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16:45 03.11.2017
Effektiv: (von links) Moritz Schmidt, Nils Wittrock und Ilja Lappin sind The Hirsch Effekt. Quelle: Foto:
Hannover

„Das hier ist Kunst, verdammt noch mal“, ereifert sich das „Ox Fanzine“. „Metal.de“ lobt „ein konsistentes Meisterwerk nahe der Perfektion“, und der Rezensent von „Laut.de“ fragt in fassungsloser Begeisterung: „Was soll jetzt bitte noch kommen? Unglaublich.“ Es ist lange her, dass ein Album aus Hannover flächendeckend so viel Begeisterung hervorgerufen hat. Und das ist umso erstaunlicher, als es sich um das jüngste Werk von The Hirsch Effekt handelt, der zugleich kunstfertigsten wie härtesten Band der Stadt.

Die „Holon“-Albumtrilogie ist abgeschlossen; mit „Eskapist“ (Longbranch/SPV) geht es in die musikalische Zukunft. Die epischen Intros sind Vergangenheit; hier gibt es sofort auf die Zwölf – schon der Opener „Lifnej“ dekliniert in gut sechs Minuten alle Spielarten des Metal durch. Im weiteren Verlauf des Album münden kammermusikalische Elemente mit sehnenden Streichern unvermittelt in rüdeste Gitarre-/Bass-/Schlagzeug-Attacken, die in jazzige Passagen und die wiederum in fast süßliche Gesangsmelodien. Nils Wittrock, Moritz Schmidt und Ilja Lappin haben tatsächlich ein gut einstündiges Gesamtkunstwerk geschaffen, bei dem die Scheiben klirren – man muss dieses Album laut hören. Damit es dröhnt. Und damit man merkt, wie klug diese spröde Schönheit der Musikhochschulabsolventen gebaut ist.

Früher beschrieben The Hirsch Effekt ihre Musik, die sich doch allen Kategorien widersetzt, als „Indielectro-Post-Punk-Metal“. Heute sagt Gitarrist, Sänger und Texter Wittrock: „Jetzt sind wir endgültig als Metal-Band zu verorten.“ Der Auftritt dieses Jahr beim Wacken-Open-Air half dabei. Raus aus der Komfortzone, das war der Auftrag für „Eskapist“: „Wir sind dazu übergegangen, die Songs auch mal alleine oder zu zweit zu schreiben“, sagt Wittrock: „Moritz oder Ilja haben also auch mal meine Gitarrenparts geschrieben – und ich musste Sachen spielen, auf die man sonst vielleicht nicht gekommen wäre.“

Derzeit führt das Trio die neuen Songs aus; die Tournee umfasst 46 Stationen (Wittrock: „Das ist wirklich ein bisschen bekloppt“). The Hirsch Effekt werden also auch ein bisschen zu hannoverschen Musikbotschaftern; bereits vergangenes Jahr waren sie als Vertreter der „City of Music“ in Großbritannien unterwegs.

Höchste Zeit, sich auch explizit politisch zu positionieren. In den (deutschsprachigen) geht es unter anderem gegen die sogenannten Reichsbürger („Aldebaran“) und den erstarkenden Rechtspopulismus („Xenophotopia“) – „halt all das, was mich in den vergangenen Jahren beschäftig hat“, so Wittrock. Es steckt viel befreiende Wut in diesem Album.

Und warum – bei so viel wütender Weltzugewandtheit – der Titel „Eskapist“? „Wir haben festgestellt, dass uns das Thema Migration zwar berührt, aber dass wir halt auch nicht wirklich etwas verändern können“, sagt Wittrock: „und dass wir uns stattdessen eben in die Arbeit an diesem Album gestürzt haben“. Ist wohl doch Kunst. Verdammt noch mal.

The Hirsch Effekt live: am 9. November im Musikzentrum. Karten (18,30 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops.

Von Stefan Gohlisch

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