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Kultur Roxette feiert Comeback in Hannover
Nachrichten Kultur Roxette feiert Comeback in Hannover
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11:28 17.12.2009
Wieder auf der Bühne: Roxette Quelle: Heusel
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VON MATTHIAS HALBIG

HANNOVER. Adventlich rot steht der Vorhang in der TUI-Arena und glüht. Gleich zu Anfang dräut durch ihn eine Musik hindurch, zu der jetzt glatt Gott selbst auf die Bühne könnte. Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ zieht herauf, klingt nach aller Töne Anfang, nach „Es werde Sound“. Perfekter Auftakt für diese erste von zwei hannoverschen Nokia-Weihnächten of the Proms 2009.
Schade nur, dass der Strauss-Brummer in „Nox argentea“ übergeht, das eigens zum 15-jährigen Jubiläum der deutschen Proms komponierte Teil ist ungleich wirkungsärmer. Der Vorhang geht auf, das Rot bleibt erstmal, und schon gibts eine Dosis tosenden Beifalls für Maestro Robert Groslot, die 72 Musiker von Il Novecento und den Chor Fine Fleur. Schier nicht zu glauben, dass 16 Stimmen eine solche Wucht erzeugen sollen!

Die Pop-80er leuchten über dieser Nokia Night. Das passt zur festtäglichen Nostal-Gier des Publikums wie auch zur klanglichen Renaissance der Eighties in den Hitparaden von 2009. Ein Alan-Parsons-Fan flüstert seine Wunschliste herüber: „,The Raven’ muss! ,Lucifer’ muss!“ Mussmussmuss! Und einer, der unterm Wall-Street-Sakko ein englisches Heaven-17-T-Shirt mit „Penthouse-&-Pavement“-Aufdruck trägt, flippt total aus, als Martyn Ware und Glen Gregory ihr „Let me Go“ anstimmen, und flippt noch totaler aus, als die beiden Synthsoulpopper, die nie zuvor in Deutschland auftraten, ihr sinfonisch aufgemotztes „Temptation“ ins Volk schicken. Gut, die Christl Stürmer passt nicht ganz ins Konzept, hat aber Charme. Für ihr „Ich lebe“ gibts von den 9000 hier strammen Applaus.

Überraschung: Die ungarischen Gitarristen Katona Twins, die uns in einem aufwühlenden Saitengewitter Lynyrd Skynyrds „Sweet Home Alabama“, Jackos „Bad“ und „Black & White“ über die Rampe reichen und Kurt Cobains grungigen „Teen Spirit“ riechen lassen. Dann noch Led Zeps „Stairway to Heaven“ mit John Miles – eine Nummer Sicher für die innere Wunderkerze der Nokia-Fans. Alan Parsons, scheuer Held aus Beatles- und Pink-Floyd-Tagen, widmet sein „Silence and I“ seinem jüngst verstorbenen Weggefährten Eric Woolfson. Nix „Raven“, nix „Lucifer“ – aber bei „Games People Play“ steht einem die Gänsehaut gefühlt anderthalb Zentimeter vom Leibe.

Zuletzt wars ja doch eher enttäuschend gewesen bei der republikweiten Betriebsweihnachtsfeier Nummer eins:. Die Bravschwaben Pur waren 2007 einfach nicht glamourös genug. Und im Vorjahr war Robin Gibb trotz Legendenstatus eine „Tragedy“ im besten Bee-Gees-Sinn: Viele Daumen hoch, die Stimme war runter und am Ende ein rapides Verschwinden in den Eingeweiden der TUI-Arena, während der Rest vom Klassikpop-Fest selig „Hey Jude“ sang von den Bee ... nein den Beatles. Die Klassik ist 2009 nicht mehr auf Feigenblatt-Level: Haydn und Tschaikowsky, dazu Ravels „Bolero“. Und im Pop-Teil gibts die echten Joyrider. Roxette live! Lange her. Und doch, als wärs gestern gewesen.

2002 sollten sie „promen“, dann erkrankte Marie Fredriksson schwer. Hager fast ist die blonde Schwedin heute, die Stimme nicht mehr so nuancenreich, aber sie wirbelt wieder. Jubel für „The Look“ an dessen Ende McCartneys „Jude“ heuer strahlen darf, und natürlich für die beatles­ke Joyride-Liebeserklärung: „Hello, you Fool, I Love you ...“ Sie lassen den „wonderful balloon“ schweben, und jetzt hätte man zum Wunschlos-Gücklichsein doch gern ein ganzes Konzert.

„Music“ zum Schluss, John Miles’ Grandiosum, alle Musiker winken, singen, Alan Parsons auch, der hat das Stück damals, 1976, produziert und mit seinem orchestralen Project-Bombast geschmückt. Der Kreis schließt sich.

Alle Jahre zweimal wieder. Heute, Kinder, wirds noch Karten an der Abendkasse geben. Und die für die Nokia Night 2010 (15. Dezember, TUI-Arena, 42,35 bis 73,40 Euro, Besetzung noch offen) waren Mittwoch auch schon zu haben.

Der NP-Kritiker gibt 4 Sterne (fünf möglich)

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