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Kultur Stella darf Berliner Stadtschloss bauen
Nachrichten Kultur Stella darf Berliner Stadtschloss bauen
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19:42 02.12.2009
Von Alexander Dahl
Hier soll es stehen – und er soll es bauen: Der italienische Architekt Franco Stella vor dem Platz, auf dem das Berliner Stadtschloss errichtet weden soll. Quelle: ddp

Im Sand des Berliner Schlossplatzes wurden unlängst die historischen Fundamente der alten Preußenresidenz freigelegt; wuchtig wie Brückenpfeiler ragen sie im Erdreich auf. Auch der geplante Schlossneubau selbst, der zwischenzeitlich etwas ins Wanken geraten ist, steht seit gestern wieder auf sicherem Grund: Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat die Entscheidung des Bundeskartellamtes vom 11. September aufgehoben, wonach der an den italienischen Architekten Franco Stella vergebene Vertrag wegen Verstoßes gegen das Vergaberecht für nichtig erklärt wurde. Der Architektenvertrag sei zwar formal rechtsunwirksam, urteilten die Richter, er könne aber nachgebessert und dann abgeschlossen werden.

Für den Bauherren, die Bundesrepublik Deutschland, ist die erfolgreiche Revision von großer Bedeutung. Hätte auch das Düsseldorfer Gericht die Auftragsvergabe an Stella für rechtlich nicht zulässig erklärt, wäre der Schlossbau vermutlich fraglich geworden, zumal bereits in den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP ein Verzicht auf das Schloss diskutiert wurde, um die veranschlagte Bausumme von 550 Millionen Euro einsparen zu können. Bereits jetzt rechnet das Bundesbauministerium damit, dass das Prestigeprojekt nicht wie beabsichtigt 2013, sondern erst 2016 fertig wird. „Das Berliner Schloss hat dennoch Strahlkraft weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus. Es wird eine Visitenkarte für ganz Deutschland“, bekräftigte Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU).

Noch mehr als für das Bundeskartellamt ist der Düsseldorfer Richterspruch eine Niederlage für den Architekten Hans Kollhoff. Im Ideenwettbewerb, den Stella mit einer weitgehenden Rekonstruktion der historischen Schlosshülle gewann, kam sein Berliner Konkurrent Kollhoff nur auf Platz drei. Wesentlich lukrativer als das Preisgeld von 100 000 Euro für den siegreichen Entwurf ist allerdings der sich anschließende Architektenvertrag für die Ausführung des 40 000 Quadratmeter großen Baus. Die Vergabeverordnung schreibt vor, dass die unterlegenen Architekten darüber informiert werden, wer bevorzugt wurde, und eine zweiwöchige Einspruchsfrist erhalten. Beides unterblieb bei Stella, was das OLG allerdings als Lässlichkeit einstufte. Durch die jetzt erfolgte gerichtliche Überprüfung seien ihre Rechte gewahrt worden, so das Gericht.

Inhaltlich schwerer wog Kollhoffs Vorwurf, Stella sei mit seinem kleinen Architekturbüro untauglich, die Bauausführung des Schlosses zu überwachen, und habe sich, weil er die Voraussetzung gar nicht erfüllt, den Vertrag erschlichen. Nach den Vorgaben des Bundes sollten die beteiligten Architekturbüros entweder mindestens drei feste Mitarbeiter oder einen Jahresumsatz von 300 000 Euro nachweisen. Stella hatte beides mit einer persönlichen Erklärung und einer Bestätigung der italienischen Architektenkammer untermauert – Papiere, deren Redlichkeit Kollhoffs Anwalt bezweifelte.

Die Eignungsprüfung dürfe nicht überspannt werden und müsse nicht allem und jedem nachgehen, entgegnete das Gericht. Und: „Auf der Basis bloßer Behauptungen ist es nicht nötig, akribische Ermittlungen einzuleiten.“ Kollhoff reagierte enttäuscht auf das Urteil, kritisierte den „beängstigenden Interpretationsspielraum“ bei Wettbewerbsvorgaben, sprach aber auch davon, dass die Sache nun für ihn erledigt sei.

Der Bund selbst scheint indes kein besonderes Vertrauen in Stellas Kompetenz als Projektleiter zu haben. Der Architektenvertrag mit ihm wurde bereits im Juli dieses Jahres abgeschlossen. Als Auftragnehmer hat ihn Stella zwar unterschrieben, als „Verantwortlicher für die Erbringung vertraglicher Leistungen“ taucht er in dem 25-seitigen Papier allerdings nirgendwo auf. Nicht einmal die Rekonstruktion der historischen Außenfassade, mit der Stella einst den Ideenwettbewerb gewann, wurde ihm übertragen.

Als Verantwortliche für das Großprojekt hat der Bund hingegen die bekannten Architekten Gerkan, Marg und Partner (GMP) sowie Hillmer & Sattler und Albrecht (HSA) ausgewählt. Beide sind versiert in der pünktlichen Bauausführung von Großprojekten; GMP etwa leitete den Bau des Berliner Hauptbahnhofs.

Erstaunlich ist auch, dass kein Stella-Architekt im Vertragstext erwähnt wird. Insgesamt werden dort 13 verantwortliche Fachleute erwähnt – allesamt allerdings Mitarbeiter von GMP und HSA.

Möglicherweise war die fachliche Qualifikation von Stellas Mitarbeitern dem Bund auch zu unsicher. Nach einem Schreiben der italienischen Architektenkammer aus Vincenza beschäftigt Stella zwar die drei geforderten Architekten. Diese wurden ihm danach aber nur per Werkvertrag von seinem Bruder Alberto überstellt, der wiederum kein Architekturbüro besitzt, sondern nur die Möbelfabrik Estel für Designprodukte, bei der schon US-Präsident Barack Obama und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi gekauft haben.
Stellas Werkverzeichnis für Deutschland ist dagegen wenig prominent: Im Jahr 1998 errichtete er ein Mehrfamilienhaus in Potsdam.

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