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Diva: Simone Kermes.

Diva: Simone Kermes.
© picture alliance / Britta Peders

Klassik

Simone Kermes ist „Atemlos“

Simone Kermes gilt als die „Lady Gaga“ der Klassiker. Im Großen Sendesaal gab die umjubelte Sopranistin nun ein bemerkenswertes Konzert – mit Helene Fischers „Atemlos“ als Zugabe.

Hannover. „Lady Gaga der Klassik“: Ist das Etikett, das man Simone Kermes verpasst hat, nun schmeichelhaft oder nicht? Wie auch immer – das Konzert der Sopranistin mit dem Ensemble La Magnifica Communità im Großen Sendesaal des NDR erntete Jubelstürme.

Die Liebe ist bekanntlich ein seltsam Ding, und um mannigfache Spielarten kreiste das barock geprägte Programm. In dem nicht nur die alten Schlachtrösser Purcell, Vivaldi oder Monteverdi ihre Chance bekamen, sondern auch eine ganze Reihe Exoten wie Domenico Gallo oder Luis de Briçeño. Ohne dass dadurch irgendein Qualitätsgefälle ins Spiel gekommen wäre.

Apropos Qualität: Simone Kermes’ Timbre ist einzigartig. Sie kann wunderbar dezent singen und die Tigerin herauskehren, bleibt im ersten Fall immer verständlich und forciert im zweiten auch bei den Spitzentönen nicht. Bombensicher hält sie Barbara Strozzis „Che si può fare?“ in der Schwebe und haut dem Publikum dann aberwitzige Koloraturen von Riccardo Broschi, dem Bruder des legendären Kastraten Farinelli, um die Ohren.

Ihr stehen dabei kompetente Begleiter zur Seite. La Magnifica Communità hat im wahrsten Sinne des Wortes einen guten Zugriff, der Grenzauslotungen im Bereich zum handfest Ruppigen nicht scheut, und das Temperament des Primgeigers Enrico Casazza ist nachgerade ansteckend.

Der Begriff „Konzert” passt indes für den Abend nur bedingt. Zumindest streckenweise müsste man eher von einer Inszenierung sprechen, denn die Tänzer Ludovico Tambara und Tommaso Marchignoli greifen massiv ins Geschehen ein. Brechen hier in einen Hahnenkampf um die Sängerin aus, der sie sich dort zu Füßen werfen und dann wieder mit einem güldenen Tuch umwickeln. Bei John Eccles’ „Restless in Thoughts“, dem Genre der „Mad Songs“ zugeordnet, bringen sie Kermes in eine Art Zwangsjacken-Haltung und leihen ihr die eigenen Arme, als würde plötzlich eine vielgliedrige indische Göttin auf der Bühne stehen.

Das ist soweit nett anzuschauen, ob es die Intensität des Vorstellung wirklich steigert, sei dahingestellt. Spätestens beim Zugabenblock macht sich darüber aber keiner mehr einen Kopf, muss man auf diese Kombi doch erst einmal kommen: eine weitere Broschi-Kaskade, Händel – und eine veroperte Fassung von Helene Fischers „Atemlos“.

Von Jörg Worat


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