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klassik im stahlhandel: Nils (links) und Niklas Liepe organisieren das Festival in den Hallen der  Firma „Syrostahl“.

klassik im stahlhandel: Nils (links) und Niklas Liepe organisieren das Festival in den Hallen der Firma „Syrostahl“.
© Foto Wallmüller

Klassik

Stahlhalle wird zum Konzertort

Ein Klassik-Festival an ungewohntem Ort: Zwei Brüder aktivieren dafür die Stahlhallen der Firma Syrostahl in Hannovers Südstadt.

Hannover. Langgestreckt und hoch sind sie, die Regale, in denen Stahlrohre aller Stärken und Größen lagern. Ein bisschen riecht’s nach Schweißarbeiten in diesen Hallen, ein bisschen nach Öl, in jedem Fall irgendwie nach Stahl, Maloche und Industrie. Diese ganz und gar arbeitsnüchterne Umgebung wird vom 16. bis 18. Juni eine zauberische Verwandlung erfahren: Die jungen hannoverschen Musikerbrüder Niklas und Nils Liepe ziehen dort vom 16. auf 18. Juni ein beeindruckend besetztes klassisches Festival auf – in den Stahlhallen der Firma Syrostahl in der Südstadt.

Widerspruch ist kaum möglich, wenn Niklas (27) verspricht: „Hier kann man klassische Musik so erleben, wie man es sich nicht vorstellen kann.“ Drei Konzerte laufen in der kleineren Halle 4 mit 100 Plätzen, drei in der großen Halle 2 mit 230 Plätzen, Bühnen und Zuschauerraum jeweils umrahmt von Stahlregalen – verhüllt und verhübscht durch Lichtinstallationen.

Die Akustik? „Auch wenn ich kein absolutes Gehör habe: echt beeindruckend“, findet Manfred Syrowy, Eigentümer des Stahlhandels. Bei der kleineren Halle ist es die Holzdecke, die für wohltemperierte Beschallung sorgt, bei der größeren ist die hohe Decke hilfreich. Ansonsten jedoch „haben wir noch keine Idee, warum es akustisch so gut funktioniert“, gibt Nils (29) zu. Was zählt: Es funktioniert.

Die beiden sind in Hannover aufgewachsen, ihr musikalisches Talent wurde früh erkannt und gefördert. Pianist Nils und Geiger Niklas konzertierten als Solisten und Kammermusiker, veröffentlichten zusammen mit Benedict Klöckner eine Kammermusik-CD mit Werken Albeniz, Turina und Ginastera. Geschäftstüchtig sind sie nebenbei auch, wie ihr Rollenwechsel zum Festivalmacher belegt. Sie nutzten dafür ihr offenbar gut gespanntes Netzwerk.

Das Eröffnungskonzert am 16. Juni gibt das französische „Quatuor Ébène“ (20 Uhr). Tags darauf, am Samstag, geht es um 11 Uhr weiter: Am kostenlosen Kinder- und Familienkonzert mit Stockhausens „Tierkreiszeichen“ sind unter anderem die Liepe-Brüder musikalisch beteiligt. Um 18 Uhr folgt eine musikalische Lesung mit dem Daphnis-Quartett und Schauspielerin Sophie Krauß, um 22 Uhr macht das Orchester im Treppenhaus mit seinem Programm „Discodisco“ den Konzertsaal zur Tanzfläche.

Sonntag (11 Uhr) folgt das Soloprogramm „Haydn meets Jazz“ des hannoverschen Pianisten Markus Becker, zum Abschluss läuft ab 18 Uhr das Galakonzert, unter anderem mit einer Uraufführung: Erstmals ist die Komposition von Dominik Dieterle auf Grundlage der Caprice Nr. 19 von Nicolo Paganini zu hören – ebenso wie bei der Gala erneut die Brüder Liepe.

Von Michael lange


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