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Kultur Snoopy & Co. werden 60
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15:40 09.08.2010
Matthias Wieland

VON STEFAN GOHLISCH

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Kontakt mit den Peanuts?

Ja, natürlich. Die Peanuts haben eine große Rolle in meiner Kindheit gespielt; ich habe sie geliebt. Entdeckt habe ich sie in der Leihbibliothek, in diesen orangenen Bänden.

Haben Sie damals alles verstanden?

Nein, aber es ist, glaube ich, wirklich so, wie es der große Carl Barks mal sinngemäß gesagt hat: Kinder spüren es, wenn etwas gut ist. Ich habe nicht ansatzweise die philosophische Dimension der Peanuts begrifffen. Aber es hat mich deutlich stärker berührt als beispielsweise Fix & Foxi.

Was macht sie so zugänglich?

Vielleicht der einfache Strich – der natürlich gar nicht so einfach ist. Und natürlich der sehr gute, feine Humor, der definitiv kein Schenkelklopf-Humor ist.

Sie arbeiten seit ein paar Jahren und auch noch ein paar Jahre an der Übersetzung der Gesamtausgabe. Was ist deren Stärke im Vergleich zu den diversen Kompilationen?

Es werden zwölf Jahre insgesamt sein, wahrscheinlich sogar etwas mehr… Ein ganz faszinierender Aspekt der Peanuts – und der erschließt sich erst durch die Gesamtausgabe – ist ihre eigentliche Existenz als täglicher Kommentar zum Zeitgeschehen. Die Peanuts haben viele, viele Menschen durchs Leben und die Jahre begleitet – von den guten Vorsätzen zum Jahresbeginn über die Baseball-Saison, den Valentinstag, die Ferien und all die Feiertage. Das ist auch historisch interessant.

Schulz hat mit dem Wiedererkennbaren gespielt …

Ja, es gibt diese Running Gags, zum Beispiel, wenn Lucy jedes Jahr aufs Neue Charlie Brown den Football wegzieht. Das hat sich den meisten Lesern als sehr häufig eingeprägt. Wenn man aber die Gesamtausgabe liest, merkt man, dass das nur einmal im Jahr passierte. Schulz war selbst erstaunt, dass es immer wieder funktionierte. Und er hat schließlich, im Bewusstsein des nahenden Todes sogar daraufhin gearbeitet. In dem allerletzten dieser Strips bittet Lucy ihren Bruder, das für sie zu übernehmen. Man sieht die Szene nicht; sie fragt ihn hinterher, ob er auch den Ball weggezogen habe. Und er antwortet: „Das wirst du nie erfahren …“

Es stand nie außer Frage, dass die Peanuts nach Schulz‘ Tod nicht fortgesetzt würden. Bedauern Sie das?

Schulz hat es eigentlich sogar zu lang gemacht; es gibt zum Ende gewisse Ermüdungserscheinungen. Mich hätte zum Beispiel interessiert, was Bill Watterson, der Erfinder von Calvin & Hobbes mit den Peanuts gemacht hätte. Ich bin da zwiespältig: Im US-Superhelden-Comic ist es ganz normal, dass Autoren und Zeichner wechseln. Andererseits: Asterix hätte mit Goscinny sterben müssen. Das ist ja die Hybris Uderzos: zu sagen, dass das niemand „außer uns“ fortführen darf, aber selbst zu glauben, dass er ein guter Autor ist.

Wie sehr sind die Peanuts Kinder ihrer Zeit?

Zumindest so weit, dass ich sie mir nicht mit Laptops vorstellen kann … (lacht) In Amerika ist das anders: Denn sie waren unglaublich aktuell. Schulz hat jedes Thema, das Mode war, aufgegriffen. Zum Beispiel laufen in dem einen Winter alle Kinder mit seltsamen Fellmützen herum – weil in dem Jahr Buffalo-Bill-Mützen in waren. Um solche Phänomene zu erklären, gibt es in der deutschen Ausgabe – und nur da – ein Glossar.

Wie schwierig sind ansonsten die Übersetzungsarbeiten?

Sie sind nicht ganz einfach. Das liegt zum einen an den Zeitbezügen. Zum anderen hat Schulz viele Wortwitze gemacht; die sind schwierig zu übertragen. Das ganze Genre leidet übrigens darunter, dass so oft schlecht übersetzt wird. Man sollte als Übersetzer natürlich die Sprache beherrschen, aus der man übersetzt. Man sollte aber auch die Sprache beherrschen, in die man übersetzt; daran hapert es oft. Und es gibt Begriffe, die sich einfach nicht pauschal ins Deutsche übersetzen lassen, der Ausruf „Good Grief!“ zum Beispiel. Das heißt dann bei uns je nach Situation „Meine Güte!“, „Du liebe Zeit“ oder „Weia!“. Und schließlich versuchen wir, die Größe der Sprechblasen nicht anzutasten. Nun eignet sich keine Sprache so gut für kurze Aussagen wie das Englische und keine so schlecht wie das Deutsche …
Wie lösen Sie die Probleme?

Wir haben uns frühzeitig entschieden, dass wir einerseits zwar eine historische Ausgabe machen, aber andererseits der Leser vorgeht. Wenn sich etwas partout nicht übersetzen lässt, versuchen wir, etwas ähnlich Witziges zu finden, also einen anderen Scherz im Sinne des Erfinders zu machen. Man muss sich als Übersetzer anmaßen, den Autoren zu verstehen.

Haben Sie einen Favoriten unter den Figuren?

Als Kind war das ganz klar Snoopy, ohnehin die beliebteste Figur. Ich mag aber auch Linus, den kleinen Wichtigtuer, der so etwas wie der Intellektuelle der Peanuts ist. Und ich mag Charlie sehr gern: diesen Verlierertyp, der nie aufgibt, immer weitermacht, immer weiter Basball spielt und immer weiter von dem kleinen rothaarigen Mädchen schwärmt. Für mich steckt das voller poetischer Stärke.

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