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ADELIGE LEGENDE: Roland Kaiser, ein Gentleman mit Testosteron-Pumpe und wohlgereifter Stimme, begeistert 4000 Fans zwischen acht und 80 Jahren auf der Gilde-Parkbühne.

ADELIGE LEGENDE: Roland Kaiser, ein Gentleman mit Testosteron-Pumpe und wohlgereifter Stimme, begeistert 4000 Fans zwischen acht und 80 Jahren auf der Gilde-Parkbühne.

KONZERT

Roland Kaiser bei würdigem Wetter

Roland Kaiser kam, sang und begeisterte. 4000 Fans waren für den Schlager-Star zur Gilde-Parkbühne gekommen – in Bussen und als „Muttis on Tour“.

Hannover.  Der Kaiser geht nicht raus und spielt drauflos. Er ist da, schreitet, die Showtreppe herunter, Schlager-Adel verpflichtet. Ein schwarzer Dreiteiler und weißes Hemd sind des Kaisers neue Kleider, und sein neues, sein erstes Lied ist „Auf den Kopf gestellt“. Roland Kaiser singt auf der Gilde-Parkbühne von den Kapriolen, die das Leben so schlagen kann, und 4000 Menschen singen hingerissen mit.

Der Mann ist eine Legende. Er wurde groß in den 70er Jahren. In der ersten gigantischen Erfolgsphase des deutschen Schlagers, landete Riesenhits wie „Lieb mich ein letztes Mal“, „Amore mio“, „Santa Maria“ und „Manchmal möchte ich schon mit dir“, die er auch heute wieder spielt. Er war ein begnadeter Verbalerotiker, ein Gentleman, der Testosteron versprühte, ein Fels in der Brandung und sieben Fässer Wein konnten ihm nicht gefährlich sein. Lange her. 65 Jahre alt ist er jetzt, seit 43 Jahren im Geschäft. Und doch ist der Schlager wieder quicklebendig, Kaiser ist es auch, und beides ist nicht selbstverständlich.

Hannover wurde ihm, wie der gebürtige Berliner und Wahl-Münsteraner immer wieder erzählt, 2010 zum zweiten Geburtsort – in der MHH wurde ihm eine Lunge transplantiert. Und der Schla­ger? Gedieh und ge­deiht seit jeher am besten in Zeiten, die nicht einfach sind. Man singt vom Werden und Vergehen, vom kleinen Tod, um nicht an den großen zu denken, nicht an den Krieg, ob kalt oder heiß, an Terror und wahnwitziges Weltgeschehen. Das kommt an: Das Publikum umfasst ganze Generationen, von acht bis 80, ganze Busladungen, Kegelclubs, Lauftreffs und „Muttis on Tour“.

Die 4000 geben dem Kaiser, was des Kaisers ist: Jubel und Bewunderung, Blumen und Plüsch. Pralle zweieinhalb Stunden geht die Show. Er spielt ein erstaunliches Set, mit den alten Hits und neuen wie „Ich fege die Sterne zusammen“ oder „Extreme“ – und mit teilweise überraschenden Cover-Versionen: ein Medley mit Udo-Jürgens-Liedern, Chris Normans „Midnight Lady“ und „I Don’t Want to Talk about it“ von Crazy Horse. Speziell da zeigt sich, dass dieser vermeintliche Schlager-Fuzzi auch ganz anders könnte mit seiner tiefen, wohlgereiften Stimme. Er will aber nicht.

Eine schicke Show hat er mitgebracht, eine Leinwand für stimmungsvolle Projektionen und gute Witterung: Es ist – selten genug in dieser Saison – Kaiserwetter, auch nach der Dämmerung. Und die zwölfköpfige Band bringt erstaunliche Nuancen in den allgegenwärtigen Discopop, lässt Maffay, Eisbrecher und Wolle-Petry antreten, liefert Dance-Beats bei „Dich zu lieben“ genauso wie die Rockballade „Bis zum nächsten Mal“, dem letzten Lied. „Ich wollte euch zufrieden se­hen“, singt er da. Das ist ihm zweifellos gelungen. 4000 Menschen im Hochgefühl: Heute ein Kaiser.

Von Stefan Gohlisch


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