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Kultur Theaterstück Fremdes Leben in der Ernst-August-Galerie
Nachrichten Kultur Theaterstück Fremdes Leben in der Ernst-August-Galerie
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12:07 20.09.2010
In der Ernst-August-Galerie: Atmosphärisch spannender Ort für "Fremdes Leben".

VON EVA-MARIA WEISS

HANNOVER. Die Rolltreppe in der Ernst-August-Galerie steht still, man muss steigen. Ist man damit schon im Stück? Immerhin heißt es „Fremdes Leben“ und spielt an einem so untheatralischen Ort wie den Rolltreppen eines Einkaufszentrums.
Wenige Zuschauerplätze sind dort aufgebaut, davor sitzen drei Jugendlichen, lesen Monologe. Die erste Liebe, tagebuchartig beschrieben, nach Lektüre weggeworfen: „Du bist nicht meine Mutter, das ist so peinlich, wie ich dir beim Feiern zusehen muss“, wütet einer, als er von seiner Familie erzählt.

Darum geht es in „Fremdes Leben“, um Jugendliche, um Familie, Freundschaft, Liebe, Gewalt und Angst. Man sieht die drei auf dem Sofa abhängen und mit der Fernbedienung spielen, über Fernsehsendungen grinsen oder über perverse Pornos aus dem Internet, Zigaretten holen und reden, fantasieren. Dabei bewegen sie sich durch die Einkaufspassage, per Kamera übertragen; eine laufende Rolltreppe wird zur Hürde, gegen die man nicht anlaufen kann. So wie man vergeblich gegen das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit anläuf: Einer (Rune Jürgensen) erträumt sich, wie Iggy Pop auf seiner Beerdigung auftaucht und seinem Lebensende Bedeutung gibt.
Jugendfantasien zwischen Träumen und Hasstiraden. Ann-Kathrin Dörig erzählt mit eiskalter Stimme: „Mein Vater zog aus. Zack. Papa hat ne Neue. Zack. Meine Mutter heult. Zack.“

Sind das Motive, Amok zu laufen? Das Stück schraubt die Beklemmung höher, lässt aber die Konsequenzen offen. Autor und Regisseur Sascha Schmidt hat es gemeinsam mit der hannoverschen Tanzdozentin Iyabo Kaczmarek erarbeitet. Und nicht nur der Spielort beweist ihre große Nähe zu den Jugendlichen, von denen sie erzählen.

Weitere Termine: 22.-25 .9. und 27. und 28 .9.

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