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Kultur UB 40 begeisterte im Capitol in Hannover
Nachrichten Kultur UB 40 begeisterte im Capitol in Hannover
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18:53 02.12.2009
UB 40 im Capitol in Hannover. Quelle: Jana Striewe

Die Mitglieder der britischen Band UB 40 haben in 30 Jahre Bandgeschichte gelernt, dass es auch für Reggae-Pop die richtige Partytemperatur braucht. Und wenn es in ihrer Heimatstadt Birmingham oder in Hannover doch wieder nieselt und der Wind durch die dünnen Stoffhosen zieht, muss die Karibikatmosphäre eben herbeigespielt werden, auch wenn es etwas länger dauert.

Am Sonntag im Capitol braucht die Band fast eine Stunde um in Schweiß zu kommen. Fast gequält singen sie „Here I Am“ vom „Labour of Love II“-Album von 1989, präsentieren eher Raritäten zum Standschunkeln für die vielen englischen Fans unter den 700 Gästen und erinnern ein wenig an verfluchte Popstars, denen man auf magische Weise unabnehmbare Instrumente umgeschnallt hat, um auf ewig das Neil Diamond-Cover „Red Red Wine“ zu spielen. Diesen Zustand verbessert auch die Auswechslung des Sängers Alistair „Ali“ Campbell durch Duncan Campbell nicht. Der Frontmann ersetzt seit eineinhalb Jahr seinen Bruder, der aufgrund von Geldstreitigkeiten ausgestiegen war. Gesanglich kann er durchaus mithalten, doch sollte ihm jemand schonend beibringen, dass man als Sänger mitunter mehr zur Show beitragen kann, als nach jedem Song sein Mikrofon mit einem Handtuch abzuwischen. Stichwort: Begeisterung.

Wie das geht, zeigt nach einer Stunde plötzlich Drummer und Sänger Norman Hassan. Wie ein etwa 150 Kilo schwerer Wecker beendet er den Radiohintergrundabwaschkonsensreggae. Er wirbelt und tanzt ausgelassen am Bühnenrand, schwenkt die Arme, und die Musik gewinnt an Geschwindigkeit und Intensität. Die Band covert den Reggaeklassiker „Boom Shacka Lacka“, den Hopeton Lewis-Hit von 1970, und die Reggae-Party beginnt, endlich.

Im Diskokugellicht zucken die Fans immer intensiver zu den Trompeteneinsätzen, beklatschen jedes Saxophonsolo und werfen Hassan Luftküsse zu. Nun erwacht auch Bassist Earl Falconer und rappt bei „Reggae Music“ von 1994 wie bei einem Dancehall-Stück. Selbst die Sänger Duncan Campell und Astro lächeln endlich und versuchen sich in kleinen Tanzeinlagen. Die Fans kreischen, als wären sie wieder Anfang zwanzig, und UB 40 startet den ersehnten Hit-Reigen: „Higher Ground“, „Kingston Town“ und – natürlich – „Red Red Wine“ samt ungewohnter Rapeinlage. Saxophonist Brian Travers, der mit seinem Igelhaarschnitt und der dunklen Sonnenbrille ein wenig an Tom Jones erinnert, lächelt nur noch, flirtet mit dem kompletten Saal und scheint aus dem zum Gewehr umfunktionierten Saxophon nur noch Liebespfeile zu schießen, die ins Schwarze treffen.

Die mit 50 Millionen verkaufter Tonträger erfolgreichste Reggae-Band Europas hat sich warm gespielt. Und nach drei Zugaben und dem Feuerzeugfinale (ja, keine Handydisplays!) „(I Can’t Help) Falling in Love with You“ spürt man es wieder: das UB 40-Gefühl, jenes angenehme Wegdriften zu leichter, schwingender Musik, in die man sich fallen lassen kann, wie in ein großes Bett mit leichter Decke und kuscheligen Kissen. Ein warmes Bett, aus dem man nicht so schnell wieder aussteigen möchte, vor allem nicht, wenn vor der Tür des Capitols wieder Wind und Nieselregen warten. Aber zum Glück gibt es ja CD- und MP3-Player – Taschenwärmer, Reggaemomente zum Mitnehmen.

Von Jan Sedlies

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