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Grenzgänger: Romano nimmt Stirnrunzeln gerne in Kauf.

Grenzgänger: Romano nimmt Stirnrunzeln gerne in Kauf.
© Fabien Prauss

Interview

Romano über Kopien und Originale

Mit seinem Deutschrap „Metalkutte“ wurde Romano im Jahr 2015 zum Szeneliebling. Nun erscheint, angekündigt durch die Vorabsingle „Mutti“, das neue Album „Copyshop“. Wir sprachen mit dem Original aus Berlin-Köpenick.

Hannover. Metal-Fan und Deutschrapper, Szene-Liebling und Muttersöhnchen: Roman Geike alias Romano überschreitet gerne Grenzen. Zwei Jahre nach seinem Überraschungshit „Metalkutte“ kommt nun sein neues Album „Copyshop“. Ein Gespräch mit einem Original.

Zwei Jahre sind vergangen seit Veröffentlichung Ihres letzten Albums „Jenseits von Köpenick“, das enorme Wellen schlug. Haben Sie damit gerechnet?

Überhaupt nicht. Ich habe mich jeden Dienstag mit meinen Freunden Moritz und Jakob ins Studio gesetzt, mit einem Sixpack oder auch mal Sekt, und einfach Musik gemacht. Dass daraus mal so ein Erfolg wird, war nicht zu erwarten. Auch mit der Single. Ich dachte, „Metalkutte“ wäre ganz passend; vielleicht ruft ja mal ein halbes Jahr später der „Metal Hammer“ an. Das passierte schon nach zwei Tagen, und dann ging es los. Da ist in kurzer Zeit sehr viel passiert. Ein Mega-Run. Ich bin sehr glücklich darüber.

Trotz der damit verbundenen Frage: Darf der das?

Klar. Da gab es viel Stirnrunzeln: Wer ist das überhaupt?

Und: Wer ist Romano? Sie haben englisch- und deutschsprachigen Rap gemacht, Crossover und Schlager – wie echt ist Romano?

Es ist einfach ein griffiger Name, und ich seh’ ja wohl aus wie ein Italiener (lacht). Der Name ist nicht typisch HipHop; das war mir sehr wichtig. Ich hatte ja mal die Pseudonyme Cornerboy oder MC Ramon. Aber Romano, das ist ein Name, mit dem man nicht rechnet. Der bietet viel Spielraum, für all das, was ich bin..

Ist Romano eine Kunstfigur?

Ich glaube, ich war noch nie so nah an mir dran wie jetzt. Einfach Musik machen, ganz frei, wie ein Kind. Ohne die Frage: Darf man das? Ich habe das Gefühl, ich bin angekommen. Manchmal bin ich richtig erstaunt, wenn ich einen Text fertig habe: „Ach, das steckt auch in dir?“ Man geht an den künstlerischen Prozess nur selten mit festen Vorgaben ran. Mein Bild, das ich dafür gefunden habe, ist: Über die Jahre sind ganz viele Schiffe über den Ozean gefahren, auch unterschiedlich große. Jedes Schiff steht für eine Musikrichtung, die gemacht habe Die ganze Flotte hat jetzt einen Hafen gefunden. Ob da noch mal ein neues Schiff gebaut und vom Stapel gelassen wird – ich weiß es nicht.

Aber der Ozean ist denkbar weit entfernt von Köpenick ...

Nee, direkt vor der Tür. Köpenick ist sehr wasserreich.

Für das Promo-Video zum Album sind Sie aber nach Asien geflogen?

Ja, denn wo kann mein thematisch besser ein Video zum Thema „Copyshop“ drehen als in Hongkong?

Wie haben die Chinesen auf Sie reagiert?

Ach, ganz offen. Ich habe mit denen auch probiert Deutsch zu sprechen, sie haben mich nicht immer verstanden, aber verbunden mit einer umarmenden Geste war das, als hätte ich Köpenick mitgebracht. Es war total entspannt. Die Leute haben sich gefreut: Da kommt ein Typ mit zwei Zöpfen ... Wenn man alte Bilder aus China sieht, sind da viele Männer mit Zöpfen. Die Energie war sehr positiv.

Wie programmatisch ist der Titel „Copyshop“ für das Album, wie programmatisch für ihre Art, Musik zu machen?

Das Kopieren ist ein permanenter Prozess im Leben. Man kann heute Patente für irgendetwas bekommen – aber man soll bloß nicht glauben, dass man der erste war, der darauf gekommen ist. Ich bin auch sicher, dass, wenn jemand heute eine Idee hat, drei, vier andere Leute auf der Welt zur selben Zeit die gleiche Idee haben. So ist das mit der Musik auch. Was ist das Original, was die Kopie? Wer ist der Dieb, wer ist das Genie? Und da ich auch acht Jahre meines Lebens in einem Copyshop gearbeitet habe, was ein schöner Einblick war über das Leben als Ganzes, sollte dieses Album auch mehr umfassen: Die Welt als Copyshop. Sogar die Natur kopiert sich selber. Auch die Heilige Schrift ist beeinflusst durch vorige Religionsformen und die Autoren waren im Kopiermodus. Der HipHop mit dem Sampling lebt von der Kopie. Ohne Rhythm and Blues kein Rock ‘n’ Roll, ohne Hard Rock kein Heavy Metal. Man kommt vom Hundersten ins Tausendste – bis in die Steinzeit.

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Und am Ende steht Romano?

Ja, genau.

Sie haben noch einmal Metal erwähnt. Sind Sie Fan?

Immer noch, sehr. Ich mache manchmal richtige Metal-Abende, zuhause am Rechner, und träume mich in die norwegischen Wälder.

Sind dann die Haare offen?

Meistens, ja. Aber ich gehe auch zu Metal-Konzerten mit geflochtenen Zöpfen. Das hat ja Tradition – denken wir an Robert Trujillo, den Basser von Suicidal Tendencies, der zu Metallica gegangen ist: Der trägt auch gerne zwei Zöpfe. Ich mochte das schon immer.

War es, wie Sie es in „Karl May“ beschreiben, dass Sie schon in Zöpfen zur Schule gegangen sind? Ist das Ihr Vater, über den Sie da singen? Und wie biografisch ist es bei Ihnen generell?

Es sind Anleihen da. Der Grundgedanke an dem Song ist: der Vater als großer Held der Kindheit, das Loslösen in der Pubertät, zu merken, dass auch der große Papa seine Fehler macht, ein Sich-Entfernen und später dann, mit Mitte 20, das Sich-wieder-Annähern. Im besten Fall wird aus dem Vater, der Heldenfigur, ein ebenbürtiger Freund. Es geht um Verständnis, Vergebung, Verzeihen. Was ich da erzähle, auch die Flucht aus dem Traum – „Und aus dem Wilden Westen wurde wieder Ost-Berlin“ – und die Erkenntnis, die alten Träume haben noch einen Wert, daraus spricht die Liebe zu dem Vater.

Was spricht aus „Mutti“?

Dass meine Mutti eine wilde Partymaus ist, eine Rakete. Mutti ist ein Wirbelwind. Wenn Mutti bei mir zu Besuch ist, da ist es schon mal passiert, dass ein Kumpel, der zufällig dabei war, sich im Nachbarzimmer zwei Stunden hingelegt hat, weil es ihm zu viel wurde. Mutti redet schnell, ich rede schnell, sie aber immer noch einen Ticken mehr als ich.

Für den außenstehenden Zuhörer entsteht eine Art Sinuston, der sofort müde macht. Und nach all den Jahren dachte ich: Das ist doch mal ein Thema für Romano

War Mutti einverstanden?

Ja, ich habe ihr Okay. Es ist ja auch mit einem Augenzwinkern: Mutti ist nicht die beste Köchin, Mutti spielt gerne laut Geige. Zu Weihnachten holt sie die immer raus, und alle denken: Oh Gott! Aber es ist auch mit viel Liebe. Sie hat so eine locker-lässige, fast kindliche Art. Mutti, das ist dein Song. Sie hat es abgesegnet.

Was soll die Zukunft bringen? „Sekt an der Champagnerbar“, wie es auf dem Album heißt?

In Würde altern, darum geht es. Man kann das Leben so oder so nehmen, das Glas halb leer, halb voll. Bei mir ist es halb voll. Mit 66 Jahren fängt das Leben an, heißt es. Bei mir heißt es: mit 666 Jahren. Man kann sich jeden Lebensabschnitt schön machen, ob mit Lackschuh oder barfuß, ist doch egal.

„Copyshop“ (Vertigo Berlin/Universal Music) erscheint am 8. September. Am 12. November spielt Romano im Musikzentrum.

Von Stefan Gohlisch


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