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Kultur Sanfter Riese, fiese Fischer
Nachrichten Kultur Sanfter Riese, fiese Fischer
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14:51 11.02.2018
Nettes Paar: Szene aus „Der sanfte Riese“ mit Tina Marie Herber und Gihoon Kim. Quelle: Thomas M. Jauk
Hannover

Er sieht aus wie ein Waldschrat: wilde lange Haare, zerfranste Fetzen am Leib, wachsame Augen. Sein Zuhause ist die Insel des silbernen Sees, dort lebt der Hüne allein im Einklang mit der Natur. Doch für die Menschen im nahen Fischerdorf ist der Einsiedler an allem schuld, vor allem an ihrem Elend. Eine Geschichte über Ausgrenzung, Vorurteile, Toleranz erzählt die Junge Oper in ihrer neuen Produktion: dem Einakter „Ein sanfter Riese“ von Stephen McNeff mit dem Libretto von Mike Kenny und nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Morpurgo.

Nur die junge Miranda (Tina Marie Herbert, Sopran) gibt sich nicht mit den einfachen Antworten ihres Vaters (Hyun-Joong Kim, Tenor) zufriedengeben. Die bekommt sie, als der Riese (Gihoon Kim, Bariton) sie vor dem Ertrinken auf seine Insel rettet. Berührend, wie die beiden sich annähern. „Du stinkst!“ singt Miranda, aber als sie sieht, wie die Schwäne ihm vertrauen, erkennt sie seine Gutmütigkeit.

Der Riese bringt sie nach Hause, wieder wird er abgelehnt. Dann kommt der große Sturm, verwüstet das Dorf und verschleimt den See. Fischen ist nun nicht mehr möglich. Doch der herzensgute Riese hat eine Idee ...

Liebevoll sind Inszenierung (Markus Michael Tschubert), Kostüme (Veronika Kaleja) und Ausstattung (Magdalena Wiesauer), schön die live gespielte Musik von fünf Mitgliedern des Niedersächsischen Staatsorchesters. Zur Premiere ist sogar Komponist Stephen McNeff anwesend.

Es ist klasse, wie Gihoon den Riesen verkörpert. Ebenso exzellent das Schauspiel seiner Kollegen, die die Dorfbewohner in einfacher Kleidung darstellen. Fesselnd ihre Duette, Quartette („Nehmt das Stroh!“), die Arien – wobei jede Rolle auch mal die rezitative Erzählung übernimmt.

Herbert als Miranda ist einfach bezaubernd, schön und spannend ihre Arie „... kein Grund zur Angst!“. Marlene Gaßner (Mezzosopran) packt mit Ihrer Performance des cleveren Sternstaubverkäufers, und Hyun-Joong und Yannick Spanier (Bass) beeindrucken mit ihren starken Stimmen.

Der hervorragende Gesang, das Schauspiel vor und auf der Drehbühne (die als Fischerhaus und Insel doubelt) wirken bestens zusammen. Die Musik mit Harfe, Querflöte, Violoncello, Trommeln, Glockenspiel und Percussion ist lebendig, modern, melodisch, dramatisch, aufwühlend, spannungsvoll. Nach 90 Minuten mit Pause gibt es mehrere Minuten begeisterten Applaus. Ganz besonders für die schön schräge Musik des Froschorchesters. Ein Erlebnis für alle.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Von Christian Seibt

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