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Mehr Energie: Das Nederlands Dans Theater begeisterte beim Movimentos-Festival in der Autostadt.

Mehr Energie: Das Nederlands Dans Theater begeisterte beim Movimentos-Festival in der Autostadt.
© Handout

Movimentos

Toller Tanz in der Autostadt

Die Welt des Tanzes dreht sich im Moment in Wolfsburg: Das zeigte ein begeisternder Abend im Rahmen der Movimentos.

Wolfsburg. Tanz ist auch purer Zauber mit dem Körper. Diese hier haben anscheinend keine Knochen mehr, bestehen nur noch aus Muskeln und Sehnen, Hände fliegen, Finger zittern, Brustkörbe biegen sich wie Gummi. Die Menschen bewegen sich wie unter Starkstrom und betreten Grenzbereiche, was künstlerisch mit dem menschlichen Körper machbar ist. Hier kann keiner wegsehen.

Marco Goecke ist zur Zeit Deutschlands aufregendster Bewegungsmagier. Was ihn ausmacht, zeigt er in einer Deutschlandpremiere bei den Movimentos. „Woke up blind“ heißt das Stück über zwei Jeff-Buckley-Songs in der typischen Tanzsprache von Goecke, die mit ihrer hohen Verdichtung von kleinsten Bewegungssplittern und extremem Krafteinsatz zur Zeit einmalig ist. Ist man als Betrachter einmal mit auf der Spur, kann man sich dieser 18-minütigen Hypnose nicht mehr entziehen. Das Ganze sieht aus, als wenn die Figuren von den Francis-Bacon-Gemälden losgelassen wurden.

Wer wissen will, wie es um den internationalen Tanz bestellt ist, bekommt das in der Autostadt gezeigt. Und dass man dabei auch zu bloßen Worten tanzen kann, beweist die kürzeste Arbeit: „Shutters Shut“ von Sol León und Paul Lightfoot dauert nur fünf Minuten, ein chaplineskes Slapstick-Duo für Tänzer und Tänzerin (in Schwarzweiß) nach einer Sprachübung von Gertrude Stein.

Von den beiden Choreografen stammt auch das spürbar älteste Stück des Abends mit „Safe as Houses“ von 2001. Auch vom Bühnenbild her große Klasse: Eine fast mächtige weiße Wand dreht sich ununterbrochen wie ein Mahlwerk oder wie der Zeiger einer Uhr und lässt Tänzer durch einen optischen Trick immer wieder verschwinden und neu auftauchen. Die Musik ist elektronisch verstärkter Bach, der Tanz entsprechend pulsierend und gleichzeitig beruhigend.

Was man für das Schlussstück des Abends nicht sagen kann: „Salt Womb“ (von Sharon Eyal und Gai Behar) ist so heftig, dass manche das Kraftwerk der Autostadt verlassen: halb dunkle Bühne für die perfekt trainierte Company des Nederland Dans Theater, pulsierende Musik, so schweres Bassgewummer, dass die Konstruktion der Zuschauertribüne wackelt, dazu minimalistische stampfende Tanzbewegungen. Irgendwie erinnert das Ganze an ein archaisches Ritual was sich dann in einem trommelgetriebenen Maschinentanz verwandelt. Mehr Energie geht in einem Kraftwerk nicht.

Von Henning Queren


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