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Kultur Sarah Neufeld lässt ihre Geige schwitzen
Nachrichten Kultur Sarah Neufeld lässt ihre Geige schwitzen
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00:23 03.06.2018
Konzentriert: Sarah Neufeld spielt ihre ätherischen Klänge in der Galerie in Herrenhausen. Quelle: Helge Krückeberg
Hannover

„Das ist hier keine Kirche, richtig?“, fragt Sarah Neufeld ihre Zuhörer des spätabendlichen Konzerts zu den Kunstfestspielen. Nein, das lange Gebäude mit Hannovers wohl eindrucksvollstem Deckenfresko ist die Galerie. „Ich hab’ noch nie eine Galerie gesehen, die so aussah.“ Die Violinistin aus dem Raum Vancouver ist viel rumgekommen: Mit der Indie-Bombastband Arcade Fire zum Beispiel, die sie live und im Studio unterstützt, hat sie in Stadien gespielt – heute also etwas Neues, für sie architektonisch, für viele Besucher klanglich: Eine einzelne Geige, die sich so anhört, bekommt man nicht bei jedem Kammerspiel.

Neufeld spielt minimal, teils vom Wellengang elektronischer Stücke angehaucht und dann wie geloopt. Ihr Instrument wird durch Effekte polyphon, auch ein Pop-Anstrich ist zu hören. Ihr erstes Album „Hero Brother“ produzierte Nils Frahm, Multi-Instrumentalist und Klassik-Elektro-Liebling der deutschen Feuilletons, das Titelstück des Erstwerks ist eine treibende Komposition, die Neufeld mit in die Weite der Galerie hallenden Stampfern auf den Bühnenboden akzentuiert.

Unwirklich, wie ein außerirdisches Tasteninstrument, kann sich ihre Geige anhören, das verlangt Instrument und Musikerin einiges ab: „Meine Geige schwitzt“, sagt Neufeld, vorher hat sie ein Stück nur gezupft. „The Globe“ könnte von Philip Glass sein, in ein paar anderen Stücken (unter denen auch brandneue, noch namenlose sind) singt sie kehlig und langgezogen ins Mikrofon – die Musik, wenn auch schwer beschreibbar, liegt irgendwo zwischen Koyaanisqatsi und Enya.

„Ein Schlaflied“ zum Schluss schickt die etwa 100 Besucher nach Hause, die zärtliche Komposition ist das letzte, was man hört, bevor Neufeld noch eine schnelle Zugabe hinterher gibt.

Von Lilean Buhl

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