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Kultur Top-Satire in der Orangerie
Nachrichten Kultur Top-Satire in der Orangerie
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12:12 20.09.2010
Reiner Kröhnert.
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VON CHRISTIAN SEIBT

HANNOVER. Ja, „Reden ist Silber, Vertuschen ist Gold“, Reiner Kröhnert spricht sein großes Wort gelassen aus, es geht um den Umgang der katholischen Kirche mit dem Missbrauch. In seinem neuen Programm ist der 52jährige Rheinland-Pfälzer Papst, Scheitelkäppchen auf dem Kopf und beschwichtigend den Holocaust-Leugner Richard Williamson in Schutz nehmend: „In seiner unermesslichen Menschenliebe sieht er jeden als unschuldiges Kind.“ Beifälliges Gelächter in der Orangerie.

Hannovers Kabarett-Festival, veranstaltet vom Tak, ist wieder da. 2009 fiel es aus, bei der vierten Ausgabe macht vor gut 300 Zuschauern Personenimitationsperfektionist Reiner Kröhnert den Auftakt. In „Das Jesus-Comeback oder Sind wir noch Papst?“ lässt er Schauspielerlegende Klaus Kinski als Messias reinkarnieren, den die CDU als Ehrenvorsitzenden vereinnahmen will. Doch Jesus-Kinski wettert gegen all jene, die mit gespaltener Zunge reden. Meisterlich und komisch schlüpft Kröhnert in Rollen, wie Angela Merkel und Talkmaster Michel Friedmann; sehr witzig auch sein Peter Hinze und Ronald Profalla im Untertänigst-sein-Wettstreit. Stimme, Sprachduktus, Mimik, Gestik und Körpersprache sind klasse, nicht nachgeahmt, sondern typisiert überzogen.

Ensemble-Kabarett hat es derzeit schwer, doch das Festival ist für Tak-Leiter Horst Janzen gute Gelegenheit, mit dem Düsseldorfer Kom(m)ödchen ein Top-Team zu präsentieren. Maike Kühl, Heiko Seidel und der Fernseh-bekannte Christian Ehring toben sich in „Sushi. Ein Requiem“ durch eine wilde Story, die gut 300 Zuschauer begeisterte. Christian (Ehring) erhält eine Morddrohung, die er den Bewohnern seiner skurrilen Hausgemeinschaft (Kühl & Seidel in wechselnden Rollen) zeigt. Als da sind sein schwuler, sächselnder Manager Sandro, die karrieregeile Investmentbänkerin Sarah, der reich gewordene, nun sinnsuchende Elmar sowie die total übermüdete Assistenzärztin Birthe mit ihrem Softie-Ehemann Hajo.

Bankenkrise, Familiendynamik, Egoismus und Islam-Angst, sehr witzig und pointiert präsentiert und mit Liedern garniert, von „Wir gründen einen Karnevalsverein in Teheran“ bis zum Fado-Gesang „Melancholie der Mittelschicht“. Klasse Vorstellung.

Georg Schramm ist ausverkauft; Karten gibts für den 24.9., Jochen Busse und Henning Venske, und 25.9., Django Asül.

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