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Im Brauhaus: Schauspiel-Intendant Lars-Ole Walburg (Mitte) mit seinen „Indien“-Darstellern Günther Harder (links) und Janko Kahle.

Im Brauhaus: Schauspiel-Intendant Lars-Ole Walburg (Mitte) mit seinen „Indien“-Darstellern Günther Harder (links) und Janko Kahle.
© (c) Tim Schaarschmidt

Theater

Schauspielhaus zeigt im Sommer „Indien“

Nach der wundersamen Welt des Federico Fellini und der schwedischen Weiten von Jonas Jonassons geht es diesmal nach „Indien“: Das Schauspielhaus zeigt in seinem Sommer-Hof-Theater dieses Jahr die österreichische Tragikomödie – und zieht damit anschließend ins Brauhaus Ernst August.

Hannover. Der eine sammelt Wissen an, am liebsten das aus „Trivial Pursuit“, der andere wartet auf sein Schnitzel. Der eine betreibt Namensforschung, der andere denkt entsetzt, man könne ihn für einen Ausländer halten. Kurt Fellner und Heinz Bösel sind höchst unterschiedliche Männertypen – und sie sind die Helden von „Indien“, dem Stoff des diesjährigen Sommer-Hof-Theater des Staatstheaters.

Diesmal inszeniert Lars-Ole Walburg, der Intendant, selbst, und er hat sich mit der Tragikomödie (siehe Info rechts) ein Stück ausgesucht, das sich in seiner Reduktion stark unterscheidet von den opulenten Stoffen der vorangegangenen zwei Ausgaben des Open-Air-Theaters. 2015 ging es in die rauschhaften Bilderwelten des italienischen Regisseurs Federico Fellini. Im vergangenen Jahr ging es mit Jonas Jonassons „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ Schauplatz eines Roadmovies durch das 20. Jahrhundert.

„Indien“ ist im Vergleich dazu fast ein Kammerspiel: Zwei Hauptfiguren – Janko Kahle als grober Bösel, Günther Harder als Schnösel Fellner – dazu noch Frank Wiegard in allen anderen Rollen. „Die Idee kam mir vergangenes Jahr beim ,Hundertjährigen’“, erzählt Walburg : „Ich glaube, dass man auch einfach nur mit einem guten Stoff und gutem Theater den Hof füllen kann.“ Und davon, dass diese Geschichte einer Männerfreundschaft gut ist, ist er sowieso fest überzeugt: „Es ist eine sehr berührende Geschichte, sehr komisch, auch dann noch, wenn sie ins Melancholisch-Tragische kippt.“

Die Handlung hat er von Österreich ins Brandenburgische verlegt („den Film hat man ja nicht umsonst deutsch untertitel“), die Reise der beiden Gastronomieinspektoren Bösel und Fellner bleibt eine durch die schlichten Gasthäuser der Provinz.

Weswegen sich „Indien“ für eine weitere Besonderheit anbietet: Es wird auch nach den 15 im Hof anberaumten Vorstellungen noch weitergespielt – und zwar an einem Ort, wo es nach Überzeugung Walburgs zwingend hingehört: im Brauhaus Ernst August in der Altstadt.

Beide Seiten hoffen auf Zielgruppenerweiterung: das Schauspielhaus auf Menschen, die vielleicht nicht unbedingt den Weg in die Prinzenstraße finden, das Brauhaus auf Theaterinteressierte: „Wir versuchen jetzt schon durch andere Formate andere Zielgruppen zu erreichen“, so Philipp Aulich, der die Gaststätte mit seinem Bruder Hannes führt und in ihr schon zum Beispiel mit regelmäßigen Poetry Slams Kultur beherbergt.

Während Bühnenbildner Robert Sievert viel Zeit und Mühe darauf verwenden wird, im Hof des Schauspielhauses unter freiem Himmel Kneipenatmosphäre entstehen lassen, ist dort, so Walburg, „einfach schon alles das“. Und das sei auch gut so: „Ich kann Ihnen versprechen, dass die Zuschauer nach dem Stück Appetit auf ein Schnitzel und ein Bier haben werden.“

Beides wird es auch im Hof geben, in den vergangenen Jahr war das Gastro-Angebot dort jeweils sehr authentisch und passend. Aber im Brauhaus, ist es doch noch ein Stück authentischer, „und wenn Kneipengeräusche herüberschallen, ist das doch auch sehr schön“, findet Walburg.

Die Premiere von „Indien“ ist am 11. August. Bis 27. August gibt es noch 14 weitere Vorstellungen. Die Karten kosten zwischen 35 und 41 Euro, für die Premiere 45 Euro. Beginn ist jeweils um 21 Uhr. Ins Brauhaus zieht das Stück wohl Ende September. Genaue Daten werden beizeiten im Spielplan bekanntgegeben.

Von Stefan Gohlisch


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