ist dabei eher ein cooler Macher, der das Laboratorium ohne Probleme aufmischt. Beneidenswerte Bühnenpräsenz: Ihm nimmt man den Retter ab.

Andere ebenso schöne wie bildmächtige Neuenfels-Einfälle: das Ballett der Ratten in ihren Käfigen oder eine große Glasvitrine, in deren Scheibe minutenlang der Dirigent live in Aktion und im T-Shirt sich spiegelt. In der Kampfszene fährt eine Leinwand herunter und verdoppelt das Geschehen, zu sehen ist der Kampf der Manga-Ratten, ein Trickfilm.

Weg mit aller Romantik aus dieser Wagner-Oper: Manchmal merkt man Neuenfels noch den jungen Wilden an, der der mittlerweile 69-Jährige einmal war – wenn er am Ende des ersten Akts den heiligen Schwan wie ein gerupftes Brathühnchen von Bühnenhimmel baumeln lässt. Oder ganz zum Schluss der zukünftige Herrscher als Embryo aus einem mannshohen Überraschungsei schlüpft und Teile der Nabelschnur unters Volk wirft. Das provoziert – an diesem Abend vor allem einen stürmischen Buhorkan zum Schluss, direkt auf Neuenfels abgestimmt. Aber der Jubel ist deutlich stärker.

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