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Pures Gefühl: Rolando Villazón und seine Pianistin Carrie-Ann Matheson im Kuppelsaal.

Pures Gefühl: Rolando Villazón und seine Pianistin Carrie-Ann Matheson im Kuppelsaal.
© Rainer Dröse

Klassik

Rolando Villazón begeistert im Kuppelsaal

Ein Spitzensänger im ausverkauften Kuppelsaal: So schön was das Konzert von Rolando Villazón.

Hannover. Kaum betritt er die Bühne, gibt’s Beifall, den andere Sänger (wenn überhaupt) am Schluss erwarten dürfen: Rolando Villazón im ausverkauften Kuppelsaal. Wer nun aber erwartet, dass ein tenoraler Strahlemann mit Spitzentönen nur so um sich schmeißt, irrt. Der mexikanische Startenor präsentiert einen Querschnitt durch 200 Jahre italienisches Lied – eher ein lyrisch-poetische Abend mit verhaltender Dramatik. Am Flügel die kanadische Pianistin Carrie-Ann Matheson.

Villazón steigt ein mit vier Liedern aus dem frühen 18. Jahrhundert. Technisch sehr anspruchsvoll mit kunstvollen Verzierungen; sein volles warmes Timbre in der mittleren Lage zieht das Publikum in den Bann. Manchmal noch etwas unsicher im piano – aber so anzufangen ist schon anspruchsvoll. „Caro mio ben“ (von Giuseppe Giordani) kommt gefühlig daher wie ein inbrünstiges Gebet. Überhaupt ist viel von Liebe, Tod und Tränen die Rede.

Es geht weiter mit Alesandro Scarlatti; und hier zeigt sich doch, dass Villazóns eigentlich die Opernbühne braucht: die begleitende Pantomime ist schon großes Theater. Dann Rossini; zu Liedern im italienschen Volkston markiert er den Betrunkenen oder tanzt einfach ein bisschen mit. Mit Bellini kommt endlich der Bel Canto. Drei Lieder mit weitschweifiger Agogik und schluchzenden Untertönen.

Wenn Villazón bis jetzt im oberen Bereich meist mit halber Stimme agiert hat, dann geht es bei Verdi doch mehr zur Sache. Hier genießt man die strahlenden Kantilenen des Opernstars. Aber immer noch ohne tenoralen Vulkanausbruch. Zwischendurch eine kurze Ansprache auf deutsch – die bewegende Bitte des Sängers um ein bisschen Mitleid mit Obdachlosen. Um die geht es dann auch im folgenden Verdi-Lied.

Zum Schluss begeisterter Beifall und erst nach drei Zugaben (unter anderem de Falla, und ein italienisches Trinklied) kommt der ultimative tenorale Rausschmeißer: Funiculi, Funicula – der Saal tobt, sogar die feinfühlig-präzise Klavierbegleiterin singt mit.

Von Günther Heiß


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