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One-Woman-Show mit Musik: Sandra Hüller mit Sandro Tajouri (links) und Moritz Bossmann. Die Aufnahme entstand im Züricher Theater Neumarkt.

One-Woman-Show mit Musik: Sandra Hüller mit Sandro Tajouri (links) und Moritz Bossmann. Die Aufnahme entstand im Züricher Theater Neumarkt.
© Niklaus Stauss

Theater

Sandra Hüller gastiert im Schauspielhaus

Wolfgang Herrndorfs „Bilder deiner großen Liebe“ als furioses Gastspiel: Sandra Hüller („Toni Erdmann“) lieferte im Schauspielhaus eine furiose One-Woman-Show mit Musik.

Hannover. Vom Alter wisse sie gar nichts, sagt der alte Mann, den Isa irgendwo im Wald getroffen hat, und von der Jugend wisse sie daher auch nichts, und damit letztlich auch nichts von der zeit. Doch um die Zeit dreht sich hier alles in dem Stück „Bilder deiner großen Liebe“, um die erlebte und die imaginierte, die geglückte und die verlorene. Und die großartige Sandra Hüller, zu Weltruhm gelangt durch den deutschen Oscar-Kandidaten „Toni Erdmann“, begibt sich für ihr Publikum im Schauspielhaus auf die Suche.

Ein Roadmovie wird Rockshow: Regisseur Tom Schneider hat sich in seinen Gastspielen vom Theater Neumarkt Zürich des letzten, Fragment gebliebenen Romans von Wolfgang Herrndorf angenommen. Er hat seiner Heldin, dem bereits aus „Tschick“ bekannten Wildfang Isa, eine Konzertbühne bereitet. Er hat zwei Musiker engagiert, die Hüllers One-Isa-Show untermalen: das ehemalige hannoversche Ensemble-Mitglied Sandro Tajouri (zugleich sein Band-Kollege bei der Gruppe A Boy named River) und Moritz Bossmann (Die Tentakel von Delphi). Sie lassen rotzigen Punk dröhnen und atmosphärische Elektronik pluckern, liefern den perfekten Soundtrack dieser Geschichte einer ziellosen Suche. Und Hüller trifft jeden Ton: Ihr Spiel ist verspielt und präzise, detailverliebt und ökonomisch, wie es auch die ganze Inszenierung ist.

Dieser Abend ist ein Triumph der Fülle wie auch der Zurückhaltung; alles sitzt, jeder kleine Regieeinfall, und sei es nur, dass Isa sich an einen Moment ihrer Kindheit erinnert und dabei auf Zehenspitzen in das weit nach oben gestellte Mikrofon spricht. Es gibt nicht viele Requisiten, aber alle sind sinnhaft: die Tasse mit dem Wort „Fin“ darauf, das Mobile aus Disco- und anderen Kugeln, die schwarzen Zettel rechts und links der Bühne, die – in einem wunderbaren Kabinettstück – Spanien und Dortmund doubeln.

Lebenslust und Todessehnsucht mischen sich. Am Ende zielt Isa mit einer Pistole in den Himmel, drückt ab, schaut der Kugel hinterher, wie sie „zu fallen beginnt, millimetergenau zurück in den Lauf der Waffe“. Noch ein Donnerwetter von der Band, dann wird es stockdunkel auf der Bühne, und der Applaus brandet auf.

Von den unwahrscheinlichen Dingen, an die man sich erinnern wird am Ende des Lebens, hatte der alte Mann im Stück erzählt, von einem frühen Moment des Glücks mit seinen Händen auf Farn. Sandra Hüllers Stimme, wie sie das erzählt, ihre Hände in der Luft, diese ganze furiose Soloshow – das sind Dinge, an die man sich lange erinnern wird.

Von Stefan Gohlisch


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