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Kultur Tanz gegen die Tücke der Box
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16:51 07.09.2010
Wie ein Insekt an der Wand: Bald wirds eng für Pierre Rigal. Im Ballhof begeisterte der Tänzer das Publikum.
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VON EVELYN BEYER

HANNOVER. Die Welt ist eine Box, grad mal übermannshoch. Was den einzigen Menschen darin wenig zu stören scheint. Elegant dreht er sich zu den dumpfen elektronischen Klängen. Ein einzelner Scheinwerfer gibt Licht, ein Klappstuhl leistet ihm Gesellschaft, sonst nichts. Präzise, schnell, fast mechanisch schlackert er die Arme, lotet den Raum aus. Und selbst als mit Donnerkrach die Decke ein Stück sinkt, richtet er erst seine schwarze Krawatte, ehe er sich um den Rest kümmert.

Pierre Rigal, studierter Mathematiker, Ex-Hürdenläufer und Filmemacher, hat sein Stück „Press“ für eine sehr kleine Bühne entworfen, aus der Not einen Geniestreich gemacht und eine vieldeutige Bewegungsparabel geschaffen. Sein Kasten droht ihn im Ballhof Eins nicht nur zu erdrücken, er entwickelt auch fiese Anziehungskräfte. Bald hängt die Hand, bald der Kopf an der Decke fest, jede Bewegung löst Geräusche aus, metallisches Schaben und Knarren. In wechselndem Licht tritt der Tänzer gegen die Tücke der Box an, drückt gegen die Wand, die Füße laufen wie auf einem Band über den glatten Boden, dann hängt er wie ein Insekt an Wänden und Decke, kopfüber, seitwärts. Kopfstehend klemmt er sich zwischen Boden und Decke ein, Hände in den Taschen, lässig verdrehte Welt mimend. Faszinierende Abläufe, mal wird er zum kopflosen Monster, Finger wie Scherenhände, mal verwickelt er sich in seinen Klappstuhl, mal gleitet er, in der schon zum Schlitz verengten Welt, bäuchlings am Boden.

Da sieht man das drohende Ende vor sich, möchte ihn am liebsten aufrütteln. Doch als gegen Ende die Decke sich ein letztes Mal hebt, spielt er mit dem Licht, seziert es. Keine Reaktion auf den Ernst der Lage. Dann verdichten sich Zeit und Raum rapide, in Sekundenschnelle spulen sich die bisherigen Abläufe noch einmal ab. Nur dass die Decke diesmal bis unten kracht. Bannende Bilder, fantastische körperliche Präsenz und Exaktheit, großer Applaus.

Am 8. 9.: Pierre Rigal / Compagnie dernière minute: „Asphalte“, 20 Uhr, Ballhof Eins.

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