Navigation:
Konzert

Toten Hosen: Das Gaspedal voll durchtreten

Mitsingen und Fahnen schwenken in Hannover: 11 000 Fans feiern die Toten Hosen in der ausverkauften Tui-Arena bei ihrer „Laune der Natour“ 2017

Hannover. The Adicts aus England sind eine der ältesten Punkbands der Welt. 1975 gegründet, spielen sie noch heute in Originalbesetzung. Ein Grund für die Toten Hosen sie ins Vorprogramm ihrer „Laune der Natour 2017“-Reise zu nehmen. Es ist eine etwas skurrile Namensgebung für eine Tournee, und doch das zehnte Nummer Eins-Album der Toten Hosen. Hut ab, Kultband.

Und es wird eine Vollbesohlung der Extraklasse in der ausverkauften Tui-Arena, mit Hymnen, Klassikern und Gassenhauern. Campino, Gesang und Frontmann, Kuddel an der ersten Gitarre, Andi am Bass, Breiti, zweite Gitarre, und Vom, der britische Schlagzeuger; die Düsseldorfer Punk-Rocker sind eine Fünfer-Kette par excellence und werden mit ohrenbetäubendem Lärm empfangen.

Nach einem Comic-Einspieler mit viel Speed und Sportwagen, geht es mit „Urknall“ gleich in die Vollen. Die Pogo-Helden vom Rhein „sind bereit, das Gaspedal wieder voll durchzutreten“, versprach Karacho-Campi vor Tourneebeginn. Und genau das machen sie hier. „Bis zum bitteren Ende“-Banner werden jetzt gehievt, die weißen Scheinwerfer blenden, da krachen die Gitarren los.

Das Energieniveau ist hoch, die Stimmung ist besonders bei den Stadionhymnen wie „Steh auf, wenn du am Boden bist“ mehr als ausgelassen. Hardcore-Fans schwenken Fahnen, dazu lärmt Gesang aus 11 000 Kehlen. Alle Konzerte in diesem Jahr sind selbstverständlich ausverkauft. Schon in der Stadtbahn haben die Fans mit Bier gefeiert.

Anfang 1982 hatte die Punkband ihren ersten offiziellen Auftritt. Der Rest ist Erfolgsgeschichte, ging es doch stetig aufwärts für sie. Die Herren um Andreas Frege alias Campino haben alle Generationen an Fans am Start. Wie sie selbst, die über 50-jährigen, bis hinunter zu den Kindern. Es wird gejohlt und getanzt, im Innenraum geht es gut ab –  „Hey ho, let’s go!“.

Campino gibt die Kommandos, rennt über die Bühne, brüllt ins Mikrofon und wirft Bierdosen in die Menge. Die Hosen rocken wie zu ihren wildesten Zeiten, nur noch größer sind sie geworden und tragen Hemden. Doch Campino geht immer noch dahin, wo es weh tut, ein Schlacks mit drahtigem Oberkörper und verstrubbelten Haaren. Aber hallo!

Positive Schlachtgesänge, sie erwarten von Deutschland mehr als das Scheitern der Jamaika-Koalition. Das Publikum tobt zu „Unter den Wolken“ und „Auswärtsspiel“, feiert Gemeinschaftsgefühle. Die Bühnenshow ist effektvoll, es flackert signalrot. Und es geht Schlag auf Schlag: „Wünsch dir was“, „Laune der Natur“, „Bonnie & Clyde“; in der Tui-Arena klebt schon bald der Boden, es riecht nach Schweiß und schmeckt nach guter Laune. „Wannsee“ ist hier und heute die neue Mitgröhl-Hymne.

Den „Hosen“, wie sie liebevoll genannt werden, ist echte Fannähe wichtig. Und so reizen sie ihre Anhänger mit lauten Gitarren-Soli, sind dynamisch und stark. Und natürlich „Hier kommt Alex“, der erste Riesenhit von 1988. Und dann „Eisgekühlten Bommerlunder“, der Aufreger.

„Das sind Abende wie diese, für die „Tage wie diese“ geschrieben wurde!“, ruft Campino in die Halle. Mit ihrem Nummer-Eins-Hit und dem Fußball-Evergreen „You’ll never walk alone“, nach gut 30 Songs und zweieinhalb Stunden Show mit abschließendem Konfettiregen, lassen sie kurz vor Mitternacht nur glückliche Fans zurück. Und aus den Boxen erklingt noch das berührende „Kein Grund zur Traurigkeit“, ein Song, den der im Vorjahr verstorbene ehemalige Schlagzeuger Wolfgang „Wölli“ Rohde gesungen hat. You’ll never walk alone! 

von Kai Schiering


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Martin Schulz kritisiert die aggressive Rhetorik der CDU. Sollte in der Politik ein anderer Umgang herrschen?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie